Schon gehört, dass das Weinglöckle wieder aufmacht? Ja, dieses Gerücht macht derzeit in Konstanz die Runde. Das Beste: Es stimmt! Schon Anfang des Jahres hatte der aktuelle Pächter Joachim Gretzmeier bestätigt, die Weinstube in der Niederburg nur noch als Eventlokal zu vermieten. Den bestehenden Pachtvertrag wollte er im April 2023 auslaufen lassen. Die Zukunft des Weinglöckles war daraufhin unklar. Nun hat sich mit Patrick Schreibmüller ein neuer Pächter gefunden, der das Lokal bereits diesen November übernimmt. Wer ist der junge Wirt? Und was hat er mit dem Weinglöckle vor? Wir haben nachgefragt.

Wer an den vergangenen Gassenfreitagen sein Schorle im Weinglöckle bestellt hat, kennt ihn vielleicht schon. Denn seit Patrick Schreibmüller den Zuschlag für das Lokal bekam, stand er an den Veranstaltungstagen im Juni, Juli und August schon hinter der Theke. Kennen könnte man den frisch gebackenen Gastronom aber auch aus dem Salzbüchsle. 13 Jahre lang hat er hier nebenberuflich gearbeitet. „Das war für mich ein Ausgleich“, erzählt der gelernte Erzieher, der in der Kinder- und Jugendhilfe gearbeitet hat. „In der Gastro hatte ich Erwachsene um mich rum.“

Ein Konstanzer hinter der Theke in der Weinstube

Einen weiteren Ausgleich fand Schreibmüller in der Fasnacht, beim Fanzarenzug der Frichtle – auch daher wird er dem einen oder anderen bekannt vorkommen. Er ist eben ein Konstanzer. Und all das – der Nebenjob in der Konstanzer Kultkneipe, die Treffen mit dem Fanfarenzug – hat lange zu seinem Alltag gehört. Dann kam Corona. Und Patrick Schreibmüller hatte plötzlich viel Zeit. Auch zum Nachdenken. „Ich habe es genossen“, sagt er. Aber auch „diese Auszeit genutzt, um aus meinen alten Strukturen auszubrechen.“

Patrick Schreibmüller will das „Glöckle“, wie er das Lokal gerne nennt, wieder mit Leben füllen.
Patrick Schreibmüller will das „Glöckle“, wie er das Lokal gerne nennt, wieder mit Leben füllen. Bild: Sarah Steen

In der vergangenen Wintersaison war Schreibmüller vier Monate in Ischgl, hat im Service eines Restaurants gearbeitet. Und dabei die Gastro noch einmal von einer anderen Seite kennengelernt: Vollzeit statt Nebenjob. Irgendwann kam die Frage auf: „Was mach ich eigentlich nach Ischgl?“, erzählt er. Im Südkurier sei er dann auf den Bericht über Joachim Gretzmeier gestolpert, in dem der Weinglöckle-Pächter angekündigte, seinen Vertrag auslaufen zu lassen. „Das war die Chance und ich dachte: Wenn nicht jetzt, wann dann?“, so Schreibmüller. Er nahm Kontakt mit den Eigentümern auf, erstellte einen Businessplan und legte ein Konzept für die Zukunft des „Glöckles“, wie Schreibmüller sein Lokal gerne nennt, vor. „Die Eigentümer fanden gut, dass ich Konstanzer bin“, sagt er, „und dass ich frischen Wind reinbringen will.“ Man habe sich schnell geeinigt, auch mit Pächter Joachim Gretzmeier, der nun schon früher als geplant aus seinem Vertrag aussteigt.

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Neuer Pächter bringt frischen Wind ins Weinglöckle

Und nun? Nun steht Patrick Schreibmüller vor der Aufgabe, seine Ideen für das „Glöckle“ zu verwirklichen. Welche das sind? „Ich will für die Konstanzer einen Ort schaffen, wo man sich treffen kann“, sagt er. Und zwar alle. Denn wichtig sei dem jungen Wirt auch, „die Kombination von jung und alt zu schaffen“, sagt er. „Ich glaube, die Mischung macht‘s aus.“ Nicht nur was die Gäste angeht. Das Weinglöckle soll seinen urig-gemütlichen Charakter behalten. Gleichzeitig will Patrick Schreibmüller moderne Akzente setzen – auch auf der Karte. Er spricht nicht von einer Wein-, sondern lieber von einer Wein- und Bierstube. In Zukunft sollen zudem beliebte Getränke wie Aperol Spritz oder Gin Tonic das Angebot ergänzen. Außerdem in der Planung: „Kleine Vespervariationen, die zum Flair passen.“ Wurstsalat zum Beispiel. „Ich denke, es ist wichtig zu zeigen, dass ein Wechsel stattfindet“, so Schreibmüller, „aber der Charakter soll bleiben“.

Urig und gemütlich soll das Weinglöckle bleiben. Der neue Pächter möchte aber auch moderne Akzente setzen.
Urig und gemütlich soll das Weinglöckle bleiben. Der neue Pächter möchte aber auch moderne Akzente setzen. Bild: Sarah Steen

Große Eröffnung feiert das neue Weinglöckle am Freitag, 11. November 2022, um 11.11 Uhr – wie sollte es bei einem Fasnachter auch anders sein. Bis dahin hat der junge Wirt noch einiges zu tun, freut sich aber schon sichtlich auf den Start: „Das ist ein Lebenstraum, den ich mir immer schon verwirklichen wollte“, sagt Schreibmüller. Und hat vielleicht mit dem Lokal in der Niederburg genau das Richtige gefunden. Fasnacht, Gassenfreitag, Konstanzer Weinstube: „Das Weinglöckle ist genau meins“, sagt er.