Der stattliche Bauernhof wird von den Vogelbachers bereits in der fünften Generation geführt. Schon vor einigen Jahren ist die Familie in die Eigenvermarktung eingestiegen und verkauft mit Erfolg ihre Produkte im eigenen Hofladen und auf verschiedenen Wochenmärkten. Dazu gehört auch die Mitgliedschaft in der Erzeugergemeinschaft Schwarzwald Bio Weiderind und die Abnahme in den Schwarzwälder Schmidts Märkten. „Früh übt sich was einmal ein Meister werden will“, ein Sprichwort, was ziemlich gut zu den Kindern der Vogelbachers passt.

„Wir haben schon als Kinder in der Landwirtschaft mithelfen dürfen“, unterstreicht Anna Vogelbacher, die mit ihrem 22-jährigen Bruder Michael in vier Jahren, wenn die Eltern in Rente gehen, den Hof übernehmen will. „Jeder von uns Kindern hatte sozusagen seine eigene Kuh, die wir selbst versorgen und melken durften“, erinnert sich die junge Landwirtschaftsmeisterin gerne an die Kindheit. Die Kuh hieß Gret und war eine gemütliche Vorderwälderdame, die 19 Jahre alt wurde. Sie war eine ganz geduldige Kuh, die so ziemlich alles mit sich machen ließ und die mit den Kindern vertraut war. „Mir wurde schon damals klar, dass ich einmal den Hof übernehmen möchte“, verdeutlicht Anna Vogelbacher ihren frühen Wunsch später einmal in die Fußstapfen ihrer Eltern zu treten. Ein Wunsch, der ihr Vater Harald gar nicht so gerne sah. Er hätte sie lieber einen kaufmännischen Beruf erlernen lassen. Schließlich besteht ein Landwirtschaftsbetrieb nicht nur aus Kälbchen, kleinen Ziegen und Traktorfahren. Der Job ist hart. Hinzu gehört auch Büroarbeit, weil alles genauestens und exakt dokumentiert werden muss.

Jungbäuerin Anna Vogelbacher und die kleine Ziege Brunhilde.
Jungbäuerin Anna Vogelbacher und die kleine Ziege Brunhilde. Bild: Angéle Kerdraon

Hautnah sehen und erleben

Die Führung eines landwirtschaftlichen Betriebes umfasst neben Feldarbeit auch den gewissenhaften Umgang mit Tieren und der Natur. Fürs Büro ist Mutter Petra Vogelbacher zuständig. Sie hat einen kaufmännischen Beruf erlernt und kennt sich bestens mit der modernen Bürokommunikation, die ein moderner Landwirtschaftsbetrieb erfordert, aus. Sohn Michael wird von ihr nach und nach dazu gezogen. Ein großes Anliegen ist der Landwirtin, dass die Menschen, die bei den Vogelbachers im Hofladen oder auf dem Markt einkaufen, viel Transparenz erfahren. „Die Menschen wollen sehen wie die Tiere leben, ob es ihnen gut geht und ob der Hof gepflegt ist“, erklärt sie. Auf dem Zinggehof können die Hofkunden das alles direkt hautnah sehen und erleben. Auch streicheln ist erlaubt.

Für die künftige Hof-Erbin Anna und ihren Bruder Michael Vogelbacher wartet eine nicht ganz einfache Zeit. „Aber ich bin mir ganz bewusst, welche Verantwortung ich habe“, zeigt sich Anna Vogelbacher zuversichtlich und freut sich an diesem schönen Frühlingstag schon darauf mit dem Traktor auf den Feldern nach dem Rechten zu schauen. „Bulldog fahre ich total gern“, verrät sie. Mit Ausschlafen ist nichts auf dem Bauernhof. Frühaufstehen ist die Regel, meistens klingelt für die tüchtige Landwirtin um 7 Uhr der Wecker. Nur freitags, wenn Wochenmarkttag ist, muss sie früher aus den Federn.

Die Deko rund um den Hofladen ist Michael Vogelbachers Steckenpferd.
Die Deko rund um den Hofladen ist Michael Vogelbachers Steckenpferd. Bild: Angéle Kerdraon

Anna Vogelbacher wohnt mit ihrem Freund in einer eigenen Wohnung, die aber nicht weit vom Hof entfernt ist. So ist sie jederzeit verfügbar, wenn sie gebraucht wird. Beim Frühstück mit ihrem Vater, mit Bruder Michael, der noch in einer Käserei arbeitet und mit ihrer Mutter besprechen sie das anstehende Tagewerk. Jeder macht dann so wie sie es besprochen wurde. Heute geht Vater Harald mit dem Traktor aufs Feld. „Bald dürfen die Kühe wieder raus und die Weiden müssen mit Zäunen versehen werden“, informiert Anna Vogelbacher, die froh ist, dass sie auf dem Hof ihr eigener Chef sein kann. Der Tag beginnt für sie mit dem Versorgen der Rinder, den Kühen, den jungen Schweinen und den Ziegen, die erst vor ein paar Tagen Nachwuchs bekommen haben. „Wenn die Zicklein auf die Welt kommen, ist es immer wieder etwas Besonderes. Zimperlich darf eine Frau auf dem Hof jedenfalls nicht sein. Die Tiere versorgen, auf das Feld fahren mit dem Bulldog und Maschinen richten, ist mein Ding“, strahlt die künftige Herrin über 120 Stück Großvieh, dazu gehören Mutterkühe, Rinder, Milchkühe, mehrere Bullen, Schweine, 120 Legehühner und fünf Ziegen.

Bruder Michael Vogelbacher ist für die Direktvermarktung, die Dekoration des Hofladens und der anderen Räume zuständig. Dekorieren ist sein Ding. Dass er ein gutes Händchen dafür hat, zeigt schon der gemütliche Eingangsbereich im Hof, der zum Verweilen einlädt. Momentan sind die beiden Jungbauern noch bei ihren Eltern angestellt. Die Übergabe erfolgt langsam. „In vier Jahren sind wir dran und dann sind wir zwei Chefs, was bedeutet, dass wir nicht unbedingt größer, sondern vielfältiger werden, damit die Existenz gesichert ist “, betont Anna Vogelbacher.

Rinder, Milchkühe, Bullen, Schweine, Hühner und Ziegen leben auf dem Hof.
Rinder, Milchkühe, Bullen, Schweine, Hühner und Ziegen leben auf dem Hof. Bild: Angéle Kerdraon

Die Familie packt mit an

Schon jetzt sagt die engagierte Landwirtin gerne was zu machen ist, wenn es richtig war, freut sich „immer noch Chef Vater Harald“. Auf einem landwirtschaftlichen Anwesen, gibt es immer und ständig viel zu tun. Deshalb hilft nach ihrem Feierabend auch Schwester Lena und wenn Not am Mann ist, steht die ganze Verwandtschaft mit Vettern, Tanten, Onkel, Oma und Cousinen mit Anhang parat. „Das Schönste ist dann das gemeinsame Vespern“, betont Anna Vogelbacher.

Doch neben der Arbeit dürfen die Festle im Ort nicht zu kurz kommen. Das ist ein Ausgleich und die Vogelbachers sind gerne dabei. „Dann schauen wir, dass wir früher im Stall fertig werden“, lässt die tüchtige Landwirtschaftsmeisterin wissen. Die Fasnet ist für die Vogelbachers und ihren Familienclan so ziemlich das wichtigste Ereignis. Dabei sind ihre phantasievollen Beiträge immer gerne gesehen.