Es gibt Läufer, Marathonläufer und dann gibt es Ultratrail-Läufer. Das sind Menschen, die unter der Marathondistanz von 42,195 km gar nicht anfangen. Die Kilometer reißen sie auch nicht auf geteerten Straßen ab, sondern rennen durchs hochalpine Gelände, über schmale Wanderwege und wenn es sein muss, auch über Geröll und Schneeflächen. Abenteuerliches Terrain, in dem man auch mal stürzt. Was manche sicher den Kopf schütteln lässt, ist zur großen Leidenschaft des Konstanzers Dominik Schutzbach (40) geworden.

2008 fängt der Entwicklungsingenieur mit dem Laufen an, als Ausgleich zum Schreibtisch. Über Halbmarathons steigert er sein Laufpensum bis zum Marathon. „Aber das Straßenlaufen hat mich nicht gereizt.“ Ganz anders dagegen die Erfahrung, die Schutzbach beim Ultralauf in Südtirol beim Stilfser Joch macht. „Im Gelände zu laufen ist viel abwechslungsreicher, man sieht wahnsinnig schöne Landschaften und bekommt von der Region viel mehr mit“, erzählt der Konstanzer begeistert. Und er schätzt auch die Kameradschaft: „Die Szene der Ultraläufer ist unglaublich locker und entspannt. Wenn man nicht Profiläufer ist, dann empfindet man bei den Rennen auch keine Konkurrenz. Man unterhält sich zum Beispiel bei steilen Abschnitten, wenn man eher schneller geht und nicht läuft.“

12 Stunden unterwegs

Aber es sind nicht nur das Erleben grandioser Natur und die Gemeinschaft, die Schutzbach für den Sport einnehmen. „Es macht etwas mit einem, wenn man 50, 80 oder auch 100 km am Stück unterwegs ist. Bei den extremen Distanzen setzt man sich intensiv mit sich selbst auseinander, es ist eine Herausforderung gegen den eigenen Geist und Körper“, erklärt der 40-Jährige. 2021 hat Schutzbach unfassbare 50.000 Höhenmeter zurückgelegt. In Tirol beim Wilden Kaiser im Hohe Salve Ultra ging es für ihn zum Beispiel 4200 Meter nach oben und 3000 Meter nach unten. Ultratrails sind je nach Gelände und Höhenmetern sehr zeitintensiv. Für den Hohe Salve Ultra benötigte Schutzbach zehn Stunden, beim Gletscher Trailrun im Ötztal waren es 12 und beim Allgäu Ultra knapp unter neun Stunden.

Im August im Pitztal

Ohne gute Vorbereitung und Training sollte man sich nicht in die Strapazen eines Ultralaufs stürzen. Schutzbach läuft regelmäßig 50, 60 Kilometer in der Woche, wenn Wettbewerbe anstehen, steigert er die Leistung auf 100 km. Seit Neuestem holt er sich auch Rat bei einem professionellen Trainer, um seinen Trainingsplan zu optimieren. Neben Lauftechnik und Ausdauer spielen Ernährung, Schlafen und Beweglichkeit eine wichtige Rolle, Ultratrails zu laufen. Schutzbachs großes Ziel 2022: der 100-km-Lauf im Piztal diesen August.

Neben der mentalen und körperlichen Fitness gehört auch eine gute Ausrüstung zur Grundausstattung eines Ultratrail-Läufers. Da das Wetter in den Bergen unberechenbar ist, gehören eine lange Hose und Shirt, eine Regenjacke, Handy, GPS-Tracker, ein Medi-Kit, Kopfbedeckung und Handschuhe und vor allem ausreichend Essen und Trinken in den Rucksack oder die Rennweste. „Die Energiezufuhr ist mit das Schwierigste.“ Schutzbach füllt den Energiespeicher meist mit Sportgels oder Riegeln auf, bei längeren Rennen helfen Verpflegungsstationen. „Es ist ein wichtiger Teil des Trainings zu testen, wieviel man braucht und was man verträgt.“ Denn oft fühle man durch die Anstrengung keinen Hunger, oder der Magen kann das Essen nicht unten behalten.

Seine Familie macht mit

Das Bodanrück, die Schwäbische Alb oder im Sommer der Alpstein in der Schweiz dienen dem Konstanzer als nahe Trainingsorte. „Es muss aber immer mit der Familie vereinbar bleiben“, betont der zweifache Vater. So oft es geht, begleitet den Konstanzer seine Frau beim Trainingslauf. Und auch die Wettbewerbe plant das Paar als Familienwochenende in den Bergen.

Über Gleichgesinnte, mit denen er ab und zu gemeinsam laufen könnte, würde sich Dominik Schutzbach freuen. Auch um Fernwanderwege am See oder auf der Schwäbischen Alb zu erkunden.