Die häusliche Isolation stellt uns alle vor Herausforderungen. Familien müssen ihren Alltag neu organisieren, Paare verbringen mehr Zeit miteinander, als ihnen unter Umständen lieb ist, und Singles – ja, was machen eigentlich Singles? Vor allem dann, wenn sie gar nicht allein sein wollen?

Wer in Zeiten von Pandemie und Kontaktverbot einen Partner sucht, hat es nicht leicht – wenn alle Bars, in denen man seiner Traumfrau begegnen könnte, geschlossen sind, und der Traummann im Supermarkt unter seinem Mundschutz nur zu erahnen ist. Was bleibt, ist das Netz. Kein Wunder also, dass Dating-Apps und Online-Portale derzeit noch gefragter sind, als ohnehin schon seit Jahren. Aber auch klassische Partnervermittlungen verbuchen momentan stärkeren Zulauf. Grund genug, bei Singles und Vermittlern einmal nachzuhaken: Wie geht eigentlich Dating in Zeiten von Corona?

Dating in Zeiten von Corona

„Ich habe mich eigentlich eher aus Langeweile bei Tinder angemeldet“, erzählt Jasmin*. „Auf Partnersuche war ich vor Corona nicht.“ Stattdessen habe die Konstanzerin bei der Dating-App nach einem Zeitvertreib gesucht. „Ein Mann, mit dem ich hin und her geschrieben habe, war mir gleich sympathisch, unser erstes Date lief dann über Skype.“ Nach dem virtuellen Gespräch über die Online-Plattform verabredeten sich die beiden erneut und trafen sich diesmal in einem Park. „Allerdings auf Abstand – was auch schon wieder lustig war, denn wir haben uns noch nicht einmal zur Begrüßung umarmt.“

Ob aus der Bekanntschaft mehr wird, weiß Jasmin noch nicht. Nichts desto trotz sieht sie im virtuellen Dating über Plattformen für Videotelefonie wie Skype auch Vorteile. „Dass man jemanden erstmal per Videochat trifft, finde ich gar nicht so schlecht. Da kann man sich eben doch nochmal einen besseren Eindruck machen, als nur beim Schreiben.“ Und Jasmin sieht noch einen anderen Aspekt: „Ich könnte mir auch vorstellen, dass sich einige Mädels sicherer fühlen, wenn sie sich mit ihrem Blind Date erstmal über den Bildschirm unterhalten, als sich gleich mit einem Fremden zu treffen.“

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Über die Dating-App Tinder können Nutzer andere Singles in ihrer Umgebung kennen lernen. Gefällt einem Nutzer ein Profil, wischt er über den Smartphone-Bildschirm nach rechts, wenn nicht, nach links. Wischen beide Personen gegenseitig nach rechts, haben sie ein „Match“ und können miteinander in Kontakt treten. Auf Tinder verabreden sich Menschen sowohl zu Dates als auch zu unverbindlichem Sex. Ja, und das auch in Zeiten von Corona, weiß Anna*.

Sie ist erst seit kurzem wieder Single, hat aber beim Online-Dating schon zuvor Erfahrungen gesammelt – gute wie schlechte. „Klar gibt es auch jetzt einige Männer, die nur schnellen Sex wollen, aber insgesamt habe ich das Gefühl, dass sich jetzt auch Leute dort angemeldet haben, die sonst nicht auf Tinder wären und wirklich eine Beziehung suchen“, erzählt Anna. “Lustigerweise habe ich aber gerade in den letzten Wochen sehr nette Männer bei Tinder kennengelernt.“ Mit drei von ihnen hat sich Anna in den vergangenen Wochen getroffen. Immer an der frischen Luft und immer auf Abstand, Angst, sich mit dem Coronavirus anzustecken, hat sie nicht. Dafür fühlt sich die Kreuzlingerin bei der Partnersuche momentan von etwas anderem eingeschränkt: der Grenze. „Mir werden immer wieder Singles aus Konstanz angezeigt, mit denen ich mich im Moment natürlich nicht treffen kann“, sagt die Schweizerin.

