436 Kilogramm Abfall haben die Entsorgungsbetriebe Stadt Konstanz (EBK) vergangenes Jahr pro Person in Konstanz gesammelt. In ihrer Abfallstatistik zeigen sie auf, wie sich diese Menge zusammensetzt und was die Zahlen über unser Leben im vergangenen Jahr aussagen:

Über 400 Millionen Tonnen Müll fallen in Deutschland jährlich an. Dazu zählen auch die Abfälle, die von den EBK gesammelt werden. Rund 12.000 Grundstücke fährt die Müllabfuhr im Stadtgebiet und den Ortsteilen an. Bis zu 700 Personen suchen die vier Wertstoffhöfe an Spitzentagen auf. Da kommt einiges an Abfall und Müll zusammen: Im Jahr 2021 haben die EBK rund 36.747 Tonnen Abfälle gesammelt, etwa 300 Tonnen mehr als im Vorjahr.

Bild: EBK

Pro Kopf Aufkommen unter dem Bundesdurchschnitt

Auf jede Person in Konstanz entfallen für das vergangene Jahr damit rund 436 Kilogramm Abfall. Diese Menge liegt unter dem bundesdeutschen Durchschnitt, den das statistische Bundesamt für 2020 mit 476 Kilogramm pro Person angibt. Zahlen des Jahres 2021 liegen dort noch nicht vor.

Bild: EBK
Bild: EBK

Die EBK berechnen das pro Kopf Aufkommen anhand der Einwohnerzahl, jeweils zum Stichtag 31.12. des Vorjahres. Da die Gesamtmenge gestiegen, die Einwohnerzahl sich aber nicht wesentlich verändert hat, ist auch die pro Kopf Menge gestiegen. Etwa 6 Kilogramm mehr Abfälle sind pro Konstanzerin und Konstanzer angefallen als noch im Vorjahr. Liegt es an den Masken und Schnelltests? Wie gestaltet sich das Mengenverhältnis der verschiedenen Abfallarten? Antworten darauf gibt ein genauerer Blick auf die Abfallstatistik 2021 der EBK.

Restmüll: Leichter Rückgang

Masken, Schnelltests und andere infektiöse Abfälle werden korrekterweise im Restmüll entsorgt. Wäre die häufig in den Medien gelesene Aussage korrekt, dass die Schnelltests und Masken für ein erhöhtes Müllaufkommen sorgen würden, müsste man einen deutlichen Zuwachs beim Restmüll erkennen. In Konstanz ist die Restmüllmenge im Jahr 2021 allerdings konstant geblieben, sogar leicht zurückgegangen von 131 Kilogramm auf 128 Kilogramm pro Person. Insgesamt wurden von den EBK 10.790 Tonnen Restmüll aus Privathaushalten erfasst, was sich ohne Auffälligkeit in die Restmüllmengen der vergangenen fünf Jahre einordnet.

Alles, was im Restmüll landet, wird verbrannt und ist damit unwiederbringlich für den Wertstoffkreislauf verloren. In manchen Fällen ist das sinnvoll, zum Beispiel bei potenziell infektiösen Abfällen, in anderen Fällen aber schlichtweg falsch entsorgt: Studien besagen, dass etwa zwei Drittel dessen, was im Restmüll landet, dort nicht hingehört. Eine Chance auf Recycling gibt es nur für die Abfälle, die getrennt vom Restmüll entsorgt werden. Man kann also davon ausgehen: Je weniger Restmüll anfällt, desto besser wird der Abfall getrennt.

Biomüll: Es wird immer noch gekocht!

2020 wurde über die Menge an Bioabfall gestaunt und mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie erklärt: Durch die Schließung von Restaurants, Kantinen und anderen Gastronomiebetrieben wurde das Kochen am eigenen Herd wichtiger. Und wo gekocht wird, fallen Bioabfälle an. Die Bioabfallmenge 2021 folgt diesem Trend und ist beinahe unverändert hoch: 87 Kilogramm Biomüll pro Kopf und damit die genau gleiche Menge, die auch in der Abfallstatistik des Vorjahres angegeben ist. Insgesamt wurden von den EBK vergangenes Jahr 7.356 Tonnen Biomüll gesammelt.

