Der Wintersport im Schwarzwald hat eine lange Tradition. Die für den Skiclub Freiburg startende Christel Cranz-Borchers gewann bereits 1936 bei den Olympischen Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen die Goldmedaille in der neuen Disziplin Alpine Kombination und schrieb damit Skigeschichte. Insgesamt heimste die Allrounderin in den Jahren davor und bis Ende der 1930-er Jahre bei Weltmeisterschaften zwölf Titel ein.

Noch länger sind die Aufzählungen der Erfolge im Nordischen Skisport. Georg Thoma gelang es als erstem Mitteleuropäer in die sportliche Phalanx der Skandinavier einzubrechen. Der Postbote aus Hinterzarten wurde 1960 in Squaw Valley Olympiasieger in der Nordischen Kombination. Dem „Gold-Jörgle“ folgten weitere Athleten wie Hans-Peter Pohl und Georg Hettich (beide SC Schonach) sowie Fabian Rießle (SZ Breitnau) in der Erfolgsspur und sammelten ebenfalls reichlich Edelmetall in der Königsdisziplin. Dieter Thoma und Sven Hannawald (beide SC Hinterzarten), Hansjörg Jäkle (SC Schonach) Christof Duffner (SC Schönwald) sowie Martin Schmitt (SC Furtwangen) schrieben Skigeschichte im Skispringen. Benedikt Doll (SZ Breitnau) gewinnt als Sprint-Weltmeister im Biathlon 2017 in Hochfilzen die erste Goldmedaille für den Skiverband Schwarzwald.

Die Aufzählung international disziplinübergreifend erfolgreicher Athletinnen und Athleten ließe sich noch beliebig erweitern. Hierzu gehören auch die „Maier-Buben“ aus St. Peter – Rudolf, Fritz, Hans und Sepp Maier, die Ende der 1950er-Jahre im Skilanglauf national für sportliche Schlagzeilen sorgten. Nun, etwas mehr als 60 Jahre später ist der rührige Skiclub wieder in aller Munde. Bei den jüngst in Peking zu Ende gegangenen Winter-Paralympics hat Leonie Walter den Namen der Gemeinde und des Vereins in die Sportwelt hinausgetragen. Dekoriert mit einmal Gold und drei Bronzemedaillen kehrte die 18-jährige sehbehinderte Athletin von den Winterspielen aus China zurück. Über 500 Wintersportfans bereiteten ihr und Begleitläufer Pirmin Strecker (Kirchzarten) einen rauschenden Empfang (wir berichteten).

Dabei sind die Disziplinen Biathlon und Skilanglauf im Behindertensport noch recht jung. Die Premiere gab es 1988 bei den Paralympics in Innsbruck. Ebenfalls noch jung, aber sehr ehrgeizig blickte Leonie Walter ihren ersten Starts bei einem derart großen Ereignis entgegen. „Ich bin froh dabei sein zu dürfen, hoffe viel Spaß zu haben in Peking“, dämpfte die in Freiburg lebende Schülerin vor dem Beginn der Paralympics die eigenen Erwartungen.

Leonie Walter beim Training des Paralympic Team Nordisch.
Leonie Walter beim Training des Paralympic Team Nordisch. Bild: Hahne, Joachim

Legendärer Vereinstrainer

Begonnen hat die zwar noch kurze, aber erfolgreiche Karriere von Leonie Walter als Para-Sportlerin beim heimischen Skiclub unter dem legendären Vereinstrainer Albert Kürner, der gut und gerne über ein halbes Dutzend an Skilangläuferinnen und -läufer aus dem Verein an die nationale Spitze herangeführt hat. Bei einer Sehkraft von weniger als fünf Prozent besuchte die heute 18-Jährige die Staatliche Schule für Sehbehinderte in Waldkirch und erfuhr dort eine weitere sportliche Förderung, die dann auch in die Aufnahme der Nationalmannschaft des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) führte.

Perfekt eingestellt und geführt von Guide Pirmin Strecker steigerte sich das Duo nach der ersten Bronzemedaille in einen „Flow“. Am Ende der Paralympics stehen eine Goldmedaille und dreimal Bronze zu Buche. Die gesamte 2.700-Seelengemeinde und vor allem der Skiclub stehen in diesen ersten Märztagen Kopf. Eine unglaubliche „Ausbeute“ für Leonie Walter und ihren Begleitläufer, wenngleich sich ihr Potential schon bei den Weltmeisterschaften wenige Wochen zuvor in Lillehammer mit drei „Top-Ten“-Platzierungen angedeutet hatte.

Ein Großteil der erfolgreichen Para-Sportlerinnen und -sportler kommt aus Südbaden, bzw. trainiert am Olympiastützpunkt Freiburg-Schwarzwald und am Schwarzwald Nordic Center Notschrei und findet dort beste Trainingsbedingungen vor. Das deutsche Paralympic-Team befindet sich um Umbruch, die Verjüngung der Kader ist eingeläutet und stellte sich bereits in Peking ein. „Das Umdenken gab es schon länger, aber es gab nicht die notwendige Anzahl der Kader. Nun haben wir mehr Personal, mehr Trainer und können alles besser aufbauen und betreuen“, erklärte der Nachwuchs-Bundestrainer Michael Huhn im Vorfeld des Saisonhöhepunkts. Und das Engagement der Verantwortlichen zahlte sich bereits in China aus. Denn das überragende Ergebnis von Leonie Walter (4 Medaillen) wurde noch durch die erst 15-jährige Trainingskollegin Linn Kazmaier (SC Römerstein) mit fünf Medaillen (1x Gold, 3 x Silber, 1 x Bronze) getoppt.

Wie die Olympischen Spiele, werden auch die Paralympics als die „Corona-Spiele“ in die Geschichtsbücher eingehen. „Es waren schon die etwas besonderen Spiele. Die Organisation vor Ort war gut, aber den Rest braucht man nicht“, resümierte Bundestrainer Ralf Rombach die aus sportlichem Blickwinkel sehr erfolgreichen Paralympics.

Leonie Walter genoss beim Empfang in St. Peter den Moment mit einem Gläschen Sekt und war einfach froh, „wieder zu Hause zu sein“. Und jetzt ist erstmal Trainingspause, Zeit zum Durchatmen, „das brauchen wir auch, wir sind alle ziemlich platt“, sagte Ralf Rombach. Aber schon Anfang Mai beginnt die Saisonvorbereitung auf den Winter.