Wer in vergangenen heißen Sommertagen im Hochschwarzwald wanderte oder mit dem Rad unterwegs war, konnte ihn auch antreffen: Georg Thoma, der Olympiasieger in der Nordischen Kombination von 1960 in Squaw Valley/USA ist selbst noch mit dem E-Bike unterwegs und sportlich aktiv. Am kommenden Samstag feiert der „Gold-Jörgli“ seinen 85. Geburtstag.

„Ich bin soweit fit, fahre im Sommer weiterhin sehr gerne Fahrrad, im Winter mache ich Skilanglauf“, sagt der auch im reifen Alter gleichermaßen sportliche und sympathische Schwarzwälder. Über 62 Jahre sind seit dem historischen Olympiasieg an jenem 19. Februar 1960 vergangen. Georg Thoma gelang es mit dem Gewinn der Goldmedaille als erster Nordischer Kombinierer aus Mitteleuropa in die bis dahin vorherrschende Phalanx der Norweger einzubrechen.

Kombinierer top bei Spezialspringern

Geradezu sensationell zu seiner aktiven Zeit auch, dass der Kombinierer aus dem Schwarzwald 1962 als Erster das Neujahrsskispringen der Spezialspringer bei der traditionellen Vierschanzentournee in Garmisch-Partenkirchen gewinnen konnte. Es folgte die Bronzemedaille 1964 bei den Winterspielen in Innsbruck. Mit dem Gewinn des WM-Titels 1966 am legendären Holmenkollen von Oslo sicherte sich der Briefträger aus Hinterzarten endgültig seinen Platz in den Geschichtsbüchern des deutschen Sports – auf Augenhöhe mit Box-Legende Max Schmeling! „Mein Erfolg war etwas Besonderes für Deutschland. Die Leute hatten einen gewissen Nationalstolz“, erinnert sich Thoma zurück. Und etwa 20 000 Zuschauer standen am Straßenrand in Hinterzarten beim Empfang für den frisch gekürten Olympiasieger.

Der Hinterzartener Georg Thoma beim Langlaufrennen bei den Olympischen Winterspielen im Jahr 1964 in Innsbruck. Der Hinterzartener gewinnt nach Gold in Squaw Valley im Jahr 1960 vier Jahre später noch Bronze.
Der Hinterzartener Georg Thoma beim Langlaufrennen bei den Olympischen Winterspielen im Jahr 1964 in Innsbruck. Der Hinterzartener gewinnt nach Gold in Squaw Valley im Jahr 1960 vier Jahre später noch Bronze. Bild: Repro: Joachim Hahne

Geblieben ist Thoma seine Popularität und Bescheidenheit. „In erster Linie wundert es mich ein bisschen, dass die Menschen noch immer wissen: Georg Thoma, Hinterzarten und Wintersport. Das freut mich, manchmal belastet es aber auch. Hier muss ich ab und zu meinen Weg finden. Am liebsten sind mir die ganz normalen Leute“, sagt der Ehrenbürger von Hinterzarten. Dort trägt die örtliche Grundschule seinen Namen, war er Ideengeber für das anlässlich seines 60. Geburtstages gegründeten Schwarzwälder Skimuseums. „Ich selbst war in Skandinavien sportlich unterwegs. Ich habe mir zur aktiven Zeit das Skimuseum am Holmenkollen mehrfach angeschaut. Dann kam der runde Geburtstag, mit dem damaligen Bürgermeister Hansjörg Eckert wurde die Idee für das Schwarzwälder Ski-Museum im 300 Jahre alten Hugenhof verwirklicht.

„Hoffe, dass alles normal abläuft“

Und an historischer Stätte wird an diesem Samstag dann auch mit geladenen Gästen entsprechend gefeiert. „Ich freue mich darauf, hoffe aber, dass all ganz normal abläuft“, sagt der berühmteste Sohn der Gemeinde, der es mit seinen sportlichen Triumphen in der Nordischen Kombination tatsächlich vom Hütejungen am Wunderlehof zum Skikönig gebracht hat. Beruflich ist Georg Thoma, der sich einst als Briefträger seinen ersten Lebensunterhalt verdiente und dann mit einer Wintersportschule sowie als Repräsentant einer Sprudelfirma, eines Versicherers und Beerenwein-Hersteller seinen Lebensunterhalt sicherte, längst kürzer getreten.

Geblieben ist dem angehenden Jubilar das weiterhin sehr große Sportinteresse. „Ich verfolge alles, was mit Sport zusammenhängt, nicht nur den Wintersport“, erzählt der „Thoma Schorsch“, wie er bei den Einheimischen auch genannt wird. Noch immer trifft man Georg Thoma so auch bei den heimischen Ski-Weltcups im Schwarzwald, outet sich der Olympiasieger aber auch als glühender Fan des SC Freiburg. „Mir gefällt der Sportclub mit seinem Trainer Christian Streich. Ich bewundere ihn“, so Thoma weiter. Denn neben dem Wintersport hat es ihm der Fußball besonders angetan. „Fritz Walter war mein Trauzeuge, mit Seppl Herberger und seiner Frau sind wir bei mir auf der Terrasse gehockt, auf eine Tasse Kaffee. Selbst Pele habe ich 1974 getroffen, beim Trainingslager auf dem Herzogenhorn“, schwelgt Thoma in freudiger Erinnerung.

Olympiasieger unter sich: v.li. Christof Duffner, Georg Thoma und Hanspeter Pohl beim Empfang der WM-Teilnehmer 2019 Breitnau.
Olympiasieger unter sich: v.li. Christof Duffner, Georg Thoma und Hanspeter Pohl beim Empfang der WM-Teilnehmer 2019 Breitnau. Bild: Hahne, Joachim

Dafür stimmt den auch mehrfachen Deutschen Meister im Skispringen die Entwicklung in der Nordischen Kombination sorgenvoll. Die noch junge Disziplin „Nordische Kombination der Ladies“ wurde vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) vor gut zwei Monaten nicht für die Olympischen Spiele zugelassen, steht möglicherweise auch der Männer-Wettbewerb für die Zukunft auf dem Prüfstand. „Wenn das IOC hier streicht, würde mich das sehr traurig machen. Die Nordische Kombination kommt aus Norwegen, die Norweger dominierten und sind bis heute auch führend. Die Mädchen sind jetzt auch im Weltcup in der Nordischen Kombination vertreten, das ist normal. Mädchen und Frauen sind ja längst auch in anderen Sportarten am Start, die gehören einfach dazu“, sagt Georg Thoma nachdenklich.

Am Wochenende wird nun aber erst einmal richtig gefeiert. Zum einen der 85. Geburtstag, zum anderen auch das 25-jährige Bestehen des Schwarzwälder Skimuseums in Hinterzarten. Der Förderkreis des Skimuseums zeigt bei einer Vernissage eine Sammlung von bisher nicht veröffentlichten Fotos und nicht gezeigten Gegenständen in der Ausstellung ein Blick in „Georg Thomas Fotoalbum und Schatzkiste“ – man darf gespannt sein!