Süsse Leckereien, wie Pralinen, Petit Fours, individuelle Torten in allen Variationen und Kleingebäck, sind die Spezialitäten und die Kunst eines Konditors. Gefragt sind Sinn für Ästhetik und Kreativität, ruhige Hände und Sorgfalt bei der Arbeit. Anforderungen, die Jacob Drahtschmidt mitbrachte, als er sich für den Beruf des Konditors entschied. Mit Jacob Drahtschmidt schaffte bereits der vierte Konditoren-Lehrling des Lenzkircher Ausbildungsbetriebes seine Gesellenprüfung als erster Kammersieger.

Geprüft wurden 40 Konditorengesellenanwärter. „Das Prüfungsthema ‚Heimat‘ kam Drahtschmidt als überzeugter Schwarzwälder sehr entgegen. „Eine der drei geforderten Prüfungstorten habe ich wie einen Baumstamm eingedeckt und bei den Pralinen habe ich unter anderem einen Schokoladen-Minibaumstämmchen mit Schwarzwälder Kirschwasser und Waldfrucht gefüllt und als Schaustück fertigte ich aus Schokolade eine Tannengruppe und einen Fuchs und Hasen, um den Schwarzwald zu präsentieren“, verrät er über seine Kreationen bei den Prüfungsaufgaben.

Vorliebe für Torten und Pralinen

Am liebsten verkünstelt sich der junge Kammersieger an Torten und auf seiner Favoritenliste stehen natürlich auch, wie könnte es für einen überzeugten Konditor anders sein, Pralinen. „Die machen wir hier in der Konditorei alle in Handarbeit und das macht mir mega Spaß, weil Pralinen aber auch das Verzieren von Torten große Kreativität, Fingerspitzengefühl und eine ruhige Hand erfordern“, betont der Jungkonditor und Innungsbeste, dem die Freude an seinem Beruf und das gute Ergebnis der Gesellenprüfung anzumerken ist.

„Jede Praline ist sozusagen ein Unikat“, erklärt er weiter. „Besonders gefallen hat mir in meiner zweijährigen Ausbildungszeit, dass unser Chef und Konditormeister Florian Kerdraon sehr viel eigene Kreativität und Ideen zuließ, das macht einfach Freude und motiviert dazu, auch selbst neue Kreationen auszuprobieren“, erklärt er. „Besonders bei den Torten wie beispielsweise Hochzeits-, Tauf- oder Geburtstagstorten ist es besonders schön zu sehen, was aus eigener Hand entsteht“, schwärmt der Lenzkircher Konditor. Schließlich bekam er für seine Prüfungsarbeiten dreimal 99 und einmal 97 von 100 zu erreichenden Punkten. Ein sehr gutes Ergebnis, das sich sehen lassen kann.

Den Anstoß und die Lust, zuerst einmal eine zweijährige Konditoren Lehre anzugehen, war die Tatsache, dass er nach der Lehre automatisch die mittlere Reife bekam, deren Abschluss an der Lenzkircher Schule nicht möglich war. Und an eine andere schule wechseln wollte er nicht. Den richtigen Einblick erhielt der junge Konditorgeselle bei einem Schülerpraktikum während der Osterzeit im Café Roters. Da ging es richtig zur Sache: Osterhasen, die mit buntem Zuckerguss geschminkt werden wollten, Ostereier in allen Variationen, Pralinen und Osterlämmer waren an der Tagesordnung. „Das war voll cool“, erinnert er sich.

Ansturm auf Stellen bei Roters

Jetzt will sich Jacob Drahtschmidt schulisch weiterbilden und holt die Fachhochschulreife nach. Trotzdem arbeitet er jeden Samstag noch in der Konditorei des Cafés, einfach weil es ihm Spaß macht und als Ausgleich. Während in vielen Handwerksbetrieben auch in Bäckereien nur schwer Lehrlinge zu finden sind, ist das in der Konditorei nicht der Fall. „Bei uns stehen die Lehrlinge eigentlich Schlange, besonders Mädchen, die fast alle sehr gute Schulabschlüsse und mittlere Reife vorweisen können, wollen den Beruf der „Konditorin“ erlernen, obwohl ein Konditor sehr früh aufstehen muss“, informiert Inhaberin Monika Kerdraon. „Aber leider ist es wegen den Coronazeiten ziemlich schwer, richtig zu disponieren, wir müssen die Situation immer wieder neu bewerten und den Bewerbern sogar teilweise absagen“, bedauert sie.