Zweit- und Drittwagen verursachen hohe Kosten, werden aber meist wenig genutzt. Besonders für junge Familien kann das zum Problem werden. Die Stadtwerke wollen Abhilfe verschaffen – durch ein Car-Sharing-Angebot mit Elektroautos speziell für Familien und Menschen, die in Mehrparteienhäusern wohnen.

Udo Engel, Geschäftsführer der Stadtwerke, erläutert das geplante Konzept: „Wir wollen ein Car-Sharing für geschlossene Gruppen entwickeln.“ Das könnte so aussehen: Ein Wohnquartier oder mehrere Familien könnten sich einen Mietwagen teilen – und müssten keinen teuren Zweitwagen anschaffen. Denn der stehe ohnehin meistens rum, sagt Engel, „hingegen ist die Nutzungszeit eines Sharing-E-Autos deutlich höher als die eines Zweitwagens.“ Und falls das Mietauto doch gerade mal nicht verfügbar sein sollte, könne man immer noch auf einen Wagen aus dem freien Car-Sharing zurückgreifen, sagt er.

Die Stadtwerke verfolgen mit dem Projekt verschiedene Ziele. Drei Vorteile des Konzepts stechen heraus: „Für die Umwelt ist das Projekt aus zwei Gründen positiv“, sagt Engel. Zum einen sollen alle Mietwagen elektrisch betrieben werden, und damit umweltschädliche Verbrenner ersetzen. Zum anderen reduziere sich so die Anzahl an Fahrzeugen in der Stadt. „Es müssen sich zum Beispiel nicht sechs Familie sechs Zweitwagen kaufen, sie können sich auch einen teilen“, erklärt der Geschäftsführer. Dadurch würden weniger Ressourcen verbraucht, man brauche weniger Parkplätze und es gebe mehr Freiraum in der Innenstadt.

Familien profitieren finanziell

Zudem profitieren die Teilnehmer vor allem finanziell, wie Udo Engel an einem Rechenbeispiel vorrechnet. Ein privater Zweitwagen kostet laut Engel monatlich im Schnitt um die 300 Euro. Wenn sechs Familien sich einen ­E-Zweitwagen teilen, teilen sich somit auch die Fixkosten auf 50 Euro pro Familie, so Engel: „Jeder Haushalt würde so 250 Euro im Monat an Pauschalkosten sparen.“ Allerdings käme noch eine Nutzungsgebühr oben drauf, ähnlich wie beim bereits bestehenden freien Car-Sharing der Stadtwerke. Dort zahlen Nutzer 1,80 Euro pro Stunde und 22 Cent pro Kilometer. Nach 18 Stunden und 100 Kilometern sinkt der Preis.

Eine ähnliche Summe schwebt Engel auch für das neue Konzept vor. „Die genauen Preise hängen natürlich von der Höhe der Pauschalsumme ab“, so Engel. Am Ende könne jeder Vertrag und die Kostenaufteilung zwischen den teilnehmenden Haushalten individuell ausgestaltet werden, versichert er. Selbst mit Nutzungsgebühr könne jeder Haushalt beim Car-Sharing so noch immer 200 Euro gegenüber der Anschaffung eines Zweitwagens sparen – pro Monat. „Das ist eine realistische Zahl“, schätzt Engel.

Erste Gespräche laufen bereits

Doch wie und wo genau soll das Konzept umgesetzt werden? Aktuell befinde man sich bereits in ersten Gesprächen mit zwei oder drei Eigentümern von Wohnanlagen, berichtet Udo Engel. Diese müssten als Partner der Stadtwerke beteiligt werden und der Umsetzung in ihren Gebäuden zustimmen. Anschließend könnten die Stadtwerke Angebote an die einzelnen Mieter der Quartiere machen. Die Stadtwerke installieren dann die Ladeinfrastruktur in den Quartieren, zum Beispiel in den Tiefgaragen von Mehrfamilienhäusern. Für das E-Auto werde ein fester Stellplatz eingeplant. Weil die Verhandlungen noch laufen, könne er noch keine konkreten Namen oder Orte nennen, sagt Udo Engel, doch „bei allen Neubaugebieten wird diese Idee mitgedacht und mit den Eigentümern und Hausverwaltungen besprochen.“ Zudem soll das Konzept auch in bestehenden Quartieren etabliert werden. Wann es soweit ist, stehe hingegen noch nicht fest. Ziel sei es gewesen, schon in diesem Jahr den ersten Versuch umzusetzen. Wegen Corona sei es laut Engel jedoch zu Verzögerungen gekommen und daher ungewiss, ob die Zeit reicht. „Momentan hängt es noch an der Zusage der Eigentümer“, sagt der Geschäftsführer. Es sei oft ein Problem, jemanden zu finden, der es als Erster umsetzen wolle. „Danach läuft es aber sehr schnell“, verspricht er.