Neben täglichen Schlagzeilen zum Krieg zwischen Russland und der Ukraine liest man gleichermaßen oft Berichte über die Spenden- und Hilfsbereitschaft, auch hier am Hochrhein. Viele Institutionen, Privatinitiativen und Vereine versuchen zu unterstützen. So hat beispielsweise der Küssaberger Fußballverein SV Rheintal am Wochenende Hilfsgüter gesammelt und möchte Eintrittsgelder spenden. Wir selbst haben als Familie vor wenigen Tagen beschlossen, unsere Ferienwohnung zur Verfügung zu stellen und eine ukrainische Frau mit ihrer Tochter aufgenommen.

Es waren sicher auch die Bilder des Krieges und die vielen Frauen mit ihren Kindern auf der Flucht, welche bei uns den Ausschlag gegeben haben, aktiv werden zu wollen. Wichtig war uns nur, den „offiziellen“ Weg zu gehen. Ähnlich wie bei Sach- oder Geldspenden will man einfach wissen, dass man es richtig macht, und wenn es um die Unterbringung von Menschen geht, ist das umso wichtiger. Glücklicherweise hat unsere Gemeinde eine sehr engagierte Integrationsmanagerin, an die wir uns direkt wenden konnten. Hier wurden zunächst unsere Daten aufgenommen. Ähnlich ist es übrigens in anderen Gemeinden, auch das Landratsamt hilft bei vielen Fragen weiter.

Milena Amann (links) vom Bürgerbüro der Gemeinde Küssaberg und die Integrationsmanagerin Terry Powell sind gut vorbereitet auf die Fragen rund um die Menschen aus der Ukraine. Notwendige Formulare und Informationen zu Sprachkursen liegen bereit.
Milena Amann (links) vom Bürgerbüro der Gemeinde Küssaberg und die Integrationsmanagerin Terry Powell sind gut vorbereitet auf die Fragen rund um die Menschen aus der Ukraine. Notwendige Formulare und Informationen zu Sprachkursen liegen bereit. Bild: Tina Prause

Bereits wenige Stunden später kam die Information, dass ein Ehepaar sich gemeldet hat, welches als Erst-Anlaufstelle zwei aus der Ukraine geflohene Frauen mit Kindern aufgenommen hat. Am Abend des gleichen Tages haben wir die Familie besucht und am nächsten Morgen schnell ein paar Lebensmittel und Hygieneartikel gekauft. Dann war schon der Umzug in die Ferienwohnung.

Anmeldung in der Gemeinde

Die Mutter und ihre Tochter sprechen aktuell nur ukrainisch. So sind die allgemein bekannten Übersetzungsprogramme unsere besten Freunde geworden. Das funktioniert tatsächlich gut. Natürlich sollte man die geflüchteten Menschen auch bei den notwendigen bürokratischen Punkten unterstützen. Sie müssen bei der Gemeinde angemeldet werden. Dann folgt ein Termin mit der Ausländerbehörde. Sind Kinder dabei, so wie bei uns, sollte das Thema Schule besprochen werden. Sehr hilfreich ist, dass innerhalb weniger Tage von den Gemeinden und Behörden viele offizielle Internetseiten entstanden sind. Fast alle Seiten sind neben deutsch auch auf Ukrainisch verfasst. Es geht nicht darum, die Familie sofort in unser Leben zu integrieren, sondern vielmehr darum, ihnen zu ermöglichen, erst mal zur Ruhe zu kommen. Durch unsere Kinder haben die Schulkameraden und somit deren Eltern erfahren, dass wir eine Mutter mit Kind aufgenommen haben.

Viele haben uns sofort ihre Unterstützung angeboten. Jeder hilft so, wie es geht. Egal ob es sich um Kleidung, Lebensmittel, Schulmaterial für das Erlernen der Sprache handelt, wir wissen, wo wir problemlos anrufen können. Das ist toll und gibt zudem den Menschen aus der Ukraine das Gefühl, willkommen zu sein. Wie die nächsten Schritte aussehen, wissen wir noch nicht. Ebenso wenig, wie lange die beiden Frauen bei uns wohnen werden. Dieser Ungewissheit sollte man sich bewusst sein, wenn man eine Unterbringung anbietet. Es gibt allerdings auch die Möglichkeit, Wohnraum befristet zur Verfügung zu stellen. Jedem, der darüber nachdenkt, können wir nur empfehlen, bei den Behörden einfach nachzufragen. Final kann man eigentlich nichts falsch machen, oder?