Ein bisschen wild ist und war sein Leben schon, vor allem die Zeit in der ehemaligen DDR. „Ich habe sehr viel erlebt und das hat mir auch als Filmschauspieler geholfen, es hat mich geprägt“, sagt Tim Wilde. Egal, welche Rolle er spielt, Tim Wilde verkörpert den Mensch, der dahinter steckt extrem authentisch – egal ob als reitender Bösewicht im Wilden Westen von Michael „Bully“ Herbigs „Der Schuh des Manitu“, als Vorgesetzter von Til Schweiger im legendären Hamburg Tatort rund um den Kiezkrieg oder zuletzt als Hauptkommissar Paul Schott an der Seite von Floriane Daniel als Revierleiterin Nele Fehrenbach in der sehr erfolgreichen Serie um die Wasserschutzpolizei auf dem Bodensee.

Tim Wilde mit seiner Kollegin Wendy Güntensperger unterwegs auf dem Bodensee.
Tim Wilde mit seiner Kollegin Wendy Güntensperger unterwegs auf dem Bodensee. Bild: Copyright ARD/Laurent Trümper

„Paul Schott ist ein markanter Typ, das ist ein Glücksfall für mich als Schauspieler: Emotionen zeigen, nicht immer der korrekte Cop sein. Paul ist hier Mensch“, schwärmt Tim Wilde und bezeichnet die WaPo Bodensee als Glücksfall. „Ich bin in ein tolles Team gekommen.“ Seit 2016 ist er jetzt dabei – und er hat inzwischen seine Liebe zum „Schwäbischen Meer“ und den Menschen darum entdeckt. Weitab von der Hektik Berlins fühlt er sich seit geraumer Zeit auch in Donaueschingen und der herrlichen Gegend am Rande des Schwarzwalds sehr wohl. „Ich war vom ersten Tag an von der Mentalität der Menschen hier begeistert“, betont der Filmschauspieler. „Sie sind nett, höflich und offen – und ich werde hier als einer von ihnen wahrgenommen.“

In Donaueschingen hält sich Tim Wilde fit für den neuen Dreh.
In Donaueschingen hält sich Tim Wilde fit für den neuen Dreh. Bild: Copyright ARD/Laurent Trümper

Den Akku aufladen heißt für Tim Wilde fit und beweglich sein und bleiben: Er joggt viel, trainiert im Donaueschinger Rückgrat unter fachmännischer Anleitung seine Muskeln und die Beweglichkeit und hat seine Begeisterung für das Tennis entdeckt. In der benachbarten Kur- und Bäderstadt Bad Dürrheim möchte er Menschen zum Eisbaden motivieren – das härtet ab, erklärt Tim Wilde. „Ich fühle mich hier sehr wohl“, schmunzelt der Wahlberliner und lässt es sich richtig gut gehen.

Sein wildes Leben davor

Der kleine Tim ist in Stralsund geboren, aufgewachsen, ging dort zur Schule und machte danach eine Ausbildung zum Heizungsmonteur. Nach einem weniger erfolgreichen Gastspiel bei der damaligen Nationalen Volksarmee, eigentlich wollte er Kampfschwimmer werden, musste sich der gebürtige Stralsunder mit der Ausbildung zum Marinetaucher begnügen. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch, „man hat meine Taucherausrüstung, die ich im Sand am Strand verbuddelt hatte, entdeckt“, landete Tim Wilde, wie er selbst sagt, im Stasi-Knast. Ein Vorgesetzter meinte es gut mit ihm und so wurde er, physisch und psychisch unbeschadet, als Matrose aus der NVA entlassen.

Das Team: Tim Wilde (links), Floriane Daniel, Wendy Güntensperger und Max König.
Das Team: Tim Wilde (links), Floriane Daniel, Wendy Güntensperger und Max König. Bild: Copyright ARD/Laurent Trümper

1987 kam der wilde Tim nach Berlin, schlug sich mit Gelegenheitsjobs durchs Leben und durfte im Sommer 1989 nach dem Prager Frühling und noch vor dem Fall der Mauer am 9. November 1989 in den Westen ausreisen. „Ich stand mit nichts im Auffanglager in Gießen“, erinnert sich Tim Wilde. Später arbeitete er in einem Altenheim in Frankfurt. Zu Besuch bei einem Kumpel in Hamburg, hörte er im Radio, dass die Mauer endgültig gefallen ist und machte sich sofort auf nach Berlin.

„Jetzt wollte ich endlich einmal etwas vernünftiges in meinem Leben machen und habe mich nach reiflicher Überlegung auf der Schauspielschule beworben“, erzählt Tim Wilde. Aus Altersgründen wurde er aber abgelehnt. Was tun? Der Schock währte nur kurz. „Ich habe mich drei Jahre jünger gemacht und dann klappte es“, und wieder einmal siegte der wilde Tim.

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Nach einer Ausbildung an der Fritz-Kirchhoff-Schule in Berlin war er mit 30 Jahren Schauspieler – allerdings noch ohne Job. Er spielte kleinere Rollen am Theater und machte Werbespots bei NTV – nach einem Dreh als Broker für eine Bank kam endlich der ersehnte Durchbruch. „Die Anfragen häuften sich“, so Tim Wilde, der danach immer bekannter wurde.

Ganz neue Herausforderung

Auf die Dreharbeiten zur neunten Staffel von WaPo Bodensee, die im März 2022 starten, freut sich der Filmschauspieler ganz besonders. Produzentin Kerstin Lipownik von Saxonia Media rückt das Leben von Paul Schott, dessen Rolle Tim Wilde auf den Leib geschneidert ist, für vier Folgen in den Vordergrund. „Das ist eine Auszeichnung für jeden Schauspieler“, freut sich der fast gezähmte Tim riesig. Dabei kann er sich als Wasserschutzpolizist mit Ecken und Kanten einmal so richtig austoben.