Man sieht die Tannen vor lauter Wald nicht mehr – so oder so ähnlich könnte man die aktuelle Situation am Kohlplatz beschreiben. Seit 2017 prägen hier scheinbar kahle Flächen den Blick aus dem Auto, wenn man auf den Feldberg fährt. Ist man erst einmal drin in der scheinbaren Öde, wird schnell klar, dass hier alles andere als Leere herrscht. Viele Pflanzen wie das Weidenröschen haben den Waldboden an sich gerissen und überwuchern damit die Tännchen, die man als Teilwiederaufforstung angepflanzt hat.

„Ein Teil der Fläche wurde nach dem Tornado als Naturschutzgebiet ausgewiesen und größtenteils wird auf Naturverjüngung gesetzt“, erläutert Achim Schlosser, der sich als Feldberg Förster bestens mit den Wäldern hier oben auskennt. Die kleine aber muntere Gruppe hört ihm interessiert zu. Wir sind an diesem Tag zu fünft auf den Berg gereist, um beim Freiwilligeneinsatz zu helfen. „Leider haben einige abgesagt“, entschuldigt sich Christine Peter, die für die Einsätze verantwortlich ist. Wir für unseren Teil sind jedoch sicher, dass wir trotz der kleinen Gruppe alles geben werden. „Das Projekt ist neu im Naturpark-Programm und musste wegen Corona auf dieses Jahr verschoben werden“, so Christine Peter, die an diesem Tag gerne auch selbst mithilft. Zuvor wurde bereits auf dem Rohrhardsberg eine Maßnahme zur Schaffung von Flächen für das Auerhuhn durchgeführt. „Das war ein großer Erfolg“, freut sie sich.

Die Weidenröschen auf den Sturmflächen reichen uns Helfern sogar bis über den Kopf und die wollartigen Samen setzen sich überall fest, während wir die Tännchen freischneiden.
Die Weidenröschen auf den Sturmflächen reichen uns Helfern sogar bis über den Kopf und die wollartigen Samen setzen sich überall fest, während wir die Tännchen freischneiden. Bild: Heller

Die Gruppe ist bunt gemischt. Ein Mann namens Peter outet sich sprachlich sogleich als Nordlicht, das sich jedoch dauerhaft im Brigachtal niedergelassen hat. Er war bei nahezu jedem bisherigen Einsatz mit dabei. „Du wirst auf jeden Fall Helfer des Monats“, scherzt die Regionalmanagerin vom Naturpark Südschwarzwald und freut sich über so viel Engagement.

Achim Schlosser erklärt uns, wie es zur Sturmfläche kam. Da wir alle mehr oder weniger aus der Region kommen, ist uns der plötzliche Anblick der Kahlfläche damals noch präsent. Inzwischen hat sich die Wildnis das Areal zurückgeholt. Dazu gehören jedoch auch sogenannte Sukzessionsbaumarten, die sich zwar schnell ansiedeln, jedoch durch schnelles Wachstum meist andere wichtige Baumarten zurückdrängen.

Doch diese Bäume muss man erst einmal finden. Wir kämpfen uns durch Bächle und Weidenröschen, die uns in Augen, Haare und Kleidung geraten, weshalb man immer wieder wildes Luftgepruste hört, um sich der Samen zu entledigen. Unsere Gertel, mit denen wir uns vorher bei der mobilen „Waldbox“ eingedeckt haben, nennen wir angesichts der Wildnissituation scherzhaft „Machete“. Es ist eine Osternestsuche inmitten des unwegsamen Geländes. „Ich hab eine“, hört man uns Schatzsucher immer wieder rufen. Den „Schatz“, also die Tännchen, schneiden wir jeweils frei und setzen den Verbissschutz am sogenannten „Terminaltrieb (das ist der Haupttrieb oben am Baum) neu an, da die Tännchen ja jedes Jahr weiter wachsen. Die Sonne brennt schließlich doch ganz ansehnlich für einen Spätsommertag und wir sind froh um eine Pause im Schatten des Waldes.

In der Mittagspause kommen wir schnell ins Gespräch, es ist ein wenig so, als würden wir schon immer zusammen hier im Wald arbeiten. Wir essen unsere Vesperbrötchen und quatschen über uns, unsere Hobbys und unser Interesse an der Natur.

„Da oben ist ein Reh“, zeigt Schlosser schließlich auf. Tatsächlich kämpft sich ein brauner Körper über die Felsen über uns und stürzt dabei fast ab. Puh, alles noch mal gut gegangen. Nach der Pause erklimmen wir den gegenüberliegenden Berg und werden mit einer tollen Aussicht belohnt. Oben erzählt der Feldberg Förster uns, dass hier in den 30er Jahren tatsächlich Gemsen angesiedelt wurden und diese sich hervorragend hier halten.

Die freiwilligen Helfer nach getanem Einsatz. Trotz aller Anstrengung steht jedem die Freude ins Gesicht geschrieben.
Die freiwilligen Helfer nach getanem Einsatz. Trotz aller Anstrengung steht jedem die Freude ins Gesicht geschrieben. Bild: Heller

Als es dem Ende entgegen geht, sind wir stolz, dass wir trotz der kleinen Gruppe alle Tannenflächen bearbeiten konnten. Auch Christine Peter und Achim Schlosser freuen sich und zum Dank erhalten wir eine kleine Urkunde, bevor wir uns – fast wie gute Freunde – voneinander verabschieden, um uns hoffentlich im kommenden Jahr hier wiederzusehen. Ebenso gespannt sind wir darauf, wie die Tannen sich entwickeln werden, was selbstverständlich künftig bei jeder Fahrt auf den Berg vom Auto aus begutachtet wird.