Erstmals seit zehn Jahren sind die in einem Kalenderjahr registrierten Straftaten unter 30.000 Delikte (28.938) gesunken. Auch die Aufklärungsquote legte gegenüber dem Vorjahr nochmals zu und liegt nun mit 67,7 Prozent ebenfalls auf einem Höchstwert. Das Polizeipräsidium Konstanz umfasst die Landkreise Konstanz, Tuttlingen, Rottweil und den Schwarzwald-Baar-Kreis.

Polizeipräsident Hubert Wörner, der seit Februar das Spitzenamt des Polizeipräsidiums übernommen hat, zeigt sich laut einer Pressemitteilung zufrieden mit dem Ergebnis, welches er vor allem auf die Leistung und herausragende Arbeit seiner Polizistinnen und Polizisten des Präsidiums zurückführen kann. „Gerade durch die zusätzlichen Belastungen der Corona-Pandemie, in der viele zusätzliche Einsätze bei Überwachungsmaßnahmen und Montagsdemonstrationen anfielen, kann sich dieses Ergebnis besonders sehen lassen“, resümiert Hubert Wörner bei der Veröffentlichung der polizeilichen Kriminalstatistik 2021.

Historischer Tiefstwert

Die jetzt veröffentlichten Zahlen geben ihm Recht: Waren vor fünf Jahren die vier Landkreise noch mit 4.272 Straftaten pro 100.000 Einwohner belastet, so ging die Zahl 2021 auf einen historischen Tiefstwert von 3.702 zurück.

Doch nicht nur in der Gesamtzahl der Straftaten in einer Jahresbilanz zeigt sich der Erfolg, sondern auch in den einzelnen Deliktsbereichen. Die Diebstahlskriminalität samt der Wohnungseinbruchskriminalität reduzierte sich auf die tiefsten Werte der letzten zehn Jahre. Gerade Wohnungseinbrüche, die besonders den persönlichen Lebensbereich tangieren, sanken um fast die Hälfte auf 117 Straftaten. Im Vorjahr waren es noch 222.

Mehr Sexualdelikte

Erfreulich ist für den Leiter des Präsidiums die Tatsache, dass auch die Gewaltkriminalität von 974 Fällen auf 833 Straftaten gesunken ist, betrifft sie doch das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung erheblich. Gestiegen sind dagegen die Sexualdelikte von 590 auf 865 Fälle. Das sind fast 50 Prozent mehr Straftaten, die von den Beamtinnen und Beamten im vergangenen Jahr bearbeitet wurden, als noch im Vorjahr. Wie im ganzen Land stiegen die Zahlen hauptsächlich bei der Verbreitung pornographischer Inhalte und einer Zunahme sexueller Belästigung. Grund hierfür ist eine erhöhte Bereitschaft zur Anzeige vieler Betroffener und eine explizit eingerichtete Ermittlungsgruppe der Kriminalpolizei, die das wachsende Hinweisaufkommen des „National Center for Missing & Exploited Children“ (NCMEC) aufgearbeitet hat.

Häusliche Gewalt

„Wir sind hier auf einem guten Weg, ein großes Dunkelfeld aufzuhellen und Täter in die Schranken zu weisen“, so Wörner, der als erfahrener Kriminalist die Bekämpfung derartiger Delikte bestens kennt. Abgenommen haben wiederum Aggressionsdelikte, zu denen auch Körperverletzungen und Raubdelikte im öffentlichen Raum zählen von 1.350 auf 1.160 Straftaten. Trotz Corona und deren Auswirkungen auf die Familien und Haushalte gingen auch die Fälle von häuslicher Gewalt zurück. „Wir sind uns sicher, dass auch hier seit Jahren ein großes Dunkelfeld vorhanden ist. Wir haben aus diesem Grund eine Koordinierungsstelle eingerichtet, die Handlungsfelder aufzeigen soll“, so Wörner weiter.

Gefälschte Impfpässe

Delikte, die es vor der Corona-Pandemie nicht gab, sind gefälschte Impfausweise. Präsidiumsweit sind 277 Fälle bearbeitet worden, die als Urkundenfälschung in der Statistik ausgewiesen sind. Mehr als die Hälfte davon sind bei der Polizei in Konstanz bearbeitet worden.

277 Fälle von Urkundenfälschung im Zusammenhang mit Impfpässen registrierte die Polizei 2021.
277 Fälle von Urkundenfälschung im Zusammenhang mit Impfpässen registrierte die Polizei 2021. Bild: Thomas Siepmann - Fotolia

Falsche Enkel und Polizisten

Im Phänomenbereich Callcenter-Betrug gibt es weiterhin hohe Fallzahlen (2021: 978 Fälle/2020: 891 Fälle). Hierzu zählt insbesondere der verbreitete Enkeltrick oder auch der falsche Polizeibeamte. In 12 Fällen im letzten Jahr waren die Ganoven, die es vornehmlich auf ältere Mitbürger abgesehen haben, erfolgreich. Sie erbeuten insgesamt 880.000 Euro, also über 200.000 Euro mehr als im Vorjahr. Zudem wurden der Polizei fast 1.300 Anrufe wegen solchen Fällen gemeldet und protokolliert. Die Versuchsquote liegt dank der hohen Aufklärungsarbeit in den Medien und durchgeführten Präventionsmaßnahmen bei ca. 96 Prozent der Fälle.

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Die Straftaten im Landkreis Konstanz

Hass und Hetze

Straftaten mit extremistischem Hintergrund sind im vergangenen Jahr nahezu unverändert geblieben. 55 Fälle, in denen Hass und Hetze eine tragende Rolle spielten, sind bearbeitet und angezeigt worden. Davon 26 Fälle mit volksverhetzende Äußerungen, 17 Fälle mit Beleidigungen sowie 6 Fälle mit sogenannten Propagandadelikten

Unter den Delikten waren auch Verunglimpfung von Kandidaten für öffentliche Ämter und politische Mandatsträger. Der regionale Schwerpunkt lag mit 30 Fällen im Landkreis Konstanz