Jeder ist seines Glückes Schmied“ – Diesen Ausspruch kannte man schon bei den alten Römern. Noch heute prägt dieser Spruch unsere Auffassung vom eigenen Glück. Aber zum Jahreswechsel lassen wir nichts unversucht, „dem Glück“ noch etwas auf die Sprünge zu helfen. Vielleicht auch mit dem Hintergedanken, dass das Schmiede-Handwerk harte Arbeit bedeutet, geht man den vermeintlich einfacheren Weg und verlässt sich auf diverse Glücksbringer, wie etwa dem Schornsteinfeger, dem Glücksschweinchen, dem Hufeisen, Kleeblatt und einigen mehr.

Schornsteinfeger

Das Symbol des Schornsteinfegers ist wohl eines der häufigsten, hierzulande verwendeten Glücksbringer. Die Bedeutung des Schornsteinfegers als Glücksbringer geht auf das Mittelalter zurück. Immer wieder gab es damals verheerende Brände, da verrußte Rauchabzüge in Brand geraten waren. Ganze Städte wurden in Schutt und Asche gelegt. Abhilfe schafften da die Schornsteinfeger, die die Kamine reinigten und damit die Feuergefahr bannten. Ein Glück für die Menschheit. Der Kaminfeger brachte also das Glück zurück.

Doch nicht nur Glücksbringer wechseln zum Jahreswechsel die Besitzer, sehr oft soll darüber hinaus auch ein kluger Spruch – ersonnen von unseren großen Dichtern und Denkern – unseren Mitmenschen helfen, das neue Jahr hoffnungsvoll zu beginnen und zum Glück zu verhelfen. Hier nur ein Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe: „Im neuen Jahre Glück und Heil, Auf Weh und Wunden gute Salbe! Auf groben Klotz ein grober Keil! Auf einen Schelmen anderthalbe!“

Der Jahreswechsel bietet aber auch ein breites Feld an Ritualen mit sich. Bei uns ist neben dem Glas Sekt und dem Kuss um Mitternacht das Feuerwerk ein solches Ritual. Dieser Brauch geht zurück auf die germanischen Feuer-Feste zum Jahreswechsel. Sie sollten in vorchristlichen Zeiten böse Geister vertreiben.


Neujahrsgeister

Um die Vertreibung von bösen Geistern, die sich anschicken könnten, uns das neue Jahr gründlich zu verderben, geht es auch heute noch in unseren Breiten. Viele kennen von ihren Großeltern zum Beispiel noch den Grundsatz, dass „zwischen den Jahren“ keine Wäsche gewaschen werden sollte. Denn ein alter heidnischer Brauch besagt, dass etwas Schlimmes passiert, wenn Bettlaken in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr an der Wäscheleine flattern. Böse Geister könnten sich nämlich leicht in den Laken verheddern und so Unglück bringen. Die „Rauhnächte“ (in den letzten sechs Tagen des alten Jahres und den ersten sechs Tagen des neuen Jahres) nämlich gehen sehr oft mit viel Wind einher, was das „Verheddern“ – so der Glaube oder Aberglaube – logischerweise noch begünstigt.

Rituale und alte Weisheiten zum Jahreswechsel gibt es überall auf der Welt. In Japan beispielsweise steht zum Jahreswechsel ein Frühjahrsputz an. Um alles Schlechte aus dem vergangenen Jahr loszuwerden, fegt man hier die ganze Wohnung. Gekehrt werden darf allerdings nur an den Tagen vor Neujahr. In den ersten drei Tagen des neuen Jahres darf nicht gekehrt werden, denn sonst fegt man das Glück des neuen Jahres direkt wieder nach draußen. Da heißt es also aufgepasst!

Das kleine Glück einladen

Rituale, alte Weisheiten und Glücksbringer zum Jahreswechsel sind das eine – das wahre Leben jedes Einzelnen das andere. „Glück“ hat für jeden seine eigene, individuelle Bedeutung. Steckt man es nicht zu hoch, kann jeder, auch mit dem alltäglichen „kleinen Glück“ richtig glücklich werden. Und dieses „kleine Glück“, das man schon in einem Gänseblümchen finden kann, in der Achtsamkeit, in der Natur, in Gesten, Worten und kleinen Aufmerksamkeiten, genügt schon, um mit einem guten Gefühl sein Leben zu meistern.

Den Leuten, die grad keinen „Glücksbringer“ zur Hand haben, hilft vielleicht die ebenfalls althergebrachte Weisheit: „Glück und Glas – wie leicht bricht das“ – und die daraus folgernde Hoffnung: Jeder ist eben doch selbst seines Glückes Schmied und manchmal besteht die „Arbeit“, also das Schmieden schlicht darin, sich die eigene Zufriedenheit zu vergegenwärtigen.