Der Beruf im Einzelhandel birgt mehr Möglichkeiten, als es auf dem ersten Blick erscheinen mag. „Es geht primär um die Aufwertung dieses Berufes, der nur wenig Anklang bei den jungen Leuten findet“, erklärt Studienrätin Andrea Thoß-Rauer von der Kaufmännischen Schule in Waldshut, die gemeinsam mit ihrer Kollegin, Studienrätin Eva Bayer und Studiendirektor a.D. Rolf Eichhorn, den Azubi-Award federführend organisiert. Das in einem guten Verkäufer vielfältige Talente schlummern, soll der Azubi-Award zeigen. Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft von Landrat Martin Kistler. Organisiert wird der Award vom Förderverein der Kaufmännischen Schule Waldshut, unterstützt vom Werbe- und Förderkreis Waldshut sowie der Aktionsgemeinschaft Tiengen und der IHK Hochrhein-Bodensee.

Besondere Bedeutung in der Grenzregion

„Als Kaufmännische Schule sind wir stolz darauf, die Einzelhandelskaufleute in ihrer Ausbildung zu begleiten und möchten ihnen eine Plattform bieten, auf der sie unter Beweis stellen können, was sie in drei Jahren gelernt haben“, freut sich Andreas Thoß-Rauer darauf, dass die Veranstaltung in diesem Jahr wieder stattfinden kann.

„Der Ausbildungsberuf des Einzelhändlers oder des Verkäufers genießt in einer Grenzregion wie der unseren eine besondere Bedeutung“, weiß die Studienrätin. Auch müssten Antworten gefunden werden auf den immer weiter um sich greifenden Interneteinkauf, der mitunter zur teilweisen Verödung von Innenstädten führt. „Hervorragende Beratung gepaart mit einem Erlebniseinkauf und ansprechendem Sortiment sichert nicht nur die Kundenbindung, sondern generiert auch zusätzliche Umsätze“.

Im Rahmen des Wettbewerbs stehen den acht Teilnehmern acht Testkäufer gegenüber. Bei den Testkäufern handelt es sich um erfahrene Geschäftsleute aus Waldshut und Tiengen sowie aus vier Lehrern der Kaufmännischen Schule. Insgesamt sieben Minuten hat jeder Teilnehmer Zeit, die Jury von seinen Verkaufsqualitäten zu überzeugen. Bewertet wird die Eröffnung des Verkaufsgesprächs zwischen einem Teilnehmer und seinem Testkunden. Dabei spielt der Blickkontakt eine Rolle oder wie der „Verkäufer“ mit Stress umgeht. Weiter geht es mit der Warenpräsentation. „Der Kunde soll in eine Kaufstimmung gebracht werden“, so die Studienrätin. Dazu müssen im Gespräch auch alle Sinne angesprochen werden. Die Kenntnisse über rechtliche und betriebliche Regelungen werden ebenfalls abgefragt. Darin muss der Auszubildende unter Beweis stellen, wie sehr er die rechtliche Seite sowohl für das Geschäft, als auch für den Käufer kennt.

Auch der Gesamteindruck wird bewertet und wie der Auszubildende dem Kunden gegenüber auftritt. Maximal zehn Punkte können von der Jury vergeben werden. Für das Gespräch hat jeder Teilnehmer, die aus den unterschiedlichsten Sparten des Einzelhandels kommen, die Ware dabei.

Nach der Auswertung kommen die besten drei Teilnehmer weiter. Ein Reklamationsgespräch, dass durch einen weiteren Kunden „gestört“ wird, entscheidet dann letztendlich, wer als Sieger aus dem Wettbewerb gehen wird. Landrat Martin Kistler übergibt den Siegerpokal, der von der IHK Hochrhein-Bodensee gestiftet wird. Außerdem gibt es ein Preisgeld zu gewinnen.

Vielseitigkeit näher bringen

„Ein solcher Wettbewerb fördert einen praxisorientierten Unterricht und trägt der mündlichen IHK-Abschlussprüfung Rechnung“, so Thoß-Rauer.

In einem Verkaufsgespräch können theoretische Lerninhalte und Berufspraxis professionell miteinander verbunden werden.

„Als Zuschauer werden in diesem Jahr – pandemiebedingt – Schulklassen der Kaufmännischen sowie der Christlichen Schule und der Realschule Waldshut per Livestream erreicht“, freut sich Andrea Thoß-Rauer über Zuschauer während des Wettbewerbs. „Ihnen soll als potenzielle künftige Azubis mit dieser Veranstaltung unter anderem die Vielseitigkeit des Berufs des Einzelhändlers oder Verkäufers nähergebracht werden“.