Seebrugg ist der Ausgangspunkt für die beliebten Fahrten mit den Museumszügen der 3 Seenbahn. Seit Jahren bemühen sich Verein und Gesellschaft, das Bahnhofsareal in ein lebendiges Freilichtmuseum zu verwandeln. „Das aktuelle Projekt umfasst die Gestaltung des Außengeländes mit der Ladestation und den Grünstreifen“, so Geschäftsführer Jens Reichelt, der das ehrgeizige Projekt mit Volldampf angeschoben hat und die ersten beiden Bauabschnitte bis Ende 2024 abgewickelt haben will. Für das Außengelände werden in den nächsten Jahren rund 2,5 Millionen Euro investiert. In zwei weiteren Bauabschnitten sind eine Fahrzeug- und Veranstaltungshalle sowie das Herrichten des Hinteren Außengeländes mit einem historischen Sägewerk und einer Holzwollefabrik – das ist allerdings noch Zukunftsmusik.

Mit der pandemiebedingt noch nicht begonnenen Gebäudesanierung im 1. Bauabschnitt entstehen ein Bahnhofsrestaurant, ein historischer Wartesaal, ein Gepäckraum und Dienstraum, die Verwaltung, Archiv, Museums-Eingang, Kasse und Shop sowie die Ausstellung im Güterschuppen. In einem 2. Bauabschnitt wurde bereits der Bau eines kleinen Werkstattgebäudes nach historischen Vorlagen realisiert, das künftig als Teil der Kohlehandlung genutzt und am Bahnhofsfest seiner Nutzung übergeben wird. „Der Bau des Gebäudes wurde durch das Landwirtschaftsministerium des Bundes aus dem Landkultur-Programm gefördert“, freut sich Reichelt. „In diesem Bereich werden wir am Wochenende das Thema Kohlenhandlung und Kohleverladung vorführen.“

Geschichte lebendig machen

„Das Museum soll ein Ort der Erfahrung und Wissensvermittlung sein. Ziel ist die lebendige Darstellung und Bespielung eines für die Besucher mit allen Sinnen erfahrbaren Zeitabschnittes von der Nachkriegszeit bis zum Wirtschaftswunder“, erklärt Reichelt. Durch die detailgetreue historische Wiederbelebung des Bahnhofs Seebrugg mit seinen Anlagen, Gebäuden und Fahrzeugen sowie den Abläufen und Lebenswelten wird dieses Ziel erreicht. Sämtliche Gerätschaften, Fahrzeuge und Anlagen werden in Funktion gehalten und vorgeführt sowie Arbeitsabläufe und -techniken der damaligen Zeit gezeigt. Die Besucher sollen auch selbst die Rolle der Akteure einnehmen können und Geschichte hautnah nacherleben. Dabei stehen ihnen vertiefende Angebote wie Führungen, Mitmachworkshops oder Fachveranstaltungen zu unterschiedlichen Themen zur Verfügung.

Zu den inneren Ausstellungsbereichen zählen auch Eisenbahnwaggons mit integrierten Ausstellungsthemen, sodass der unverfälschte Eindruck des Bahnhofs erhalten bleibt. Neben vielen Angeboten des Aktivwerdens
und Ausprobierens werden die Themen auch medial ansprechend und zeitgemäß dargestellt. Grundsatz bei der Ausarbeitung von Ausstellungen ist, dass sich Besucher die Themen nach individuellen Interessen erschließen. Deshalb wird sowohl auf verschiedene Altersgruppen und Lerntypen als auch auf unterschiedliche Interessensgebiete und Wünsche der Inhaltstiefe der Besucher eingegangen. Besucher sollen sich individuell und flexibel für vertiefende Schwerpunkte entscheiden können: Technik, Verkehr und Logistik, Lebens- und Arbeitsbedingungen, Wirtschaftsentwicklung, Schwarzwälder Geschichte oder reines Eisenbahnwissen.

Das besondere Bahnhofsfest

Schon vor der Eröffnung des Museums wird der Bahnhof Seebrugg traditionell einmal im Jahr zum Leben erweckt. „Nach zweijähriger Pause wird das Bahnhofsfest mit der Neugestaltung des Geländes und der Fertigstellung des Kohlehändlers jetzt ein ganz besonderes Event“, verspricht der Geschäftsführer. Vor der Kulisse eines Bahnhofes aus der Nachkriegszeit wird die gute alte Zeit zum Leben erweckt. Die keinen Loks sind mit verschiedenen Aufgaben beschäftigt, ganze unterschiedliche Arten von Gütern werden von Firmen, Forstarbeitern oder Bauern an den Bahnhof gebracht und auf die historischen Güterwagen verladen.

Ein Höhepunkt in diesem Jahr ist die Beteiligung von Mitgliedern des Zuchtvereins Schwarzwälder Kaltblut – somit werden Traktoren und alte Lkw in der Unterzahl sein. Statt dessen ziehen Schwarzwälder Füchse viele der Bauern- oder Pritschenwagen. Sie sind dabei in ihrem Element und zeigen, das sie ihre früher alltägliche Arbeit auch noch heute beherrschen. Freuen dürfen sich die Besucher auch auf folgende Themen sowie Vorführungen und Ausstellungen:

• Der Kohlenhändler Zweigle – Wo kam denn die Kohle her, wie kommt sie zum Kunden und warum gibt es heute keine Kohlenhändler mehr?
• Holz, einst das Ladegut des Schwarzwaldes schlechthin. Wir zeigen, wie zeitraubend, personalintensiv und gefährlich diese Arbeit mit den langen Stämmen früher war.

• Traktorenverladung: Einst haben die neuen Bulldogs die Schwarzwälder Pferde verdrängt und waren der Stolz ihrer Besitzer. Die Auslieferung erfolgt natürlich über die Eisenbahn.

• Das Tannenzäpfle auf Reisen: Einst wurde natürlich auch das Bier der Badischen Staatsbrauerei Rothaus über die Schiene ausgeliefert. Aber wie funktionierte da die Kühlung?

• Stückgutverladung: Bauern und Unternehmen holten Güter am Bahnhof ab oder brachten Waren zum Versand. Ob mit Pferdefuhrwerk, Traktor oder LKW, es war immer eine Menge zu tun.

Ein Festzelt lädt zum Verweilen bei einem kühlen Tannenzäpfle und leckerem Essen ein.

Öffnungszeiten: 20. und 21. August, täglich 10 Uhr bis 17 Uhr.

Eintrittspreise: Erwachsene 6 €, Kinder 6-14 Jahre 3 €, Kinder bis 6 Jahre kostenfrei, Familienkarte 16 €.

Eintrittspreise in Verbindung mit einer Fahrt mit dem Historischen Zug: Erwachsene 5 €, Kinder 6-14 Jahre 2 €, Kinder bis 6 Jahre kostenfrei, Familienkarte 14 €.