Partnersuche bei Kontaktbeschränkungen

Nicht gleich zu Beginn der Kontaktbeschränkungen aber spätestens seit einer guten Woche, zähle auch Maria Klein mehr Anfragen. „Jetzt kommt der Wunsch nach einer Beziehung wieder auf“, berichtet die Partnervermittlerin mit Sitz in Kreuzlingen. „Viele haben gemerkt, wie schlimm es eigentlich ist, in Phasen wie dieser, allein zu sein.“ Nur: „Auf den Zufall hoffen, geht jetzt nicht mehr.“ Maria Klein legt Profile ihrer Kunden an, die sie wiederum anderen Kunden anonym vorschlägt. Bei gegenseitigem Einverständnis werden Kontaktdaten ausgetauscht. Und dann kommen auch hier momentan vor allem Online-Plattformen oder Messenger-Dienste zum Einsatz.

Ob es da überhaupt funken kann? Warum nicht – gemütlich von zu Hause aus über Skype oder WhatsApp zu kommunizieren, empfänden einige ihrer Kunden sogar besonders intensiv, berichtet die Partnervermittlerin. Aber auch die Offline-Treffen auf Abstand hätten ihren eigenen Charme: „Das hat eine Nähe aber auch eine Distanz.“

Online den passenden Partner finden

Auch die Online-Partnervermittlung Parship nimmt derzeit einen Nutzeranstieg wahr: „Wir sehen tatsächlich einen positiven Trend in der Plattform- und Kommunikationsaktivität unserer Mitglieder, etwa seit Inkrafttreten der erweiterten Kontaktbeschränkungen in Deutschland. Wir haben zudem auch einen Anstieg der Neuregistrierungen festgestellt“, berichtet Parships Senior PR Managerin Jana Bogatz. „Wir gehen davon aus, dass Singles unseren Service jetzt verstärkt nutzen, weil das Kennenlernen offline nur noch schwer möglich ist – aber auch, weil die aktuelle Krise noch mehr Bewusstsein für den Wert einer langfristigen und glücklichen Partnerschaft schafft.“

Um Singles in Zeiten von Social Distancing das Kennenlernen zu erleichtern, stellt Parship seinen Mitgliedern seit kurzem die Funktion „Video-Date“ zur Verfügung. Hier können sich Singles ohne den Austausch persönlicher Kontaktdaten virtuell sehen. Vor gut zwei Wochen ist das Feature gestartet. Statistiken zur Nutzung kann Parship zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorlegen. „Eine schöne erste Zahl können wir jedoch nennen, nämlich die, dass die zwei längsten bisher stattgefundenen Video-Dates über acht bzw. fünf Stunden gedauert haben“, berichtet Bogatz.

Böse Überraschung

Kann das virtuelle Date also ein erstes Treffen ersetzen? Vernünftig wäre es in Zeiten einer Pandemie sicher. In jedem Fall empfiehlt sich aber der Versuch, jemanden erstmal nur virtuell kennenzulernen, weiß Isabelle*. Sie hatte sich kurz vor Schließung der Gastronomiebetriebe über Tinder in einer Bar zu einem Date verabredet. „Die Überraschung kam dann drei Tage später“, erzählt die Konstanzerin.

Ihr Date informierte sie, dass er sie möglicherweise mit dem Coronavirus infiziert haben könnte. So lange er selbst auf die Testergebnisse wartete, begab sich Isabelle freiwillig in Quarantäne. „Der Test war zwar am Ende negativ, bis dahin saß ich aber natürlich zu Hause,“ erzählt sie. „Man sollte sich also schon sehr genau überlegen, ob man sich mit jemand fremden trifft und das Risiko einer Ansteckung eingeht.“

*Name von der Redaktion geändert