Am ersten Weihnachtstag im Jahr 1492 erlitt der Entdecker Christoph Kolumbus mit seinem Flaggschiff Santa Maria Schiffbruch vor der Küste der Insel Haiti. Das Schiff war nicht mehr zu retten. Kolumbus musste 42 Mitglieder seiner Besatzung in der Karibik zurücklassen, und trat mit den verbliebenen beiden Schiffen Pinta und Nina die Rückfahrt nach Spanien an.

Das ist der historisch belegte Rahmen, in den hinein der Neustädter Autor Roland Weis die Figuren seines historischen Romans „Die Neue Welt“ verwoben hat. Ihre Schicksale beleuchten die Geschichte der Entdeckung Amerikas aus der jeweils unterschiedlichen Warte eines Soldaten, eines Seefahrers, einer Kaufmannstochter, eines Mönchs und einer Prostituierten.

Zu den 42 Zurückgelassenen auf Haiti gehört auch der Schiffsjunge Rodrigo, der bereits unter abenteuerlichen Umständen überhaupt Mitglied der Besatzung geworden war. Seine Geschichte beginnt 1492 in Palos. Der 13jährige Schweinehirte Rodrigo hat im Streit mit einem Messer auf seinen betrunkenen Stiefvater eingestochen. Aus Angst vor der Strafe flieht er auf das nächstbeste Schiff im Hafen. Es ist die Santa Maria, Flaggschiff der Kolumbus-Flotte, die just in dieser Nacht zu ihrer großen Entdeckungsfahrt ausläuft.

Rodrigo gehörte zu den vermeintlich glücklichen Auserwählten, die nach dem Schiffbruch der Santa Maria in der eilig errichteten Siedlung La Navidad zurück bleiben dürfen, die jedoch ein tragisches Schicksal erleidet.

Parallele Erzählstränge verfolgen die Werdegänge von Rodrigos drei Geschwistern: Miguel, der sich den Franziskanermönchen anschließt – und als Missionar ebenfalls in die neuentdeckten Länder zieht; Pedro, der sich aus einer Kinderbande hocharbeitet bis in die wichtigsten Bankhäuser von Sevilla – von wo aus die Eroberungen und Entdeckungen in der Neuen Welt finanziert und gesteuert werden; Consuela, die als Hure in die Fußstapfen ihrer Mutter tritt, und zu den ersten spanischen Frauen gehört, die sich Richtung Westindien einschiffen. Zu diesen ersten Frauen gehört auch Isabella Pinzon, die reiche und verwöhnte Kaufmannstochter, Rodrigos ewige Angebetete aus Palos, die aber den jungen Kapitän und Rivalen Rodrigos liebt, den Abenteurer Pablo.

All diese Figuren sind in ihren Lebenswegen schicksalhaft verwoben, treffen immer wieder aufeinander und sind in die historischen Ereignisse eingebunden, die mit allen ihren authentischen Protagonisten detailgenau nachgezeichnet werden. So entsteht ein großartiges Panorama der süd- und mittelamerikanischen Entdeckungs- und Eroberungsgeschichte. Die „Neue Welt“ ist der erste Band einer auf fünf Bände angelegten Reihe, die die Entdeckung des Pazifiks, die Eroberung des Aztekenreichs und die Eroberung des Inkareichs umfasst und mit der Erstbefahrung des Amazonas im Jahr 1545 endet. Rodrigo ist dann ein 65jähriger Veteran, der all die Entdeckungsgeschichte Süd- und Mittelamerikas miterlebt hat.

Dr. Roland Weis (63) legt mit „Die neue Welt“ sein bisher ambitioniertestes belletristisches Werk vor. Nach neun Schwarzwaldkrimis mit dem Lokalreporter Alfred sowie den Romanen „Als das Eis brach“ und „Das Erwachen der Gletscherleiche“ kommt im Projekt „Die Neue Welt“ das Faible des promovierten Historikers für die amerikanische Entdeckungs- und Eroberungsgeschichte zum Ausdruck.