Er hat nach dem verheerenden Brand von 1768 dafür gesorgt, dass das Kloster St. Blasien wiederaufgebaut wurde. Ihm ist es zu verdanken, dass in Rothaus eine Brauerei steht. Unter seiner Herrschaft entwickelte sich St. Blasien zu einem wichtigen Zentrum der Geschichtsforschung. Die Rede ist von Martin Gerbert, dem wohl bedeutendsten Abt St. Blasiens, der sich auch intensiv mit Kirchenmusik und Musiktheorie befasst hat. Im vergangenen Jahr wäre der Fürstabt 300 Jahre alt geworden. Grund genug für die Stadt St. Blasien, sein Leben und Wirken zu würdigen. In einer besonderen Installation zeichnet der Kehler Künstler und Fotograf Tilmann Krieg, einst selbst Schüler des Kollegs St. Blasien, die Spuren des Fürstabts nach – und zwar mit Licht, Fotos, Videos und Ton. Durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr wird die audiovisuelle Installation nun zum 301. Geburtstag des Fürstabts in diesem Jahr gezeigt.

Gleich in mehrfacher Ausführung sieht Tilmann Krieg an seinem Schreibtisch in Kehl, der mit seinen fünf Bildschirmen einem Cockpit gleicht, den St. Blasier Dom vor sich. Der Künstler und Fotograf arbeitet an seiner audiovisuellen Installation, die er zum 300. Geburtstag des Fürstabts Martin Gerbert umsetzt. „Die Installation ist ein Dialog der historischen Figur mit einem zeitgenössischen Künstler, der sich in assoziativer Weise und bildnerischer Sprache in die Zeit und das Leben des Martin Gerbert hineinfühlt und dabei aus eigenen Bildern und historischen Dokumenten eine moderne Bild- und Toninstallation schafft“, beschreibt Krieg das Projekt.

Chor und Teile der Rotunde des Doms – und damit die Architektur, die durch Martin Gerbert errichtet wurde, werden zur Projektionsfläche, auf der Bilder und Videos erscheinen, die Spuren des Fürstabts zeigen. „Bei so einem Projekt habe ich den Anspruch, mit dem Licht zu malen. Das Flüchtige, also das Licht, vermischt sich dabei mit dem Festen, also mit den Säulen und dem Mauerwerk“, erklärt Krieg. „Säulen machen etwas Tolles mit Bildern“, sagt er. „Sie sehen dann so aus, als würden sie laufen“, fügt der Künstler hinzu, der seine Rolle bei diesem Projekt als Lichtbildner beschreibt. „Dieses alte Wort gefällt mir gut“, sagt Krieg. 22 Säulen gibt es im St. Blasier Dom. „Das Bild wird dadurch total fraktioniert wirken – was es aber wiederum spannend macht.“ Neben den Bildern, die in der einstündigen Aufführung erscheinen, erklingen Originalkompositionen von Fürstabt Martin Gerbert, die Raimund Hug, ehemaliger Domkapellmeister des Freiburger Münsters, eingespielt und für Kriegs Projektion zur Verfügung gestellt hat. Gregorianische Gesänge der Benediktinermönche des Klosters Beuron ertönen ebenso wie moderne Live-Improvisationen vom Musikdirektor des Kollegs St. Blasien, Michael Neymeyer.

Mit der Bild-Klang-Installation im Dom geht für Tilmann Krieg, den ehemaligen Schüler des Kollegs St. Blasien, ein langgehegter Wunsch in Erfüllung: „Die Zeit im Kolleg war eine sehr prägende und gute Erfahrung. Ich hatte das Gefühl, dass die Erzieher zuhörten und heraushörten, welche Talente in jedem Einzelnen steckten“, erinnert sich Krieg, der zu seiner Schulzeit in den 1970er-Jahren eine Schülerzeitung im Kolleg gründete. „Als Schüler des Kollegs hatte man den Namen Martin Gerbert natürlich gehört, damals habe ich aber noch nicht begriffen, was dieser Mann alles geleistet hat.“ So richtig eingetaucht in sein Leben und Wirken ist Tilmann Krieg erst jetzt. Dabei wird der Dom zur Leinwand, mehrere leistungsstarke Projektoren zum Pinsel. Heraus kommt eine mitunter abstrakte Lichtmalerei, die von (Live)Musik begleitet wird. Auch verschiedene Glocken, die auf dem Weg des in Horb am Neckar geborenen Fürstabts eine Rolle gespielt haben, erklingen in Kriegs Installation: Horb, Beuron, St. Blasien und St. Paul im Lavanttal, die heutige Partnerstadt St. Blasiens. So erscheint das Glockengeläut aus Horb in Comic-Art: „Damit ich eine Distanz zu dem schaffe, was heute ist“, sagt Krieg. In seinem Cockpit hat er dafür alle technischen Möglichkeiten.