Die Recherchen dauerten länger, als das Schreiben an sich in Anspruch nahm, erzählt Birgit Hermann, gebürtige Schwarzwälderin und Autorin mehrerer heimatbezogener Geschichten und Romane. „Mein Anspruch ist, echte Heimatgeschichte informativ und spannend zu verpacken“. In ihrem neusten Werk, „Die Aschenbrennerin“ spinnt sich Schwarzwald-Geschichte um die hohe Kunst der Glasmacherei und ein geheimes Rezept, welches „für die Glasveredelung eine Revolution bedeuten würde“.

Protagonistin Marie

Hermann liebt es, ihren Geschichten einen „kriminalistischen Touch“ zu verleihen. Daher lässt die Mutter dreier erwachsener Kinder ihre Leser nicht nur in Höhen und Tiefen des Schwarzwaldes wandern, sondern auch in die Genialität und Niederungen menschlichen Seins. Protagonistin Marie, Tochter des Glashütten-Vogtes aus Äule am Schluchsee und Mutter eines unehelichen Kindes ist manchen Lesern bereits aus Hermanns Vorgänger Werk, „Die Glasmacherin“, bekannt. Sie findet der Leser wie manch` andere Figur im neusten Schwarzwaldkrimi wieder, der quasi zwei Jahre später in der Erzählung den Faden wieder aufnimmt. Dennoch ist „Die Aschenbrennerin“ eine in sich abgeschlossene, eigenständige Geschichte.

Das „Waldglas“

Für diesen fünften Schwarzwaldkrimi beschäftigte sich Hermann, die hauptberuflich als medizinische Fachangestellte einer Klinik arbeitet, noch eingehendender mit der Glasherstellung und der Veredelungstechnik durch Ätzmittel. Das ursprüngliche „Waldglas“ hier in der Region war grün, weiß Hermann, die zu Recherchezwecken auch auf andere heimische Autoren wie Roland Weis, ebenfalls Titisee-Neustadt, und Rudolf Morath aus Blasiwald, zugriff. Um mit dem reinen, weißen venezianischen Glas konkurrieren zu können, mussten sich die regionalen Glashütten etwas einfallen lassen.

Altertümliche Verfahren

Eine wichtige Rolle dabei spielte die sogenannte „Pottasche“. Zum Zwecke ihrer Herstellung fielen ganze Wälder der hiesigen Region zum Opfer, was die Landschaft nachhaltig veränderte. Tief taucht die Autorin in die Geschichte ein und fördert nicht nur lilafarbene Fluoride aus den Erzgängen Todnaubergs zu Tage. Hermanns Romane enthalten typischerweise auch einige technische Angaben zu Gewerken, Werkstoffen oder altertümlichen Verfahren, was insbesondere männliche Leser reizt, zu den Schwarzwaldkrimis zu greifen, weiß Birgit Kutruff, Leiterin der Stadtbücherei Löffingen. Durch den Heimatbezug in ihren Geschichten hat Hermann einen großen Wiedererkennungswert. Die Leser sind begeistert.

Sie ist auch Naturparkführerin

Seit ungefähr zwanzig Jahren schreibt die Frau, die selbst die „blauen Höhen und dunklen Wälder“ ihrer Heimat liebt und sich zur Naturparkführerin ausbilden ließ. Sie ist ihrem Prinzip, möglichst viele reale Orte, Geschehnisse und Personen mit einzubeziehen, treu geblieben. Dabei spielen Familiennamen aus der Vergangenheit eine besondere Rolle. In der hiesigen Geschichte ist das die Familie „Sigwarth“, deren Mitglieder nach Hermanns schriftstellerischem Gespür Leben eingehaucht bekommen. „Es gibt immer wieder Leser, die meine Angaben überprüfen“, erzählt die Autorin. „Deshalb muss es einfach passen, wenn es um geschichtliche Fakten geht“. Natürlich gibt es dennoch ausreichend fiktive Romanfiguren, mit welchen die Autorin ihrer Fantasie freien Lauf lässt. Im Laufe des Schreibens entwickeln sich Figuren und Geschichtsstränge und Hermann lässt sich führen.

Wissen um die Region

Es ist für die Leiterin der Stadtbücherei Löffingen eine große Freude, eine Lesung mit Birgit Hermann anbieten zu können. „Die Nähe zum Autor ist genial, und wenn man so jemanden hier hat, ist das einfach ein Muss!“ Neben der Lesung lässt Hermann auch immer Raum für Fragen und Gespräche, sodass ihr zwischenzeitlich reichhaltiges Wissen um die Region und ihre Geschichte einen tiefgründigen Schwarzwald-Abend versprechen.