Auch 2021 war durch Einschränkungen der Gastronomie geprägt, es wurde viel im Homeoffice gearbeitet, dadurch mutmaßlich vermehrt zu Hause gekocht und gegessen. Dazu hat die besonders günstige Wetterlage mit viel Regen und weniger Hitze dem heimischen Gärtner und der heimischen Gärtnerin vermehrt Freude am Rasenmähen beschert.

Altpapier: Weniger Gewicht, mehr Volumen

Die gewogene Menge an Altpapier ist im Jahr 2021 erneut zurückgegangen: Von 72 auf 70 Kilogramm pro Person. Die EBK haben in den Altpapiertonnen und auf den Wertstoffhöfen insgesamt 5.870 Tonnen Altpapier gesammelt.

Doch das Gewicht sagt noch nichts über das Volumen: Während sich Printprodukte weiter langsam aus dem Alltag verabschieden, die wenig verbliebenen Zeitungen nach dem Lesen zur Biomüllsammlung genutzt werden, steigt der Anteil von Kartons kontinuierlich an. Bemerkbar macht sich das vor allem daran, dass ein Müllfahrzeug, das zur Sammlung von Altpapier unterwegs ist, häufiger geleert werden muss als noch vor einigen Jahren.

Gelber Sack: Verpackungen aus Plastik, Metall und Verbundstoffen

Joghurtbecher, Tomatendosen und Milchkartons werden im Gelben Sack entsorgt. Der Gelbe Sack ist der erste Schritt im Recycling von Plastik, Metall und Verbundstoffen, der von den Produzenten der Verpackungen verantwortet wird. Der Gelbe Sack wird also nicht mit den jährlichen Abfallgebühren bezahlt, sondern mit einer Verpackungsabgabe, die im Preis der Produkte im Laden bereits enthalten ist.

Seit Jahresbeginn wird der Gelbe Sack von den EBK häufiger abgeholt, nicht mehr monatlich, sondern alle zwei Wochen. Auf die Menge der gesammelten Verpackungsabfälle hat sich das jedoch nicht ausgewirkt: Mit 24 Kilogramm pro Person, insgesamt 2.059 Tonnen, liegt die Menge sogar leicht unter der Vorjahresmenge von 25 Kilogramm pro Person.

Das könnte Sie auch interessieren.

Altglas: 31 Kilogramm Flaschen und Gläser pro Person

Eine weitere Auffälligkeit der Vorjahresstatistik lag im Anstieg der gesammelten Altglasmenge, also dem sogenannten Verpackungsglas – Weinflaschen, Marmeladengläser und ähnliches – das in den Altglascontainern gesammelt wird. Die Altglasmenge ist 2021 gleichbleibend hoch: 31 Kilogramm pro Person, mit 2.622 Tonnen nur 12 Tonnen unter dem Vorjahreswert. Es wird also weiterhin gern getrunken, gekocht und gebacken.

Sperrmüll und Wertstoffe

Auf den Konstanzer Wertstoffhöfen werden über 30 verschiedene Wertstoffe gesammelt, darunter Sperrmüll, Holz und Metall. Zum klassischen Sperrmüll gehören kaputte Gegenstände, die nicht in die Restmülltonne passen, wie Snowboards, Matratzen oder Teppiche. Alte Möbel aus Holz oder Fahrräder aus Metall lassen sich bestens recyceln und werden darum separat gesammelt. Nicht ganz so bekannt ist die Tatsache, dass auch Druckerzubehör, CDs, Fette und Öle sowie Naturkorken auf den Wertstoffhöfen der EBK gesammelt werden, um sie wiederverwerten zu können. Seit Jahresbeginn 2021 wird auf den Wertstoffhöfen auch sogenanntes Flachglas gesammelt. Also das Glas, das nicht in den Altglascontainer gehört, aber entgegen der Benennung auch nicht unbedingt flach sein muss: Trinkgläser, Aquarien oder Glaselemente aus Möbelstücken zählen dazu,

Bei Sperrmüll und Wertstoffen sind 2021 keine Auffälligkeiten zu beobachten, beide Mengen blieben konstant auf hohem Niveau: 1.061 Tonnen Sperrmüll und 3.133 Tonnen Wertstoffe wurden auf den Wertstoffhöfen abgegeben.

Grünabfall: Mehr Regen, viel mehr Grünabfälle!

