Wir alle wissen oft aus Kindertagen, wie gut es tut, im Wald zu sein. Die frische Luft, das satte Grün, der Duft von Moos, Erde, Tannennadeln oder frisch geschlagenem Holz- all diese Eindrücke und Düfte bringen uns unmittelbar in die Gegenwart und lassen den Stress von uns abfallen.

In der chinesischen Tradition ist diese Erfahrung zutiefst verwurzelt und das „Waldbaden“ wird dort seit über 2500 Jahren praktiziert. In den letzten 30 Jahren wurde das Waldbaden wissenschaftlich umfassend erforscht und ist auch in Europa bekannt geworden.Federführend ist hier Dr. Qing Li, der von der Regierung beauftragt wurde, die Nutzen des Waldbadens wissenschaftlich zu untersuchen. Seinen langjährigen Untersuchungen mit Studierenden ergaben erstaunliche Ergebnisse: Schon relativ kurze Aufenthalte im Wald bewirken beim Menschen umfassende Veränderungen: der Stresspegel sinkt, Risikofaktoren für Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebs sinken, Angstzustände und Depressionen werden gelindert, der Blutdruck gesenkt, das Immunsystem gestärkt, die Konzentration und die Schlafqualität nachhaltig verbessert, die Killerzellen angeregt und gestärkt.

Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse entwickelte Dr. Qing Li die Shinrin Yoku- Methode (Waldbaden) und die japanische Regierung ließ in unterschiedlichen Waldgebieten 10 Gesundheitszentren bauen, in denen die Arbeitnehmer seitdem „Waldbaden auf Rezept“ und in medizinischer Begleitung durchführen können. Das Ergebnis ist verblüffend: Die Selbstmordrate ist massiv gesunken, ebenso das in Japan weit verbreitete Problem „Tod durch Überarbeitung“.

Neben den gesundheitlichen Aspekten kann uns das Waldbaden helfen, uns wieder mehr mit der Natur zu verbinden, Kraft zu tanken, achtsam wahrzunehmen, zu staunen, zu verweilen und so zu entschleunigen. Das, was ich achte, möchte ich auch bewahren und schützen. So kann uns die neue Entdeckung des Waldes helfen, für unsere Schöpfung einzutreten und sie zu behüten- für uns und die nachfolgenden Generationen.

So ist „Waldbaden“ für mich weder eine Modeerscheinung noch eine esoterische Praxis. Vielmehr geht es darum, mich in meiner Ganzheit als Mensch wahrzunehmen – zu hören, zu schmecken, zu tasten, zu riechen. Über Atemübungen zur Ruhe zu kommen, mich zu entspannen, mich mit der Schöpfung zu verbinden und letztlich auch mit meinem Schöpfer, der mich und alles um mich herum so wunderbar geschaffen hat – zu meiner Freude und meinem Heil.