Zwei Jahre blieb es still im Klostergarten zu Riedern, doch seit einigen Wochen wird am prächtigen Theaterschiff Rouenaise fleißig gewerkelt und auch im wenige hundert Meter entfernten Heim des Theatervereins Zeitschleuse herrscht wieder reger Betrieb. Es ist deutlich zu spüren, dass große Ereignisse ihre Schatten vorauswerfen: Ab dem 29. Juli sticht die Rouenaise wieder in See, denn die Theatertruppe Zeitschleuse aus Ühlingen-Birkendorf wird in diesem Sommer ihr Freilufttheaterstück „Zwischen den Welten“ zu neuem Leben erwecken und die Geschichte des Dorus Kromer und seiner Marei in einer neuen, erweiterten Auflage erzählen.

Bereits im Sommer 2019 hat der Theaterverein Zeitschleuse mit der wahren Geschichte des Riederner Bürgers Dorus Kromer rund 5500 Zuschauer in neun ausverkauften Aufführungen im Klostergarten bewegt. Die Lebensgeschichte des Auswanderers, der auch Vater des bekannten Schriftstellers und Malers Heinrich Ernst Kromer war, wurde vom Theaterverein mit so viel Herzblut, Authenzität und einer ungeheuren Liebe zum Detail inszeniert, dass die Theaterbesucher die Magie dieser großen Abenteuer- und Liebesgeschichte, die zwischen 1850 und 1880 spielt die Auswanderung der Schwarzwaldbauern nach Amerika thematisiert, förmlich mitlebten.

Das fulminante und aufwändig recherchierte Freilufttheater, welches mit 120 Darstellern und Helfern inszeniert wurde, ist zu einer großen Erfolgsgeschichte gewachsen, die auch Besucher von weit her nach Riedern gelockt hatte. „Wir haben so viel positive Resonanz erhalten“, freut sich Corinna Vogt, Regisseurin des Theaterstücks. „Eine Wiederholung war gar nicht geplant, doch auf vielfachen Publikumswunsch und weil so viele Menschen 2019 keine Karten für die ausverkauften Vorstellungen mehr erhalten haben, entschieden wir uns doch für eine Neuauflage im kommenden Sommer“, erklärte Corinna Vogt.

Große Herausforderungen

Diese Planung machte die Corona-Pandemie zunichte. Erst jetzt, drei Sommer später, sind Aufführungen wieder möglich. Für Corinna Vogt war diese Zeit eine echte Herausforderung. „eine so große Theaterfamilie über diese drei Jahre zusammenzuhalten ist wirklich nicht einfach.“ Etliche Rollen mussten während dieser langen Pause neu besetzt werden, viele Kinder waren ihre Rollen entwachsen, andere Darsteller konnten aus beruflichen oder privaten Gründen nicht mehr dabei sein.“ Aber die Hauptrollen blieben bis auf eine in der Besetzung unverändert, was für Corinna Vogt entscheidend war. „Sonst wäre der Probenaufwand nicht zu schaffen.“ Auch das Nähteam um Friedel Kammler und Edith Brogle ist wieder mit dabei und die Mannschaft die Backstage emsig organisiert und vorbereitet ebenso. „Ohne die vielen Menschen, die im Hintergrund für den reibungslosen Ablauf sorgen, wäre ein solches Großprojekt nicht möglich.“

Wann immer die Corona-Regeln es erlaubten fanden während der Pandemie auch Proben statt, denn Corinna Vogt hat sich die Wüsche aus dem Publikum zu Herzen genommen und „Zwischen den Welten“ gemeinsam mit Ihrer Mutter Erika Buhr umgeschrieben. „Die Hochzeit von Dorus Kromer und seiner Marei ist als neue Szene dazu gekommen, ebenso eine weitere Episode, ein aufwändig gestaltetes Parallelbild, welches zwei Szenen gleichzeitig zeigt, das Geschehen auf dem Schiff in der Ferne, während Marei gleichzeitig in der Heimat ihr erstes Kind zur Welt bringt“, verrät Corinna Vogt. Andere Szenen hat sie gekürzt oder ganz gestrichen, so dass die Geschichte jetzt eng am roten Faden verläuft. Insgesamt bereichern noch mehr große Bilder und Szenen das fulminante Theaterspiel und auch Kulturfreunde, die das Stück 2019 bereits gesehen haben, werden viel neues entdecken und sollten sich dieses Erlebnis nicht entgehen lassen.

Sieben Aufführungen

Sieben Aufführungen sind im Juli und August geplant, der Kartenvorverkauf hat bereits begonnen. Wie im Jahre 2019 werden bereits 3 Stunden vor Theaterbeginn im vorderen Klostergarten die Wirte der Gasthäuser Kreuz Riedern und Posthorn Ühlingen leckere Abendessen für die Gäste zaubern. Zur Derniere, dem großen Finale am 7. August hat sich auch der prominente Schirmherr des Theaterprojektes angekündigt: Ühlingen-Birkendorfs Ehrenbürger, Erzbischof Georg Gänswein begleitet das besondere Theaterprojekt eng und spendet ihm auch in diesem Jahr wieder seinen Segen.