Die bisher betrachteten Abfallarten haben noch keine größeren Auffälligkeiten ergeben, die den Anstieg der Gesamtabfallmenge erklären würden. Beim Blick auf die Grünabfälle ändert sich das: Die Gesamtmenge der von den EBK gesammelten Grünabfälle ist auf 3.843 Tonnen gestiegen. Das ist ein Anstieg von 1.051 Tonnen beziehungsweise 38%. Pro Kopf wurden in Konstanz rund 46 Kilogramm Grünabfälle gesammelt, das ist mit Abstand der Spitzenwert der vergangenen Jahre!

Das kann einerseits daran liegen, dass sich die vermehrte Aufmerksamkeit für den eigenen Garten auch im Jahr 2021 fortgesetzt hat. Was im ersten Pandemiejahr gepflanzt wurde, bedarf schließlich auch im Folgejahr noch Pflege und Zuwendung.

Der zweite, sicherlich stärkere Faktor: Das Wetter. 2021 hat es im Vergleich zu den Vorjahren verhältnismäßig viel geregnet und es war nicht zu heiß. Perfekte Bedingungen für optimales Wachstum. Und wo mehr wächst, fällt auch mehr Grünabfall an. So viel Grünabfall, dass er nicht mehr im heimischen Komposthaufen verarbeitet werden kann, sondern den EBK übergeben wurde. Dass vor allem das Wetter für den enormen Anstieg an Grünabfällen verantwortlich ist, bezeugen auch die Technischen Betriebe Konstanz (TBK). Auch bei der städtischen Grünpflege sind die Grünabfälle im Jahresvergleich um mehr als ein Drittel gestiegen.

Ohne Grünabfall: Rückgang der Gesamtmenge

Dass die Gesamtmenge der Konstanzer Abfallstatistik ein Fünfjahreshoch erreicht hat, ist also nicht vorschnell als schlecht zu bewerten. Denn der Zuwachs lässt sich vor allem auf den Grünabfall zurückführen. Und der Grünabfall kann getrennt gesammelt optimal kompostiert werden, damit er als Dünger oder Erde wieder im Nährstoffkreislauf zum Einsatz kommt.

Mehr noch: Betrachtet man die Abfallmenge unter Ausschluss der Grünabfälle, ist sogar ein leichter Rückgang der Gesamtmenge der „vermeidbaren“ Abfallarten festzustellen: Von 33.628 Tonnen im Jahr 2020 auf 32.904 Tonnen im vergangenen Jahr. Keine signifikante Veränderung, aber eben auch keine auffällige Zunahme an Abfällen.

Abfallvermeidung und Abfalltrennung: Nur gemeinsam zu schaffen

Was von der kommunalen Müllabfuhr geholt oder auf den Wertstoffhöfen gesammelt wird, macht nur etwa 15% der Gesamtmüllmenge in Deutschland aus. Die größten Anteile entfallen auf das Bau- und Abbruchgewerbe, auf Produktion und andere Industriezweige sowie die Gewinnung von Bodenschätzen. Dennoch ist es wichtig und richtig, dass sich die Konstanzerinnen und Konstanzer Gedanken über ihr Abfallverhalten machen. Jeder Beitrag zählt, auf dem Weg zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft.

Viel zu oft landet eigentlich noch Brauchbares im Müll und seltene Rohstoffe gehen verloren, weil sie in der falschen Tonne entsorgt wurden. Die Neuproduktion und Entsorgung von Konsumgütern tragen einen großen Anteil zum globalen CO2-Ausstoß bei. Abfallvermeidung und Abfalltrennung reduzieren diesen CO2-Ausstoß, da beim Recycling weit weniger Energie benötigt wird und die Transportwege kürzer sind. Abfallvermeidung und Abfalltrennung sind damit ein unmittelbarer Beitrag zum Klimaschutz.

Darum helfen die EBK mit Tipps zur Abfallvermeidung und Abfalltrennung. Im Online Abfall ABC ist schnell herausgefunden, wo etwas korrekt entsorgt wird. Auf der Website der EBK lässt sich in der Rubrik Abfallwege nachvollziehen, wie die einzelnen Abfallarten weiterverarbeitet und recycelt werden. Und wer spezielle Fragen hat, dem hilft die Abfallberatung der EBK persönlich und per Mail gerne weiter. Denn nur gemeinsam können wir es schaffen, die aufkommende Abfallmenge zu reduzieren und die unvermeidbaren Abfälle dem bestmöglichen Recycling zuzuführen. (pm)