Luca ist in seine Arbeit vertieft. Er misst einen Balken aus, zeichnet wichtige Punkte an und lässt sich von Zimmermann Markus Dombeck erklären, worauf es bei seiner Aufgabe ankommt, und worauf er besonders achten muss. Der 17-Jährige absolviert eine Ausbildung zum Zimmermann im Betrieb von Markus Dombeck in Bonndorf. Er ist im ersten Lehrjahr. Und Luca ist stark schwerhörig. Dass er bei Markus Dombeck einen Ausbildungsplatz bekommen hat, macht ihn stolz und glücklich.

„Ich wollte unbedingt Zimmermann werden. Ich habe auch in anderen Betrieben Praktika gemacht, aber Zimmermann hat mir am besten gefallen“, erzählt Luca. Er hatte bei Markus Dombeck bereits ein Praktikum absolviert und sich dann entschieden, hier auch seine Ausbildung zu machen. „Nur, weil man weniger hört, hat man ja an der Ausbildung nicht weniger Spaß“,sagt er lachend.

Weite Wege in die Schule

Dass er für die Berufsschule bis in die Pfalz fahren muss und für die überbetriebliche Ausbildung (ÜBA) in die Bildungsakademie nach Rottweil, das macht dem 17-Jährigen nichts aus. Die langen Wege nimmt er gerne in Kauf, um eine „ganz normale“ Ausbildung absolvieren zu können. Und dennoch, der Weg bis zum Ausbildungsbeginn war teilweise steinig und nicht immer einfach zu gehen. „Es hat sich absolut gelohnt“, sind sich alle Beteiligten einig.

Unterstützt und beraten wurde Markus Dombeck von Roman Murr, einem der Ausbildungsberater bei der Handwerkskammer Konstanz und Lucas Mutter. Auch Roman Murr freut sich, dass Luca sich wohlfühlt und im Betrieb alles bestens funktioniert. Immer wieder besucht er Dombeck und seinen Azubi, um zu schauen, ob alles passt. Schwierige Berufsschulsuche Eine geeignete Berufsschule zu finden, erwies sich zunächst als nicht ganz einfach. Am Pfalzinstitut für Hören und Kommunikation in Frankenthal wurden sie schließlich fündig.

Das Problem: Die Schule ist nicht in Baden-Württemberg und zudem mit hohen Kosten verbunden. „Wir haben es aber hinbekommen, dass die Kosten für die Schule, die eigentlich der Auszubildende tragen muss, von der Agentur für Arbeit übernommen wurde“, berichtet Murr. Die Berufsschule mit den Unterrichtseinheiten der überbetrieblichen Ausbildung (ÜBA) zu koordinieren, sei die nächste Hürde gewesen, doch auch die hat das mittlerweile eingespielte Team gemeistert. Das Pfalzinstitut sei hier sehr kooperativ gewesen. „Es ist wirklich wunderbar zu sehen, wie das alles funktioniert“, freut sich auch Markus Dombeck, der stolz ist auf seinen Azubi.

Ein eingespieltes Team

Probleme bei der Verständigung gebe es nicht. Die beiden sind ein eingespieltes Team. Ist es auf der Baustelle laut und Luca benötigt einen Hörschutz, dann funktioniert die Verständigung ohne viele Worte – über Gestik und Mimik. Meist seien es Angst und Unsicherheit, die junge Leute mit körperlichen Einschränkungen davon abhalten würden, ihren Wunschberuf zu erlernen. „Wenn man dann aber sieht, dass eigentlich alles funktioniert, wenn man sich im Vorfeld rechtzeitig und gezielt kümmert und nach Lösungsmöglichkeiten sucht, dann ist es den Aufwand absolut wert“, so Murr, der Eltern und Betriebe ermutigt, Beratungsangebote und Hilfen von der Handwerkskammer in Anspruch zu nehmen. Bei der Handwerkskammer könnten Inklusionsbetriebe auch erfragt werden, informiert er.

Der Betrieb von Markus Dombeck ist klein. Er arbeitet mit einem weiteren Festangestellten, zwei 450-Euro-Kräften und seinem Azubi. „Ob die Inklusion in einem großen Zimmereibetrieb funktioniert, das weiß ich nicht“, sagt er. Wichtig sei es für Luca, vor allem auf der Baustelle, im Team zu arbeiten. „Man muss ihm natürlich schon mehr Aufmerksamkeit schenken als jemandem, der alles um sich herum hören kann. Luca weiß das aber zu schätzen.“ „Markus ist wie ein Freund“, freut sich Luca.

Das erste Lehrjahr hat er nun fast gemeistert. Ob er im zweiten Lehrjahr für die ÜBA nach Waldshut oder Donaueschingen fahren muss, das ist derzeit noch offen. „Man muss erst mal sehen, wie groß die Klasse jeweils ist, dann wird entschieden. Aber wir unterstützen hier auf jeden Fall“, so Murr. Auch Luca ist zuversichtlich und guter Dinge. Die Fahrerei ist er bereits gewohnt. Zusätzlicher Aufwand macht ihm nichts aus, denn er hat sein Ziel fest vor Augen: „Ich möchte die Ausbildung abschließen und anschließend auf die Walz gehen.“