Großer Bahnhof am Sonntagnachmittag in St. Peter: Rund 2700 Einwohner zählt die kleine Gemeinde am Rande des Hochschwarzwalds, über 500 Gäste und Fans bereiteten der vierfachen Medaillengewinnerin bei den Paralympics in Peking, Leonie Walter und ihrem Guide Pirmin Strecker (Kirchzarten) auf dem Klosterhof einen rauschenden Empfang. Die Sonne strahlte von einem wolkenlosen Himmel, es war ein Tag wie gemalt.

Leonie Walter (SC St. Peter) strahlt beim Empfang in der Heimatgemeinde mit der Sonne um die Wette.
Leonie Walter (SC St. Peter) strahlt beim Empfang in der Heimatgemeinde mit der Sonne um die Wette. Bild: Hahne, Joachim

Mit einer Pferde-Kutsche war die sehbehinderte Wintersportlerin gemeinsam mit ihrem Begleitläufer Pirmin Strecker vor der barocken Klosterkirche vorgefahren. Applaus brandete auf, die Skijugend des SC St. Peter empfing die erfolgreichen Para-Athleten mit einem langen Spalier. Die örtliche Trachtenkapelle und die Sängerrunde begleiteten den Empfang für die erfolgreichen Sportler musikalisch.

Bürgermeister Roland Schuler sprach von „einem großen Tag für unseren Ort“. Am Ende der Proklamation durften sich Leonie Walter und Pirmin Strecker in das „Goldene Buch“ der Gemeinde eintragen. Als äußeres Zeichen des Dankes und als Anerkennung für diesen historischen Erfolg überreichte das Gemeinde-Oberhaupt einen Gutschein für einen Tandemflug vom Kandel herunter in die Heimatgemeinde der 18-jährigen Para-Athletin.

Bürgermeister Rudolf Schuler überreicht Blumen und Präsente an die mehrfache Paralympics-Medaillengewinnerin Leonie Walter und Guide Pirmin Strecker.
Bürgermeister Rudolf Schuler überreicht Blumen und Präsente an die mehrfache Paralympics-Medaillengewinnerin Leonie Walter und Guide Pirmin Strecker. Bild: Hahne, Joachim

Mit Stolz erinnerte Matthias Kristiansen-Kürner an den Beginn der sportlichen Karriere von Leonie Walter, aber auch an die Erfolge der „Maier-Buben“ in den 60-er Jahren sowie an die nur kurze Sport-Zeit ihrer Oma vom Rohrerhof. Und irgendwie war es wohl Fügung, dass ausgerechnet am 8. März, dem Welt-Frauentag, die Behinderten-Sportlerin in China ihren bislang größten sportlichen Erfolg feiern durfte. „Du hast erreicht, was deiner Oma vor vielen Jahren noch gesellschaftlich verwehrt blieb, nämlich als Frau gleichberechtigt mit den Männern Sport zu treiben“, führte der Skiclubvorsitzende weiter aus.

Einmal Gold im Biathlon über 10 Kilometer, dazu weitere drei Bronze-Medaillen bei den anderen Wettkämpfen. Soviel Edelmetall lässt sich natürlich im Vorfeld nicht planen und war nicht abzusehen. „Es war nicht zu toppen, das war eine super Leistung von ihr. Sie hat in den zehn Tagen ihre Bestleistung abrufen können, wir haben uns alle sehr darüber gefreut. Man sieht auch bei der heutigen Ehrung wie der Skiclub St. Peter und die Gemeinde hinter der Sportlerin stehen und sich alle mitfreuen. Wir konnten nur versuchen eine optimale Vorbereitung hinzubekommen und das vor Ort auch alles gut ist, auch das Skimaterial passt“, sagte ein glücklicher Bundestrainer Ralf Rombach.

Ein Gläschen Sekt für die erfolgreichen Paralympics-Teilnehmer, Pirmin Strecker, Leonie Walter, gemeinsam mit Bürgermeister Rudolf Schuler und dem Vorsitzenden des Skiclub St.Peter, Matthias Kristiansen-Kürner beim Empfang in St. Peter.
Ein Gläschen Sekt für die erfolgreichen Paralympics-Teilnehmer, Pirmin Strecker, Leonie Walter, gemeinsam mit Bürgermeister Rudolf Schuler und dem Vorsitzenden des Skiclub St.Peter, Matthias Kristiansen-Kürner beim Empfang in St. Peter. Bild: Hahne, Joachim

Jürgen Willrett, Laufbahnberater beim Olympia-Stützpunkt Freiburg-Schwarzwald (OSP) gratulierte auch im Namen des Badischen Sportbundes (BSB) und übermittelte die Glückwünsche von BSB-Präsident Gundolf Fleischer. Elf Medaillen gab es für die Sportler*innen, welche am OSP trainieren und von dort unterstützt werden in China. „Das ist großartig und hier hat auch Leonie ihren Teil dazu beigetragen“, ergänzte der stellvertretende OSP-Leiter.

Leonie Walter und Pirmin Strecker haben den Moment im Klosterhof sichtlich genossen und mussten das Bad in der Menge erst einmal verarbeiten, genauso wie die Erfolge selbst bei den Paralympics . „Ja, es hat natürlich Spaß gemacht, aber es war auch schwer. Wir mussten uns ja zwischen den einzelnen Rennen auch wieder erholen. Es war eine einzigartige Erfahrung“, erklärte der Begleitläufer beim kleinen Interview. Und die vierfache Medaillen-Gewinnerin Leonie Walter „war einfach froh wieder zu Hause zu sein.“ Bei einem Gläschen Sekt mit Bürgermeister Rudolf Schuler und Matthias Kristiansen-Kürner durfte das erfolgreiche Sportler-Duo zahlreiche Glückwünsche aus der Bevölkerung entgegen nehmen. Und zudem ist jetzt erst einmal Trainingspause – zum durchatmen.