Nein, ein Kinderbuch ist es nicht, woran Norbert Lüttin die vergangenen Monate gearbeitet hat. Obwohl auf dem Buchumschlag ein Teddybär abgebildet ist. Das Gegenteil ist der Fall: Das Buch „Eisige Flucht – Eine Odyssee in Deutschland“, erschienen im Salpeterer-Verlag, greift die Biografie einer Familie auf, die nach zweieinhalb Jahren Flucht nach dem Zweiten Weltkrieg im Südschwarzwald landet. Es ist jetzt im Buchhandel und in einigen regionalen Geschäften erhältlich.

„Infolge des zweiten Weltkrieges gab es in Deutschland Millionen Flüchtlinge und Vertriebene“, erklärt Norbert Lüttin. Er unternimmt den Versuch, die politischen Entwicklungen zu beschreiben, die zur Entstehung der beiden Weltkriege des vergangenen Jahrhunderts führten. Parallel dazu erzählt er die authentische Biografie der Familie Gerigk.

Wie Millionen anderer Flüchtlinge und Vertriebene hatte sie nach 1945 alles verloren und fand schließlich erst nach einer jahrelangen Odyssee eine neue Heimat im Hotzenwald. Norbert Lüttin greift zu einem literarischen Trick, indem er zwischen historischen Fakten und persönlichen Ereignissen wechselt. Das Buch soll also nicht nur die Biografie einer Familie darstellen, sondern auch wie ein Geschichtsbuch in einem Zeitraffer funktionieren, inklusive Illustrationen, Fotografien und Karten. Eine davon zeichnet den gesamten Fluchtweg der Familie Gerigk von der Ortschaft Mehlsack in Ostpreußen über die eiskalte Ostsee nach Kopenhagen, Aarlborg – wo sie in einem Flüchtlingslager das zweite Weihnachtsfest hinter Stacheldraht feierte – und Kolding in Dänemark quer durch Deutschland bis Offenburg, Säckingen und schließlich Rüßwihl.Dreh- und Angelpunkt des Buches sind die detaillierten Beschreibungen der Erlebnisse von Norbert Lüttins Großmutter Agathe und deren Kindern. Lüttins Tanten Gertrud und Moni hatten ihre Erinnerungen an die Flucht aufgezeichnet. Dies war für den Autor eine wichtige Grundlage für das Buch. Die drei Schwestern Gertrud, Moni und seine Mutter Dora leben heute noch. „Ich konnte durch Interviews mit ihnen viele Details herausfinden“, so Norbert Lüttin. Im Juli 1947 kam die Flüchtlingsfamilie in Säckingen an, wo sie wieder in Baracken untergebracht wurde, jedoch ohne Stacheldraht. Später gelangte sie nach Rüßwihl, nur Gertrud kam in das Mädchenheim nach Tiefenstein und arbeitete in der Spinnerei.

Die Erzählungen der Geflohenen haben bei ihm einen bleibenden Eindruck hinterlassen, berichtet der Autor. Denn: „Sie waren Zeitzeugen des Krieges und mussten durch die Flucht vor der Roten Armee alles hinter sich lassen, um ihr eigenes Leben zu retten“, so Lüttin, der alle noch vorhandenen Unterlagen gesichtet hat. Und der Teddybär auf dem Umschlag? Den hat Roland Sens, Grafiker aus Laufenburg, ins Spiel gebracht, weil er die Vertreibung aus dem Paradies versinnbildlichen wollte.