MicroMacro: Crime City

Detektiv- und Krimispiele sind Trend in diesem Jahr und das aktuelle Spiel des Jahres sitzt mittendrin. Man braucht schon gute Augen und ein gutes Licht, um den absurden Kriminalfällen in MicroMacro: Crime City auf die Spuren zu kommen. Es macht aber auch einfach richtig viel Spaß, die Köpfe zusammen zu stecken und auf einem großformatigen Wimmelbild immer wieder neue Details zu entdecken. Und das ohne viel Regelwerk und annähernd ohne Text.

In Crime City leben, arbeiten und morden zahllose anthropomorphe Personen, also Menschen mit Tierköpfen und Knubbelnasen. Sie fahren Sportwagen, treffen sich im Café und schubsen ihren Nachbarn vom Dach. Alles total menschlich. Die Aufgabe der Spielenden ist nun, rund ein Dutzend in ihrer Schwierigkeit abwechselnde Fälle zu lösen. Wo war der Bürgermeister mit dem Geldkoffer vor seinem Tod? Wo trieb sich die Rockerbande überall herum? Wer klaute dem eitlen Flaneur den Zylinder? Ausgehend von einem einzigen Hinweis rekonstruieren die Spielenden den Tathergang, rückwärts in der Zeit.

Das ist wie ein Christopher-Nolan-Film, weil sich Zeitstränge überlappen und alles gleichzeitig passiert. Das Gesamtbild zeigt also die Stadt in mehreren parallelen Zeitebenen, durch die wir beliebig springen können. Das ist faszinierend! Wie in Nolans Film „Memento“ müssen wir nicht peu à peu eine Geschichte „lesen“, sondern die Vorgeschichte rekonstruieren, Verbindungen linear herleiten und Wie-kam-es-dazu-Annahmen machen. Ich kenne kein Spiel, das erzählerisch diesen Weg geht – und dadurch ist MicroMacro: Crime City komplett neuartig.

Alle Geschichten sind für Eltern mit kleinen Symbolen eingeordnet, damit sensible Naturen und Kinder nicht unbedingt den stärksten Kriminal-Tobak durchkauen müssen. Erwachsene und Jugendliche, die Spaß an skurrilen und detailverliebten Kriminalgeschichten haben, sind hier richtig.

Bild: Verlag

Paleo

Donnerstag in der Steinzeit: Das Leben ist hart, denn ständig müssen Mammuts gejagt, Feuer entfacht und neue Werkzeuge erfunden werden. Im kooperativen Spiel „Paleo“ des Kölner Archäologen Peter Rustemeyer machen wir aber genau das: In jeder Partie gibt es andere Herausforderungen unserer Vorfahren zu meistern. Wölfe schleichen um die Höhle oder wir müssen Zelte nähen, um uns in die weitere Umgebung zu wagen. Wir lenken dabei die Geschicke eines kleinen Steinzeit-Stamms, zusammengesetzt aus Jägern, Sammlerinnen, Handwerkern und Kriegerinnen. Aus drei Karten wählen wir anhand der Rückseite aus, wo jeder Trupp diesmal hin gehen soll und haben dabei nur eine grobe Ahnung: Im Wald sammeln wir vermutlich Holz und Beeren, am Fluss treffen wir auf Beutetiere und wer zuhause bleibt, kann Neues erfinden, Werkzeuge basteln oder sogar Träumen und Visionen nachgehen. Aber es lauern auch tödliche Gefahren! Gemeinsam kann man dennoch alles meistens schaffen. Nachts ernähren wir den Stamm und bereiten uns auf den neuen Tag und eine neue Runde vor. Malen wir schließlich das Höhlengemälde fertig, haben wir alle gewonnen.

„Paleo“ ist sehr stimmungsvoll; es geht um das gemeinsame Entdecken der steinzeitlichen Welt mit all ihren schwierigen Herausforderungen. Rulaman rät: Wer wie ein Steinzeitmensch denkt, hat es leichter in diesem Abenteuerspiel, das Geschichten erzählt, die sich vor 100.000 Jahren hierzulande vermutlich auch so abspielten.

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Switch & Signal

Wenn es nicht für eine Modelleisenbahn reicht, empfehle ich den Griff zu „Switch & Signal“, was so viel heißt wie „Weiche & Signal“. Der Spielplan zeigt Europa und zwecks Abwechslung auf der Rückseite Nordamerika. Unterschiedlich schnelle Güterzüge fahren gleichzeitig durch Europa und liefern Waren aus verschiedenen Großstädten in den zentralen Hafen von Marseille. Von der klugen Logistik hängt hier alles ab: Mit Karten stellen wir Weichen und schalten Signale von rot auf grün, damit der Verkehr ordentlich fließen kann. Fehler passieren: Mal steht die Bimmelbahn dem Eilzug im Weg, mal bremsen rote Signale den Betrieb aus, Weichen wurden falsch gestellt oder zwei Züge fahren sogar ineinander. Alles altbekannte Probleme für echte Modelleisenbahner. Strafen dafür zahlen wir mit kleinen Uhren und wenn das zu oft passiert, ist die Zeit um und das Spiel verloren. Kein Problem: die guten Ingenieure der Eisenbahn erlauben es, an den Herausforderungen herumzuschrauben, damit das Spiel einfacher oder schwieriger wird und allen somit immer Spaß macht.

„Switch & Signal“ ist für Spielende und Eisenbahn-Fans, die Spaß an gemeinsamer Streckenplanung und Fahrplänen haben und es mögen, wenn der Verkehr sauber fließt. Das geht gut zu zweit, fordert aber auch in großer Runde.