Neugierig kommen rund ein Dutzend Weidebewohner im Galopp über die Wiese gerannt, um die Spaziergänger auf dem Bachweg in Schwerzen fröhlich zu begrüßen. Ein tolles Bild bieten diese gut gelaunten und sichtlich zufriedenen Tiere, die in ihrer Herde, mit ganz viel Freiraum ein schönes Leben genießen.

Tiere auf der Weide sind bei uns im ländlichen Raum an sich ja kein ungewöhnliches Bild. Es zeichnet unsere Region aus, dass Kühe, Schafe Ziegen und so manches Federvieh ein artgerechtes Dasein führen dürfen. Im Wutöschinger Ortsteil Schwerzen allerdings gibt es Weidebewohner, die auch in unserer Gegend einmalig und damit eine echte Attraktion sind. Die Landwirtsfamilie Billich lässt nämlich im wahrsten Sinne des Wortes „Die Sau raus“. Rund ein Dutzend Schweine leben dort am Ortsrand auf einer großen Weide, direkt hinter dem Hof. Und den Tieren ist förmlich anzusehen, dass sie sich dort sauwohl fühlen.

Vom Ferkelstall auf die Weide

Seit sie mit circa zwölf Wochen dem Ferkelstall auf dem Hof Billich entwachsen sind, leben die 20 Schweine draußen auf der Weide und werden dort auch ihr ganzes weiteres Leben verbringen. Bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit sind sie draußen an der frischen Luft, haben jede Menge Platz, genießen das Bad in ihrer Suhle, spielen, relaxen und freuen sich über den Besuch der Bauersfamilie oder Spaziergänger, die an der Weide vorbeikommen und führen ein rundherum tierisch gutes Leben.

Saugut gut finden die Weideschweine ihr winterliches Bad im Schnee.
Saugut gut finden die Weideschweine ihr winterliches Bad im Schnee. Bild: privat

Zum Schlafen ziehen sie sich in ihren mobilen, Stall zurück, der, voll isoliert, auch vor Kälte schützt. Doch auch im Winter sind die Schweine tagsüber auf der großen Weide unterwegs. Ein Bad im Tiefschnee finden sie tierisch gut und die Temperaturen sind für sie überhaupt kein Problem. „Auf der Weide ist immer wieder richtig was los, denn Schweine sind vor allem nachmittags sehr aktive Tiere, neugierig und verspielt. Sie sind sehr intelligent und brauchen Beschäftigung. Den Vormittag verbringen sie dagegen ganz gerne noch in Ruhe“, verrät Rita Billich über ihre Schützlinge. Wenn sich die Landwirtin der Weide nähert, dann kommt sofort Leben in die Herde. Im Schweinsgalopp rennen die Tiere auf sie zu und begrüßen sie mit fröhlichem Grunzen. Sie wissen schon, dass es jetzt ein Leckerchen gibt. Zwar haben sie den ganzen Tag Zugang zu ihrem Futterautomaten, aber die leckeren Äpfel aus der Hand der Bäuerin sind halt ein ganz besonderer Genuss. Auch die Streicheleinheiten, die es dazu gibt, genießen die Tiere in vollen Zügen. „Wir haben eine enge Beziehung zu unseren Schweinen“, erklärt die Landwirtin. Das ist uns wichtig, denn es erspart ihnen eine Menge Stress.“

Tierisch schön, ist so ein Leben auf der Weide. Und die täglichen Leckerli fördern nicht nur die Schwein-Mensch-Beziehung, sondern sind für die Vierbeiner ein echter Genuss.
Tierisch schön, ist so ein Leben auf der Weide. Und die täglichen Leckerli fördern nicht nur die Schwein-Mensch-Beziehung, sondern sind für die Vierbeiner ein echter Genuss. Bild: privat

Mit ihrem Projekt Weideschweine möchten Rita und Eugen Billich neue Wege gehen. In vierter Generation bewirtschaften sie den Betrieb, mit dem Schwerpunkt Ferkelzucht, sowie Acker-und Grünland für die Futterversorgung der Tiere. „Mit dem Projekt Weideschweine wagen wir den Schritt zurück zur Natur“, erklärt Eugen Billich, „Nicht nur uns ist es wichtig, dass es unseren Tieren gut geht, auch den Konsumenten liegt das Tierwohl am Herzen.

Tierwohl und Fleischqualität

Der Trend geht dahin, dass weniger Fleisch konsumiert wird, dafür muss es aber von guter Qualität sein.“ Damit sind Billichs Weideschweine echt Trendsetter. Die Tiere verbringen ihr ganzes Leben auf dem Hof, immer umsorgt von vertrauten Menschen und ganz ohne Stress, bis hin zu ihrem letzten Weg ins gemeindeeigene Schlachthaus in Schwerzen.

Räckeln in der Suhle gehört zu den liebsten Beschäftigungen der Schweine. Was so viel Spaß macht, hat auch noch einen Nutzen. Der Schlamm dient als natürlicher Sonnenschutz.
Räckeln in der Suhle gehört zu den liebsten Beschäftigungen der Schweine. Was so viel Spaß macht, hat auch noch einen Nutzen. Der Schlamm dient als natürlicher Sonnenschutz. Bild: privat

Sie haben jede Menge Bewegung, was den Muskelaufbau fördert und genießen hochwertiges Futter aus der Region. „All diese Faktoren beeinflussen die Qualität des Fleisches – und das schmeckt man“, weiß Landwirt Eugen Billich. Seit einem Jahr leben die Weideschweine bereits auf dem Hof und das Resümee von Rita Billich ist durchweg positiv „ Es hat schon eine große Portion Mut und Idealismus und auch Leidenschaft zur Landwirtschaft gebraucht um uns an dieses ziemlich einzigartige Projekt zu wagen. Schweine auf der Weide bedeuten deutlich mehr Aufwand, aber sie machen uns auch viel Freude. Ob die Konsumenten diesen Weg mitgehen wussten wir im Vorfeld nicht. Doch die Resonanz ist sehr gut. Unsere Kunden, die den Hofverkauf mit Selbstbedienung rege nutzen, schätzen die Fleischqualität von unseren glücklichen Schweinen, auch die Gastronomie steigt immer stärker mit ein.“ Deshalb soll das Pilotprojekt Weideschweine weiter ausgebaut werden. Eine zweite Weide ist bereits angelegt und die Zahl der Weideschweine wird steigen.“ Den Mehraufwand im Vergleich zur traditionellen Schweinehaltung nehmen die Billichs gerne in Kauf. „Nachhaltigkeit, Nähe zur Natur, Tierwohl, Transparenz und die Qualität unserer Produkte liegen uns sehr am Herzen“, sind sich Rita und Eugen Billich einig, „Die Weideschweine sind deshalb unsere Zukunftsvision.“ Noch mehr Infos sowie den Film „ So schmeckt der Schwarzwald“ gibt es auf www.weideschwein-wutachtal.de