Wir wissen fast nicht mehr, wie wir den Ansturm an Katzen bewältigen sollen“, unterstreicht die langjährige Tierheimleiterin Carola Hannes. Den Grund für den seit Juni zu beobachtenden rasanten Katzenansturm sieht sie vor allen Dingen im erweiterten Verantwortungsgebiet, das jetzt von Löffingen über Bonndorf bis nach Stühlingen reicht. Ein Gebiet mit vielen kleinen Ortschaften, in denen es noch viele Bauernhöfe gibt.

Verwahrloste Hofkatzen

„Es ist leider immer noch so, dass die Katzen in vielen Landwirtschaften irgendwie mitlaufen“, erklärt sie. Um die notwendige Kastration der Tiere, die den Nachwuchs verhindert, kümmert sich meistens niemand und so werden es automatisch immer mehr Tiere, die auf dem Hof leben oder besser gesagt irgendwo um den Hof herum, wie beispielsweise in alten Scheunen und in Heuschöpfen. Irgendwann verwildern die Katzen und sind nicht mehr zutraulich. Zudem sind die Tiere dann auch oft krank. „Viele haben Katzenschnupfen und teilweise so extrem, dass die Augen dadurch blind geworden sind“, bedauert die engagierte Tierschützerin. Manchmal sind es auch ausgewilderte Hauskatzen, die im Tierheim aufgenommen werden.

Im Löffinger Tierheim werden momentan 60 Katzen von ehrenamtlichen Helfern und Festangestellten betreut.
Im Löffinger Tierheim werden momentan 60 Katzen von ehrenamtlichen Helfern und Festangestellten betreut. Bild: Tierheim Löffingen

Gleich, wenn die Katzen im Tierheim sind, werden sie von Tierärzten entwurmt und geimpft. Nur selten sind sie gechippt, womit man auch nicht erkennen kann, wer ihr Besitzer ist. Dann nützt auch das angeschaffte Chip-Lesegerät nichts. Meistens sind es Mutterkatzen mit Babys oder trächtige Tiere die von tierrettenden Menschen im Tierheim abgegeben werden. „Immer wieder bekommen wir Anrufe von Tierliebhabern, die uns um Hilfe bitten“, beschreibt Hannes die derzeitige Situation. Das kann auch schon mal nachts sein. Das Leid der Tiere lässt die Löffinger Tierschützer auch bei Nacht und Nebel bei Regen und Schnee ausrücken. Dem Löffinger Tierheimteam ist nichts zu viel.

Kastrationsmuffel werden vom Tierheim unterstützt

Haben die Landwirte vor einigen Jahren noch eher ihre Tiere kastrieren lassen, ist das jetzt tatsächlich weniger der Fall. Warum das so ist, kann sie sich die engagierte Tierheimleiterin auch nicht erklären, zumal das Tierheim in der Regel die Kosten dafür übernimmt. „Die logische Konsequenz ist dann halt, dass der Katzennachwuchs nicht mehr zu regulieren ist“, bedauert die Tierschützerin. In diesem Zusammenhang, weist sie darauf hin, dass die Tierheimmitarbeiter auch auf die Höfe kommen, um die wilden Katzenmamas einzufangen, damit sie zum Tierarzt zur Kastration gebracht werden können. Sind die oft ziemlich ausgezehrten Katzenmamas dann in der Löffinger Katzenherberge gelandet, macht es größte Mühe, für die alten Katzen einen Platz zu finden. „Eine wilde Katze zu zähmen ist sehr schwierig“, weiß sie. Deshalb versucht sie immer wieder Menschen dafür zu gewinnen, die wilden Katzen, wenn sie in einer Scheune oder in Schöpfen leben, wenigstens zu füttern, damit sie keinen Hunger leiden müssen. „Gerade im Winter, wenn die Mäusejagd erfolglos bleibt, ist das Füttern extrem wichtig“, appelliert sie, zu helfen. Weniger problematisch ist es, für die Katzenbabys ein liebevolles Plätzchen zu finden. „Gott sei Dank gibt es Menschen, die gerne ein kleines Kätzchen aufziehen wollen und ihm eine liebevolle Bleibe schenken“, zeigt sich Hannes glücklich über die Katzenliebhaber, die sich im Tierheim Löffingen ein Katzenbaby aussuchen.

Vorteile der Online-Vernetzung

Besonders freuen sich die Tierschützer über Rückmeldungen von lieben Menschen, die im Facebook auf Suchanzeigen reagieren, wenn Katzen gefunden und im Heim abgegeben werden. Oft ist es so, dass sich schon nach zwei Tagen der Besitzer meldet. Allerdings hatte die erfahrene Katzenkennerin Carola Hannes in ihrer langjährigen Tätigkeit noch nie so einen Katzenansturm erlebt, wie er momentan zu beobachten ist.

„Wir platzen aus allen Nähten und wissen nicht mehr wohin mit den Katzen“, klagt sie und ist froh, dass ihr neben den ehrenamtlichen Helfern auch festangestellte Tierliebhaber bei der täglichen Versorgung und Pflege behilflich sind. Um die Arbeit zu bewältigen, ist jede helfende Hand willkommen. Große Erleichterung für den ziemlich teuren Unterhalt der Katzen, sind Spenden. Das können Geldspenden sein. Aber auch Sachspenden wie Dosen- und Trockenfutter. Dankbar sind die Löffinger Tierschützer darüber, dass ihnen in verschiedenen Geschäften die Möglichkeit gegeben wird, eine Sammeltonne aufzustellen, in denen Kunden dann Dosen und Trockenfutter für das Tierheim deponieren können.

Mitglied werden und helfen

„Von unseren kleinen Mitgliedsbeiträgen von jährlich 20 Euro können wir das Futter nicht kaufen“, unterstreicht Carola Hannes. „Wir nehmen auch noch gerne neue Mitglieder auf“, erklärt sie. Wer möchte, kann auch ein Sondermitglied werden, dann liegt der Beitrag bei 30 oder 50 Euro jährlich. „Es gibt auch Leute, die spenden fünf Euro, weil sie einfach nicht mehr haben“, freut sie sich über die große Tierliebe. In der neuen Auffangstation gastieren auch schon mal Hunde, Igel oder Hasen, wie der Langohrhase „Zampano“, der inzwischen zum festen Inventar des Tierheims gehört.

Um die Tierheimkasse etwas aufzufüllen, laufen jetzt auch schon die Vorbereitungen für einen Flohmarkt im Tierheim am 2. und 3. Oktober. „Das passt sehr gut, weil am 4. Oktober Welttierschutztag ist“, informiert Carola Hannes. Essen und etwas zu trinken sowie Kaffee und selbst gebackenen Kuchen gibt es an beiden Tagen auch. Dabei wird im Tierheim außerdem streng auf den Coronaschutz geachtet.

Fakt ist, dass den Löffinger Tierschützern die Arbeit nicht ausgeht. Das macht der Neuzugang von zwei niedlichen kleinen Katzenbabys, die eben abgegeben wurden deutlich.