Die Bergwacht Schwarzwald kann in diesem Jahr auf ihr 100-jähriges Bestehen zurückblicken: Am 19. März 1922 gründeten in Freiburg Mitglieder verschiedener lokaler Vereine die Abteilung Schwarzwald der Bergwacht. Der Verein Bergwacht selbst war zwei Jahre zuvor im Hofbräuhaus in München gegründet worden. Nicht, um Hilfeleistungen oder gar Rettungsdienst bei Notfällen zu leisten, sondern „die Verletzung der guten Sitten, und die Missachtung fremden Eigentums oder der Rechte Dritter … zu bekämpfen“. Das Ausreißen von Pflanzen oder das Wegwerfen von Abfall wurden durch die Mitglieder des Vereins streng geahndet. Doch der eigentliche Vereinszweck sollte sich im Laufe der Jahre rasch ändern. Schon 1926 wurde die erste Rettungsstation am Rinken, Feldberg, eingerichtet. Denn der entstehende Wintersport brachte eine deutliche Tätigkeitsverschiebung der Bergwacht mit sich: Die Rettung aus dem unwegsamen Gelände trat gegenüber dem Naturschutz immer mehr in den Vordergrund.

Schwieriger Rettungseinsatz für die Bergwacht aus Todtmoos und Höchenschwand: im Albtal mußte ein verletzter Kajakfahrer geborgen werden.
Schwieriger Rettungseinsatz für die Bergwacht aus Todtmoos und Höchenschwand: im Albtal mußte ein verletzter Kajakfahrer geborgen werden. Bild: Andreas Böhm

Jubiläumsschrift

In einer umfangreichen Sonderausgabe des Magazins „Trittsicher“ der Bergwacht Schwarzwald anlässlich des Jubiläumsjahrs wird die stufenweise Entwicklung zum Bergrettungsdienst von heute beleuchtet, heißt es in einer Mitteilung. Die Wiedergründung nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1951 war der Beginn der Bergwacht Schwarzwald als eigenständige Organisation. Zunächst mit dem Schwerpunkt Pisten- und Loipenrettungsdienst, später mit wachsenden Aufgaben auch im Bereich Katastrophenschutz sowie immer weitergehenden Spezialisierungen durch neue Trendsportarten und die Digitalisierung. Ebenso auf medizinischer Seite: Die reine Unfallhilfe, der Transport aus dem Gelände mit einfachem Hornschlitten oder Trage zur nächstgelegenen Arztpraxis, sei schon lange Vergangenheit, notfallmedizinische Erstversorgung heute Standard, heißt es in der Mitteilung weiter.

Die Fördermitglieder der Bergwacht Schwarzwald erhalten die Jubiläumsschrift kostenfrei. Für einen Betrag von 10 Euro können alle Interessenten die Jubiläumsschrift bei der Bergwacht Schwarzwald per Mail über das Kontaktformular auf der Homepage bestellen.

Heute befinde sich die Bergwacht in der Phase ihres größten Umbruchs, heißt es in der Mitteilung weiter. Denn die Bedeutung der Bergrettung wandle sich. TV-Serien wie „Die Bergretter“ machten die Arbeit der Bergwacht bekannt und populär, vermittelten jedoch ein unvollständiges Bild: Nicht die filmreifen spektakulären Einsätze bei Extremsportarten, wie die Rettung von Gleitschirmfliegern, machten den Alltag der Bergrettung heute aus. Sondern bei der Mehrzahl der Einsätze handle es sich um Unglücke, die jedem in der Natur passieren könnten: Ob es die gestürzte Wanderin ist oder die Freundesgruppe, die vom Einbruch der Dunkelheit überrascht den Weg nicht mehr findet. An jedem beliebigen Ort abseits der befestigten Straßen kommen die ehrenamtlichen Retterinnen und Retter der Bergwacht, bieten erste Hilfe und kompetente Rettung aus allen Lagen.

Für eine qualifizierte Notfallrettung aus dem unwegsamen Gelände sei die Arbeit der Bergwacht unabdingbar und werde auch in Zukunft zunehmend benötigt: Denn der Freizeitaufenthalt in der Natur durch Erholungssuchende, Sportler und Touristen nehme zu und damit auch die Zahl der Rettungsdiensteinsätze.

Die Männer der Bergwacht richteten 1926 ihre erste Rettungsstation am Rinken ein.
Die Männer der Bergwacht richteten 1926 ihre erste Rettungsstation am Rinken ein. Bild: Lutz Scherer

Finanzielle Herausforderungen

Das habe zur Folge, dass Organisations- und Einsatzstrukturen der Bergrettung angepasst und modernisiert werden müssen, um diesen steigenden Anforderungen an die Rettung dauerhaft gerecht zu werden. Ganz konkret stünden mehrere Neubauten und Sanierungen in der Warteschlange, die dringend umgesetzt werden müssten. Hierfür reichten die Fördermittel des Landes und die Einsatzpauschalen der Krankenkassen bei Weitem nicht aus und die Bergwacht sei in ihrem Jubiläumsjahr wie nie zuvor auf Spenden angewiesen, heißt es in der Mitteilung.

Jubiläumsfeierlichkeiten

Zwei große Veranstaltungen sind von der Bergwacht Schwarzwald im Jubiläumsjahr geplant: Am 10. Juli wird Erzbischof Stephan Burger gemeinsam mit der Bergwacht auf dem Belchen einen Berggottesdienst feiern. Bei einem Aktionstag auf dem Feldberg am 23. Juli werden 100 Jahre Bergwacht gemeinsam mit Partnern gefeiert. (pm)