Die Befürchtung des Schwarzwaldvereins und seine Skepsis für dieses Vorhaben begründet der Schwarzwaldverein damit, dass durch den Bau des 45 Meter hohen neuen Sendemastes, der den alten Turm um 20 Meter überragt, die ursprüngliche Bestimmung des Hochfirstturms als Aussichtsturm für den Tourismus und als Denkmal verloren geht. Eine Ansicht, die auch von zahlreichen Touristen, der Hochschwarzwald Tourismus GmbH und von Einheimischen geteilt wird. „Wir wandern sehr gerne und die Aussicht dort oben ist bombastisch“, erklärt ein Ehepaar aus Nordrhein-Westfalen, das in Lenzkirch den samstäglichen Wochenmarkt besucht und sofort auf den Infostand zusteuert. Die beiden engagierten Schwarzwaldvereinsmitglieder, Doris Vogel und Bernhard Hermann, werben mit einer Unterschriftenliste und Informationsmaterial für die Petition, die der Schwarzwaldverein bis zum 2. Oktober 2021 abgeben muss. Nicht mehr viel Zeit, um die über 2.000 Stimmen zu erreichen.

Auf den Plakaten ist der eindrückliche Stahlturm, der im Jahresdurchschnitt rund 1.000 bis 1.500 Personen bestiegen wird, zu sehen. „Das Interesse ist groß aber meistens sind es die Familienväter, die für alle Familienmitglieder unterschreiben, dabei wäre jede Unterschrift notwendig“, bedauert Doris Vogel. „Einfach ist es nicht, unser Petitionsziel zu erreichen“, erklärt der Neustädter Gemeinderat und Mitinitiator der Aktion, Reimund Thimm. Corona ist auch bei der Unterschriftensammlung allgegenwärtig und es ist schwer, an Unterschriften heranzukommen. „Die Hygieneregeln, wie das Desinfizieren der Kugelschreiber, sind ziemlich aufwändig und das von Haustür zu Haustür Gehen ist auch nicht mehr so unkompliziert“, betont Thimm. Genauso sieht es mit der neu gestarteten Online-Petition aus. Gerade die älteren Menschen scheuen oft davor zurück. „Allerdings geben wir nicht auf und versuchen, die vorgegebene Zahl für eine erfolgreiche Petition zu erreichen“, gibt sich Thimm optimistisch.

Die Pläne

Der jetzt geplante Standort liegt 35 Meter vom denkmalgeschützten Hochfirstturm weg auf Lenzkircher Gemarkung und gehört der privaten Waldgenossenschaft Saig. „Leider wurde dort bereits der Wald abgeholzt und die Vermessungsarbeiten sind auch schon abgeschlossen“, informiert Thimm weiter. Er bedauert, dass die DFGM zuvor einen Alternativstandort auf städtischem Grund ausgesucht hat, der etwa 150 m östlich liegt und das Panorama weniger beeinträchtigen würde, aber von der DFMG doch nicht mehr favorisiert wurde. Die Befürchtung des Vereins ist, dass der Turm seine einmalige Eigenheit und den Panoramablick auf die Alpenkette verlieren wird, weil der 45 Meter hohe Mast im Weg steht und das historische Denkmal förmlich erdrückt. Schon 1890 erbauten die beiden Schwarzwaldverein-Ortsgruppen Lenzkirch und Neustadt den 25 Meter hohen Aussichtsturm aus Stahlfachwerk. Hierfür sammelten sie Spenden, um eine Aussichtsmöglichkeit auf diesem markanten Platz in 1.196 Meter Höhe zu schaffen. Zuvor sorgte ein Sturm für die Vernichtung des alten Holzturmes.

Der Hochfirstturm steht zwar auf Gemarkung Lenzkirch Saig, gehört aber dem Schwarzwaldverein Neustadt und steht unter Denkmalschutz. „Er ist ein beeindruckendes Wahrzeichen der Region mit einem einmaligen 260 Grad Umblick“, verdeutlicht Thimm. Hinzu kommt, dass der Turm direkt im Kreuzungspunkt der beliebten Fernwanderwege „Mittelberg“ (Pforzheim-Waldshut) steht und am „Querweg Freiburg-Bodensee“. In einer technischen Bauausschusssitzung des Gemeinderates Lenzkirch wurde der von der Deutschen Funkturm GmbH eingereichte Bauantrag für einen neuen Funkturm dann einvernehmend abgelehnt. „Es werde ein etwa 150 Meter weiter östlich gelegene Platz empfohlen, der die schönen Ausblicke nicht beeinträchtigen würde“, so der Beschluss. Schon jahrelang gab es Auseinandersetzungen zwischen dem Schwarzwaldverein und der Deutschen Funkturm GmbH. Dabei ging es darum, die vor Jahren dringend anstehenden Sanierungsarbeiten zu finanzieren. Die Deutsche Telekom beteiligte sich daran und erhielt die alleinigen Vermarktungsrechte.

Eine komplette Übernahme durch die Deutsche Funkturm GmbH lehnte der Verein aber immer ab. Der Ausbau mobiler Netze auf dem Hochfirst beseitigte Funklöcher im Hochschwarzwald. Allerdings nahm die Zahl der Mobilfunkantennen verschiedener Netzbetreiber und Rettungsorganisationen auf dem 25 Meter hohen Aussichtsturm beständig zu. In einem Rechtsstreit besteht der Schwarzwaldverein darauf, die Antennen bis zum 31. Dezember 2023 abzubauen. Die Stimmenjagd für eine erfolgreiche Petition läuft noch bis zum 1. Oktober weiter. In verschiedenen Geschäften in Lenzkirch und Neustadt liegen Unterschriftsformulare aus. Die Petition kann auch online unterstützt werden.

Petition online: https://www.openpetition.de/petition/online /kein-funkturm-direkt-neben-dem-denkmalgeschütztenkein-funkturm-direkt-neben-dem--hochfirstturm