Seit 30 Jahren gehört Nico Brizzi quasi schon zum Inventar des Haslachstädtchens und begeistert mit seinen italienisch/mediterranen Kochkünsten seine Gäste. Einst zog es den in der ganzen Region wegen seiner Kochkünste bekannte Italiener aus dem südlichen Kalabrien in den eher kälteren Schwarzwald. Zuerst arbeitete er zehn Jahre als Koch an fremden Pizzeria Öfen, bevor er vor 20 Jahren in Lenzkirch sein erstes eigenes Lokal eröffnete. An diese Zeit denkt er gerne zurück „Ich wurde wirklich so herzlich aufgenommen und es fällt mir außerordentlich schwer, mein schönes Lokal aufzugeben“, bedauert er seinen gut überlegten Entschluss mit dem eigenen Lokal und als Gastronom aufzuhören.

Das mit viel Liebe und italienischem Flair ausgestattete Restaurant im ehemaligen Hotel Vogt und späteren Altersheim von Familie Reichwein, hat er mit seiner Familie erst vor einigen Jahren aufwändig und mit großen Kosten verbunden, umgebaut und eröffnet. „Das kleine Lokal, an der Haslach gelegen war von der Lage her ideal aber es war zu eng geworden, um dem großen Ansturm gewachsen zu sein“, erinnert er sich an das Verständnis seines damaligen Verpächters. Das jetzige Lokal „Carpaccio“ ist um einiges größer und konnte den gleichen Erfolg verzeichnen.

Gäste aus der ganzen Region

Begeisterte Gäste nicht nur aus Lenzkirch, sondern aus der ganzen Region sowie Touristen, frequentierten es gerne. Sie genossen das italienische, mediterrane Speisenangebot und das gute Preis-Leistungsverhältnis. Auch auf Sonderwünsche seiner Gäste ging der begeisterte Italiener gerne ein. Seine Spezialität sind Fischgerichte, die er in seiner Küche mit viel Liebe geschmackvoll zubereitet. „Ich habe immer gute und zufriedene Gäste gehabt und dafür bin ich echt dankbar“, erklärt Nico, ein wenig melancholisch. Besonders stolz ist er darauf, dass ihn auch die Lenzkircher Firmen, Geschäfte und Vereine unterstützen und seine Kochkünste zu schätzen wussten.

Mit den Jahren hat sich in Lenzkirch, wie überall im Schwarzwald, allerdings ein gewisser Strukturwandel bemerkbar gemacht. Von über zehn Lokalen und Restaurants blieben bis zum jetzigen Zeitpunkt im Ortsinnern gerade einmal vier übrig. „Viel zu wenig, um allen Touristen gerecht zu werden“, erklärt der emsige Italiener. Damit verbunden ist natürlich eine Überfrequentierung seines Lokals und es kamen so viele Restaurantbesucher, dass er mit seiner Familie und seinen Angestellten ständig unter Druck stand, um den großen Ansturm zu bewältigen. „Das geht an die Gesundheit und das kann man nicht ewig machen“, gibt er offen zu. Bedenken zeigt er, dass sich jetzt alle Veranstaltungen zwei Lokale im Bereich des Rathausplatzes konzentrieren, obwohl im nahe gelegenen Kurpark ein Musik-Pavillon zur Verfügung steht und die Kurhausgastronomie schon Jahre verwaist ist. Eine Situation, die seiner Meinung nach auch zum Verlust der anderen Lokale und zu einem weiteren innerörtlichen Strukturverlust führen könnte.

Abschied mit Wehmut

„Es war echt eine schöne Zeit, erklärt der beliebte Italiener bedauernd und fügt an, dass es ihm leichter fällt vom Herd wegzugehen, als von seinen Gästen, die sein Herz berührt haben. „Ich bin hierhergekommen, weil ich etwas Gutes für den Ort tun wollte“, betont er. Seine Gäste können es nicht glauben und fragen ihn ständig, warum er denn aufhört. Vor Rührung fällt es dem passionierten Italiener schwer, eine Antwort zu geben. Dann verrät er aber, dass er nicht ganz aus Lenzkirch weg geht. „Ich werde in Lenzkirch ein kleines aber feines italienisches Geschäft aufmachen“, strahlt er. Sein Lokal „Carpaccio“ am Kurgarten 7 betreibt Brizzi mit einer kleinen Ferien-Zwischenpause vom 2. bis 20. August, dann noch bis zum 30. September. Danach wird es im gleichen Stil von einer anderen italienischen Familie weitergeführt.