Schokolade war gestern! Wer heute einen Adventskalender kauft, freut sich im Dezember über 24 Gewürze, Müslisorten, Kosmetik oder Angelzubehör. Um nur ein paar Beispiele zu nennen. Denn mittlerweile bietet der Markt für beinahe jeden Geschmack den passenden Kalender. Noch persönlicher wird es nur mit der selbst gebastelten oder befüllten Variante.

Da steckt viel Liebe drin: Ein selbst gemachter Adventskalender ist am schönsten.
Da steckt viel Liebe drin: Ein selbst gemachter Adventskalender ist am schönsten. Bild: Switlana Symonenko - stock.adobe.com

Auch hier haben Versand- und Einzelhandel längst das Potenzial erkannt und bieten für fleißige Bastler, die ihren Lieben eine Freude machen möchten, umfangreiches Zubehör an. Ob gekauft, selbst gebastelt oder selbst befüllt: Preislich sind dem perfekten Adventskalender heute scheinbar kaum noch Grenzen gesetzt. Dabei hat diese lieb gewonnene und relativ junge Tradition einmal ganz bescheiden angefangen.

Jeden Tag ein Strohhalm für eine gute Tat

Die Geschichte des Adventskalenders beginnt Mitte des 19. Jahrhunderts. Um ihren Kindern die Wartezeit auf das Weihnachtsfest zu versüßen ließen sich die Eltern schon damals einiges einfallen. So wurde etwa täglich ein neues Bild mit weihnachtlichem Motiv aufgehängt oder gleich 24 Striche mit Kreide an Wand oder Tür gemalt, von denen die Kinder jeden Tag einen wegwischen durften. Und in katholischen Familien bekamen die Kinder mitunter jeden Tag für eine gute Tat einen Strohhalm, den sie in die Krippe legen durften um das Christkind gemütlich zu betten.

1902 erschien bei einer Evangelischen Buchhandlung in Hamburg die erste „Weihnachtsuhr für Kinder“. Allerdings nur mit zwölf Feldern, auf denen die Ziffern 13 bis 24 abgebildet waren. Erst einige Jahre später erschienen Weihnachtsuhren mit 24 Ziffern. Der erste gedruckte Adventskalender mit 24 Feldern kam 1908 auf dem Markt. Der Münchner Verleger Gerhard Lang brachte den „Weihnachtskalender – Im Lande des Christkinds“ in Form von zwei bedruckten Bögen heraus. Ein Bogen beinhaltete 24 kleine Bildchen zum Ausschneiden, der andere 24 Felder zum Aufkleben. Ab den 1920er-Jahren erschienen dann vermehrt Kalender mit Türen oder Fenstern zum Öffnen.

Adventskalender während des Nationalsozialismus

Mit dem Nationalsozialismus wurden christliche Bräuche zunehmend verdrängt. Während des zweiten Weltkriegs wurde schließlich Papier kontingentiert und die Herstellung von Adventskalendern eingestellt. Die NSDAP veröffentlichte stattdessen den Kalender „Vorweihnachten“ mit Liedern, Geschichten und Backanleitungen. Nach dem Krieg wurden wieder Kalender mit den ursprünglichen, weihnachtlichen Motiven gedruckt.

Ende der 1950er-Jahre kam dann der Schokoladen-Adventskalender auf den Markt. Vom Weihnachtsmann bis zum Fußballverein schmücken ihn heute unzählige verschiedene Motive. Von Kreidestrichen an der Wand zu bunt befüllten Jutesäckchen, hat sich der Adventskalender seit seinen Anfängen ganz schön verändert. Auch wenn die Idee dahinter, noch immer dieselbe ist, wie damals: den Kindern das Warten auf das lang ersehnte Fest zu verkürzen. Wobei das heute auch für große Kinder gilt. Denn längst ist die Tradition auch für viele Erwachsene fester Bestandteil der Vorweihnachtszeit. So beschenken sich beispielsweise Paare gegenseitig. Kein Wunder, dass sich hinter den 24 Türchen neben Schokolade auch praktische Dinge, Rätsel oder Sexspielzeug verbirgt.

Adventskalender für karitative Zwecke

Aber auch für karitative Zwecke kommen Adventskalender heute zum Einsatz. So unterstützt etwa der Lions-Club Konstanz mit dem Verkauf seiner Benefiz-Kalender verschiedene soziale und kulturelle Projekte und Einrichtungen.