Seit 1909 zierte eine wahre Perle der bürgerlichen Baukunst das Städtchen St. Blasien. Inzwischen etwas in der Stadterweiterung untergegangen, stand sie damals noch in herausragender Präsenz am Rande der Ortschaft. Erbaut wurde sie vom Eduard Schröder, welcher sich zunächst als Patient im Lungensanatorium der Stadt aufhielt. Er selbst erlag zwar schon bald seiner Lungentuberkulose, seine Frau Anna jedoch hielt St. Blasien die Treue. Sie erhielt schließlich auch die Ehrenbürgerschaft und engagierte sich vielseitig für die Gemeinde. Die Villa wurde in den Jahrzehnten nach Annas Tod unter anderem als Kinderkurheim und Schönheitsklinik genutzt, bevor sie 2014 in privaten Besitz überging. Der neue Besitzer wollte hier ein Kulturzentrum eröffnen und lockte mit einem exquisiten Club, Seminaren und Musikveranstaltungen. Außerdem stand die Villa Gästen offen, die diese mieten wollten.

Nun sind diese Zeiten ebenso Geschichte wie die architektonischen Besonderheiten der Jugendstilvilla. Handbemalte Glasfenster, meisterhafte Holzkassettendecken und -wände sowie weitere dekorative und historische Elemente und Ornamente, die das Haus prägten, wurden in der Nacht auf Montag von den Flammen verschlungen. Als die Feuerwehr eintraf, stand das Gebäude bereits in Vollbrand.

Personen in Sicherheit

„Erst gegen Mitternacht konnte die Feuerwehr mit dem eigentlichen Löschen des Objektes beginnen – zuvor musste mit voller Anstrengung ein Übergreifen des Feuers auf benachbarte Gebäude verhindert werden.

Es wurde ein sicherer Bereich in einem Radius von etwa 50 Metern eingerichtet, denn im direkten näheren Umfeld des brennenden Gebäudes waren mehrere Gasflaschen gelagert“, wie die zuständige Polizeibehörde mitteilt.

Die Feuerwehren Sankt Blasien, Höchenschwand, Albtal, Todtmoos und Ibach waren mit rund 80 Einsatzkräften vor Ort. Des Weiteren waren mehrere Rettungsdienstteams im Einsatz.

Bedauern der Stadt

„Zunächst überwiegt die Erleichterung, dass alle sieben Personen, die sich bei Ausbruch des Feuers im Gebäude befanden, unverletzt geblieben sind“, so Bürgermeister Adrian Probst. Der sehr hohe Sachschaden schmerze aber in diesem Fall auch deshalb besonders, „weil es sich um ein Kulturdenkmal von herausragender Bedeutung gehandelt hat. Mit dem Haus sind reiche Teile der St. Blasien Geschichte verbunden. Auch architektonisch gehörte das Haus zu den wertvollsten Gebäuden der Stadt.“ Die Kurse, Veranstaltungen und Übernachtungsmöglichkeiten werden bis auf weiteres ebenfalls nicht vor Ort stattfinden können.

Nun wird das Areal abgesperrt und es werden Container zur Lagerung von verbliebenem Eigentum aufgestellt. Auch der Kontakt mit der Denkmalschutzbehörde ist bereits aufgenommen worden. „Großer Dank gilt allen Einsatzkräften, die nicht zuletzt auch ein Übergreifen des Feuers auf das angrenzende Wohngebäude des Eigentümers verhindern konnten“, so Bürgermeister Adrian Probst.

Der Schaden wird derzeit auf mehrere Millionen Euro geschätzt, die Ermittlungen zur Brandentstehung dauern an. (keh)