Noch herrscht Ruhe in der knapp über 1000 Seelen-Gemeinde am Tor zum Hochschwarzwald. Pünktlich um fünf Uhr zerreißen mehrere Böllerschüsse die Stille und emsiges Treiben setzt ein. Die heimische Musikkapelle marschiert durch das Dorf, um die Einwohner zu wecken. Das Legen des Blumenteppichs und das Herrichten der vier Altäre zum Bruderschaftsfest, im Volksmund auch „Unadinger Fest“ betitelt, steht an – und dies bewerkstelligen schon traditionell die Anwohner entlang der Gauchach- und Karl-Behringer-Straße im Unterdorf.

Auch Uli Oschwald (von links), Uli Kaiser und Dana Nujic haben beim Legen des Blumenteppichs viel Spaß.
Auch Uli Oschwald (von links), Uli Kaiser und Dana Nujic haben beim Legen des Blumenteppichs viel Spaß. Bild: Jürgen Müller

Aus den Häusern an der Prozessionsstrecke werden körbe- und eimerweise Blumen auf die Straße getragen, die vor Tagen im ganzen Schwarzwald gesammelt und im kühlen Keller gelagert wurden. „Es war in diesem Jahr sehr schwierig, genügend Material für den langen, aber dafür nicht ganz so breiten Blumenteppich zu bekommen“, erklärt Claudia Ketterer, Mitglied im Kirchengemeinderat und Sprecherin des für die Organisation zuständigen Gemeindeteams. „Die Vegetation ist schon fortgeschritten und viele Blumen bereits verblüht.“ Immer wieder spricht sie mit den freiwilligen Helfern entlang der Strecke, fragt, ob alles klappt, lobt sie und spricht ihnen Mut zu.

Claudia Ketterer (rechts), Kirchengemeinderatsmitglied und Sprecherin des Unadinger Gemeindeteams hat für die Anliegen der Anwohner immer ein offenes Ohr.
Claudia Ketterer (rechts), Kirchengemeinderatsmitglied und Sprecherin des Unadinger Gemeindeteams hat für die Anliegen der Anwohner immer ein offenes Ohr. Bild: Jürgen Müller

Ganz Unadingen hilft beim Blumenteppich mit

Letztendlich haben die Vereine und privaten Sammler im Vorfeld keine Wege und Mühen gescheut und so stand dem Legen eines lückenlosen Blumenteppichs am Sonntagmorgen nichts mehr im Wege. Grundlage für den Teppich, den der Pfarrer bei der Prozession als Einziger betreten darf, ist frisch gemähtes Gras – und auch das muss organisiert werden. Wobei Claudia Ketterer immer wieder betont: „Es ist quasi ein Selbstläufer!“ Und gleichzeitig rückt sie den Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung in der Dorfgemeinschaft in den Focus. „An diesem Tag kommen auch viele ehemalige Unadinger, die inzwischen irgendwo anders wohnen, in ihr Dorf zurück, um ebenfalls mit anzupacken.

Milo Zorn legt einen lachenden Smiley aus Blumen auf den grünen Untergrund.
Milo Zorn legt einen lachenden Smiley aus Blumen auf den grünen Untergrund. Bild: Jürgen Müller

In vorgefertigte Schablonen werden dann die verschiedenen Blumen und andere natürliche Materialien gelegt, wobei der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind. So legt Milo Zorn in Eigeninitiative dem Pfarrer einen Smiley in den Weg. Und im übrigen stehen insgesamt auffallend viele Kinder und Jugendliche den Erwachsenen bei der frühmorgendlichen Arbeit bei. Vor den Altären entstehen herrliche Motive wie zum Beispiel, abgeleitet vom Motto der Kommunionkinder, „Jesus und der Schatz“. Auch die Landfrauen und die Landjugend sind in großer Zahl unterwegs – sie zeichnen sich verantwortlich für die Abschnitte des Blumenteppichs ohne Anwohner. Bereits um sieben Uhr haben die Mädchen und Jungen der Landjugend ihren Job erledigt und marschieren gemeinsam zum wohl verdienten Frühstück in den Hirschen.

Mehr Bilder vom Blumenteppich gibt es hier:

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Nach und nach füllen sich auch die letzten Lücken im Blumenteppich und nach einer Stärkung gilt es sich für den Festgottesdienst um 9.30 Uhr und die anstehende Prozession zum Bruderschaftsfest zu richten – die einen im Musikverein, andere bei der Landjugend, die eine Maria- und Josefstatue tragen dürfen, die Damen in Tracht oder auch die Träger des Himmels für Pfarrer Johannes Kienzler, der sich auf seine Premiere in Unadingen riesig freut, versichert Claudia Ketterer. Sie selbst leitet die Andacht um 14 Uhr, bei der als Höhepunkt die Kommunionkinder in die Bruderschaft aufgenommen werden.