Noch immer steht er morgens um fünf Uhr auf. Michael Breuninger, 31 Jahre Inhaber des „Café Marktstätte“ kann es noch nicht lassen. Na gut, früher musste er vielleicht eine halbe Stunde eher aus den Federn. Aber seiner inneren Uhr macht nicht mal der „Micha“ so leicht was vor.
Dort, wo in diesen Tagen der x-te Konstanzer Drogeriemarkt eröffnet, haben er und seine Familie, seine Frau Sandra, die (inzwischen großen) Kinder Marcel und Sandrina, einen großen Teil ihres Lebens verbracht. Das Café war nicht, was man heutzutage neudeutsch als „Place-to-be“ bezeichnet. Eher, was die Älteren gerne als „Institution“ bezeichnen. So oder so: Das Café war fast die ganzen Jahre sehr erfolgreich. Genau wie sein Glühweinstand auf der Marktstätte, den er ebenfalls seit Jahrzehnten betreibt und auch in diesem Jahr wieder öffnet. Für den Erfolg haben Michael und Sandra Breuninger, oft gemeinsam mit ihren Kindern, und ihrem Team sechs (oft auch sieben) Tage in der Woche hart gearbeitet. Daran kann keiner zweifeln, der die Familie auch nur ein bisschen kennt.

Vom Café bis zum Weihnachtsmarkt

Und jetzt, pünktlich zur Eröffnung des Weihnachtsmarkts und der Drogerie an seiner alten Wirkungsstätte, bringt Breuninger auch noch ein Buch über seine Erlebnisse heraus. „Zweite links“ lautet der Titel – wer dessen Sinn kennen will, sollte das Buch lesen. Die Auflösung gibt‘s in der Einleitung. Er sei oft zum Schreiben ermutigt worden, hebt er entschuldigend die Hände. Das ist sicher wahr, aber der „Breuninger“ war und ist, im Café wie an seinem Glühweinstand auf dem Weihnachtsmarkt, Gastgeber mit Leib und Seele. Einer der gern zuhört, aber eben auch gern erzählt. Ein „staatlich geprüfter Schwadroneur“, wie ihn der Autor dieser Zeilen gerne nennt. Aber eben einer im besten Sinne des Wortes. Ein Mann mit einem Herzen von der Größe des Münsters, das er auch noch auf der Zunge trägt. Muss das schwer sein. Der arme Kerl.
Aber so liest sich auch sein Buch. Wer Breuninger kennt, hört ihn beim Lesen reden. Es ist teilweise Biographie, teilweise Seelenhygiene. Es finden sich viele Anekdoten rund um die Markstätte,
aber auch die ein oder andere Abrechnung, etwa mit Stadtsherrifs und Neidern. Letztere kann er so gar nicht
ab. Breuninger hat hart gearbeitet und Erfolg gehabt. „Dafür bin ich dankbar“, sagt er, „aber ich entschuldige
mich auch nicht dafür.“

Das könnte Sie auch interessieren.


Die Namen vieler Personen sind nicht ausgeschrieben. „Das haben mir meine Lektorin und mein Anwalt verboten“, grummelt er ein bisschen. „Ich wollte doch keinen Pilcher schreiben“, steht deshalb in seinem Vorwort. Aber: Würze hat das Buch auch so. Breuninger macht seinem Ärger Luft. Unverblümt – aber nie verbittert. So wie er ist. Einer, mit dem man auch mal streiten kann, aber immer im Guten auseinandergeht. Weil es immer um die Sache geht und nie persönlich wird.

Konstanz pur

Sein Buch ist Konstanz pur. Breuninger schreibt über seine Sicht der Dinge. Kein Profi, kein Ghostwriter am Werk. Aber gerade das macht höllischen Spaß! Hier schreibt „der Micha“ – sympathisch, direkt und voller Herzenswärme. Der größte Teil des Buches ist nämlich – man konnte es erahnen: eine Liebeserklärung. An seine Familie, sein Team und seine Stammgäste, an diese Stadt. Michael Breuninger hat ein emotionales,
sehr persönliches Buch vorgelegt. Er hat sein Inneres nach außen gekehrt oder, wie man so schön sagt,
sein Herz geöffnet. Wer so etwas tut, macht sich angreifbar. Das sollten auch diejenigen bedenken, die sich darin erkennen und vielleicht nicht ganz so gut wegkommen. Und sie sollten sich, bevor sie empört zu schimpfen beginnen, fragen, ob sie sich das auch getraut hätten.
Das Buch lässt einen durch Breuningers Augen sehen. Und es beschreibt den Autor perfekt: Einen, der ein bisschen aus der Zeit gefallen scheint. Bescheiden – aber selbstbewusst und stolz, wertkonservativ bis auf die Knochen – aber immer offen für Neues. Über solche Typen (genau wie über solche Bücher) kann man sich auch mal aufregen. Sie sind aber viel zu selten geworden. Gut gemacht, Micha!