Das Gebäude in der Scheuerlenstraße steht nahezu unverändert vermutlich schon seit dem 30-jährigen Krieg an seinem Platz mitten in der Wälderstadt. Nach längerer Nutzung als Uhrmacher-Werkstatt wurde 1873 eine Wirtschaft daraus, die seitdem aufgrund des benachbarten Feuerwehrhauses den Namen „Zum Spritzenhaus“ trägt – unter den Einheimischen besser bekannt als „D‘Spritz“.

Auch als uriges Wirtshaus hat das Gebäude eine ebenso wechselhafte Geschichte hinter sich. So richtete Schreinermeister Josef Denz 1896 im Hinterhof eine Schreinerei ein und seine Frau Agathe führte die Wirtschaft – und das mit großem Erfolg. Die Wirtin mit Charakter verschaffte sich Respekt und gewann durch ihren sonnigen Humor die herzen ihrer Gäste. 1987 übernahm das bekannte Wirtepaar Günter und Marina Hipp die historische Gaststätte und Marina Hipp hatte noch bis zur diesjährigen Fasnacht das Zepter fest in der Hand.

Mit dem Kauf des Gebäudes durch Lizzy und Gundolf Thoma Anfang des Jahres wird in der D‘Spritz ein neues Kapitel aufgeschlagen – allerdings ohne weitreichende Veränderungen. „Wir wollen die Traditionsgaststätte als Kulturdenkmal erhalten“, betonen die Beiden. Mit Mathias und Diana Riedel konnten sie ein geeignetes Pächter-Ehepaar mit langjähriger Erfahrung in der Gastronomie gewinnen, die mit ihren Ideen bei den neuen Besitzern auf offene Ohren stießen.

Beide haben Erfahrung

Diana Riedel ist gelernte Köchin und hat in verschiedenen Hotels, Kurkliniken, Gästehäusern und zuletzt auf einem Schiff die Küche geführt. Nachdem die beiden zuletzt zehn Jahre lang ein Gastro- und Beherbergungsschiff des CVJM auf der Elbe in Dresden geleitet haben, waren sie auf der Suche nach etwas neuem. „Wir wollen für unsere letzten zehn bis 15 Berufsjahre etwas eigenes machen“, erklärt Mathias Riedel. Auf der Suche nach etwas neuem stießen sie im Internet auf das Angebot der Thomas. „Wir waren schon mal im Süden und haben zwölf Jahre lang die Gastronomie in einem Kur- und Erholungsheim im Raum Stuttgart geleitet.“

Im Spritzenhaus in Neustadt will die Köchin mit Leib und Seele gutbürgerliche badische Küche anbieten. Rouladen, deftiges Gulasch, Spätzle, Schäufele und Wurstsalat sind ihre Spezialitäten – und damit will sie ihre Gäste im Hochschwarzwald ansprechen. Mathias Riedel räuchert seine Fleisch- und Wurstwaren am liebsten selbst und will möglichst authentische und Lebensmittel aus der Region anbieten. Seine heimliche Liebe sind Tellersülze und Sauerkraut, beides stellt er selbst her. „Wir mögen es, die Sachen selber machen zu können und kein fertiges Zeugs einkaufen zu müssen“, betont Mathias Riedel. „Eins ist sicher, es wird keine Gourmetküche.“ Die beiden wollen jetzt erst einmal ausprobieren, was bei ihren Gästen aus der Region ankommt – und das scheint zu funktionieren. „Es läuft bisher ganz gut“, so Mathias Riedel nach gut sechs Wochen. Im Oktober wird es übrigens eine entsprechende Einweihungsparty geben.