Große Enttäuschung und Unverständnis bei der HSG Konstanz: Die HSG soll als nach der Quotientenregelung bester Drittligist Deutschlands in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga dreimal reisen und nur zwei Heimspiele bekommen, der Staffelzweite VfL Pfullingen erhält hingegen drei Heimspiele. Noch am Dienstagabend wurde in einer Videokonferenz mit den Vereinen ein ganz anderes Modell besprochen, am Mittwochmorgen die Kehrtwende per Pressemitteilung des DHB.

Zweitplatzierte werden über Nacht besser gestellt als Erste

Hintergrund: Nachdem nun nur zwölf statt 14 Teilnehmer an der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga teilnehmen, erfolgte von der Spielleitenden Stelle des DHB die Gruppeneinteilung nach den Durchführungsbestimmungen. Der daraus folgende Spielplan ist jedoch nirgends geregelt. Noch am Dienstagabend wurde in einer gemeinsamen Videokonferenz darüber hinaus folgende Lösung besprochen: Bei den zwei Sechser-Gruppen haben drei Mannschaften je drei Heimspiele und drei Mannschaften je zwei Heimspiele. In der DHB-Präsentation hieß es dazu wörtlich: „HSG Konstanz und D1 als Staffel-1. werden in jedem Fall drei Heimspiele haben, Dritte Mannschaft mit drei Heimspielen: bester Quotient der Staffel oder losen?“. Am Tag darauf folgte ohne weitere Information der Vereine die Kehrtwende per Pressemitteilung. 40:4 Punkte und Platz eins der 3. Liga Staffel G führen nun zur kuriosen Situation, dass die HSG Konstanz, nach der Quotientenregel die bundesweit erfolgreichste Mannschaft der 3. Liga, schlechter gestellt ist, als die Staffelzweiten Pfullingen und Hanau. In der Aufstiegsrunde Süd sind mit Krefeld und Konstanz zwei „echte“ Erstplatzierte ihrer Staffeln. Hanau belegte in der Staffel E Platz zwei hinter der U23 des HC Erlangen. „Somit wäre es doch sportlich fair, wenn diese zwei Erstplatzierten auch die Vorteile des erreichten Platzes hätten“, argumentiert André Melchert. Schwer enttäuscht zeigt er sich auch vom Umgang der Spielleitenden Stelle mit den Vereinen, denn weder auf zahlreiche telefonische Kontaktversuche als auch E-Mail-Anfragen wurde nach dem Versand der Pressemitteilung bislang reagiert.

Statement von Jörg Lützelberger

Fehlende Transparenz der Entscheidung

„Wir haben ein Dreivierteljahr hart für den ersten Platz gearbeitet“, ärgert sich der HSG-Geschäftsführer, „und nun sollen wir für den sportlichen Erfolg mit drei Auswärtsspielen und nur zwei Heimspielen bestraft werden?“ Bei nur fünf Partien in einer Einfachrunde ohne Hin- und Rückspiel ist der Modus nun noch verzerrter und droht noch mehr als ohnehin schon zur Lotterie zu werden. Schließlich bemängelt Melchert die fehlende Transparenz der Entscheidung über Nacht, bei der die besprochenen Szenarien auf den Kopf gestellt wurden und bei einem möglichen Losentscheid niemand zusehen durfte. Der aus dem ostwestfälischen Hille kommende beim DHB zuständige Spielleiter Andreas Tiemann, seit 2013 Vizepräsident Spieltechnik im HV Westfalen, ist seitdem nicht zu erreichen. Dafür steht das Telefon bei Melchert nicht mehr still. „Es kommen deutschlandweit Vereine von der 1. bis zur 3. Liga auf uns zu, die wie wir völliges Unverständnis darüber äußern und uns zusprechen“, so der Manager.


Sportliche Gesichtspunkte werden außer Acht gelassen

Neben dem großen sportlichen und wirtschaftlichen Schaden eines fehlenden Heimspiels in einer vollen Schänzle-Hölle kommt der Umstand, dass die HSG für die weit entfernten Spiele in Hanau, Schalksmühle/Halver und auch Krefeld wird übernachten müssen. Die Heimspiele finden gegen die geographischen Nachbarn Pforzheim und Pfullingen statt. Melchert: „Unsere Mannschaft und der Verein fühlen sich mehr als unfair behandelt. Bei einem ausgeübten Ermessen der spielleitenden Stelle sollten sportliche Gesichtspunkte entscheidend sein – so wie es geplant war. Man arbeitet dafür, der Beste zu sein und wird dafür nun bestraft. Der DHB hält stets die Wertevermittlung hoch und dass die Leistung anderer anerkannt werden soll. Davon spüren wir nichts.“ Dennoch gibt er sich kämpferisch. „Wir nehmen auch diese Herausforderung an und lassen uns auch durch solche „Los-Entscheidungen“ nicht unterkriegen. Wir spüren eine große Solidarität durch die anderen Vereine.“ Ein Heimspiel mehr aus der Gruppe I sollen der VfL Potsdam, der TSV Altenholz und der TuS Vinnhorst erhalten. In der Gruppe II sollen die HSG Krefeld Niederrhein (33:7 Punkte, 1. Platz Staffel D), die HSG Hanau (30:10 Punkte, 2. Platz Steffel E) und der VfL Pfullingen (35:9 Punkte, 2. Staffel G) jeweils drei Heimpartien zugeschlagen bekommen, die SGSH Dragons (32:8 Punkte, 2. Platz Staffel D), die SG Pforzheim/Eutingen (34:10 Punkte, 2. Platz Steffel F) und die HSG Konstanz (40:4 Punkte, 1. Staffel G) sollen nur zwei Begegnungen in eigener Halle erhalten.

Wut im Bauch

Head Coach Jörg Lützelberger berichtet von großer Enttäuschung und Unverständnis in der Mannschaft: „Ich erzähle den Jungs das ganze Jahr pushen, pushen, wir wollen gewinnen, wir wollen Erster sein. Wir tun alles dafür, um die besten Chancen zu bekommen und reden natürlich auch über Werte und sportliche Fairness mit unseren Spielern. Dieser Wert sportliche Leistung im Leistungssport ist hier ad absurdum geführt.“ Die Entscheidungen habe man jedoch nicht in der Hand, so der EHF-Mastercoach. „Was wir in der Hand haben, ist, die Energie, die dadurch freigesetzt wurde, für uns zu nutzen. Das habe ich im Training schon gespürt. Da war ein bisschen Wut im Bauch und diese Energie werden wir zusätzlich mit aufs Feld bringen.“