Wir treffen uns in der Ratsstube der Giraffen im Wollmatinger Rathaus. Präsident Krischa Malow und Betriebsleiter Sebastian „Sebi“ Späth sind schon da. Und es geht gleich ans Eingemachte. Was machen der Wollmatinger Narrenverein zur zweiten Fasnacht in Pandemiezeiten?

Die ehrliche Antwort: „Wir müssen unsere Kosten decken“, sagt Krischa Malow und spricht unumwunden aus, was viele Vereine derzeit umtreibt. Bis Mitte Dezember sei man noch von Bunten Abenden ausgegangen. Die wohl größte Einnahmequelle der Langhälse fällt damit eine zweite Saison flach. Auch das Geld, das beim Dorffest und beim alljährlichen Fußballturnier verdient wurde – seit Corona alles futsch!

Bild: Pilz, Dieter
„Wir müssen die Kosten decken.“
Präsident Krischa Malow

Dagegen stehen Ausgaben wie die Mieten und Nebenkosten und allerlei, was während der Vereinsarbeit eben so anfällt. Bisher schaffen das die Giraffen nach eigener Aussage ganz gut. Aber ewig eben auch nicht. Dieses Schicksal haben sie nicht exklusiv. Sie teilen es mit Vereinen Land auf Land ab. Das wissen sie auch. Trotzdem täte etwas Geld in der Kasse mal wieder gut.

Das könnte Sie auch interessieren.

Mal wieder ein Zeichen setzen

Viel wichtiger ist den Wollmatinger Narren aber ein Zeichen gegen Corona zu setzen. „Wir wollen mal wieder was „Fasnachtliches“ machen“, sagt Betriebsleiter Sebi Späth und Malow ergänzt: „Wir wollen nicht dauernd über Corona jammern und nebenbei von der Landkarte verschwinden.“

Schließlich sei man bis kurz vor der Pandemie gerade im Nachwuchs gut aufgestellt gewesen. „Wir hatten auf der Bühne neue, junge und vor allem viele weibliche Talente integriert“, sagt Malow. Er freut sich, dass sich im Verein auch wieder vermehrt Frauen engagieren. Der 13er-Rat war bis vor Kurzem so männlich wie das Kardinalskollegium. Bis heute halten sich in Wollmatingen Gerüchte, dass überm Wollmatinger Rathaus weißer Rauch aufgestiegen ist, wenn dort ein neuer Präsident gewählt wurde. „Habemus Präsi.“ Kleiner Scherz des Autors.

Aber auch im 13er-Rat sitzt mit Lucia Fürnohr nun endlich auch eine junge Frau. „Darüber freuen wir uns wirklich sehr“, sagt Späth. Beide gehen davon aus, dass der Giraffen-Rat in den nächsten Jahren deutlich weiblicher wird. „Zumindest hoffen wir das“, so Malow.

Ein Magazin soll her

Nach der Absage der Bunten Abende kam Ratsmitglied Carsten Bohn auf die Idee, eine Fasnachtszeitung zu machen. „Wir wollen den Wollmatingern und ihren Sympathisanten die Fasnacht wenigstens nach Hause bringen.“, sagt Malow. Was genau an Fasnacht – wenigstens auf der Gass möglich ist, weiß keiner. Aber die Zeitung würde bleiben.

Das Cover des neuen Fasnachtsmagazins „National Giraffic“.
Das Cover des neuen Fasnachtsmagazins „National Giraffic“. Bild: Giraffen AG

Tatsächlich wird es wohl eher eine Art Magazin. „National Giraffic“ wird es heißen und um die 30 Seiten stark sein. Verwechslung mit einem weltbekannten und bald 150 Jahre alten Natur- und Geschichtsmagazin sind da rein zufällig. „Aber natürlich unvermeidbar – was können wir dafür, wenn das Blättle aus Amerika so heißt“, so der Ober-Giraffe Malow. Er muss es wissen. Er ist ja schließlich der Präsident.

Die Titelgeschichte schreibt niemand geringerer als der stadtbekannte Historiker, Stadtführer und Wollmatingen-Chronist Daniel Groß, der einen nicht ganz ernst gemeinten Blick auf die „Wiege der Wollmatinger Fasnacht“ werfen wird, bei der, wir ahnen es, die Giraffe das erste Tier zwischen Fürstenberg und Hafner gewesen sein dürfte. Generell soll ein Blick in die Vergangenheit geworfen werden. In die „gute alte Zeit.“ Geschichte(n) aus der Rössle-Bar und Vieles mehr. Dazu gibt‘s einen Blick hinter die Kulissen der Häsmacher. Außerdem wird Giraffen-Rat und „Maitre de Cuisine“ Carsten „Lemmi“ Bohn noch ein paar Rezepte für Fasnachtsklassiker beisteuern, dass auch zuhause echtes Fasnachtsfeeling aufkommt. Und wo wir gerade beim Kochen sind: Natürlich gibt es Neues und wohl zum Teil interessant Duftendes aus der „Wollmatinger Gerüchteküche“. „Außerdem hoffen wir noch auf ein paar Beiträge der anderen Wollmatinger Fasnachtsvereine“, sagt Krischa Malow. „Es wäre schön, wenn wir zeigen könnten wie breit die Fasnacht auf dem „Dorf“ heute aufgestellt ist.“

Bild: Pilz, Dieter
„Wir sind gerührt, wie viele da mitmachen“
Sebi Späth

Um Unterstützung haben die Wollmatinger Narren vornehmlich die Sponsoren gebeten, die sonst auch im Programmheft inserieren. „Wir sind zum Teil wirklich gerührt, wie viele da auch diesmal mitmachen und uns unterstützen, obwohl ihre Betriebe selbst seit zwei Jahren an der Pandemie zu knabbern haben“, sagt Sebi Späth. Verkaufen wollen Sie das Magazin zum Preis von 3,11 von Haus zu Haus, in verschiedenen Wollmatinger Geschäften und – zur Premiere – auf dem Wollmatinger Wochenmarkt am 17. Februar.

Das könnte Sie auch interessieren.

„Kinderball dehom“ und Videodreh

Schon zum zweiten Mal organisieren die Giraffen in diesem Jahr den „Kinderball dehom“. Hier können Eltern für jedes Kind eine Tüte zum Preis von fünf Euro erstehen und damit zuhause eine waschechte Kinderparty steigen lassen. Mit dabei sind in diesem Jahr unter anderem... Naja das verraten wir an dieser Stelle nicht. Nur: Es ist sehr viel mehr Wert als 5 Euro – und nur durch verschiedene Sponsoren zu schaffen. „Damit verdienen wir gar nichts“, sagt Sebi Späth. Das wolle man aber auch nicht. Der Erfolg sei überwältigend. Das Kontingent von 300 Tüten ist in diesem Jahr schon weg.

Ein klein wenig Fasnachtsfeeling verspricht auch der Videodreh eines Sketches, der Hauptbestandteil des Programms beim Bunten Abend hätte werden sollen. Soviel sei verraten, es werden dabei einige Konstanzer Fasnachtsgrößen liebevoll durch den Kakao gezogen.