Nichts ist für Eltern schlimmer, als wenn ihr Kind erkrankt. Und nichts ist entlastender als eine gute medizinische Versorgung in der Nähe zu wissen. Konstanz hat das Glück über gleich zwei große Einrichtungen dieser Art zu verfügen: die Kinderklinik, die im Klinikum an der Mainaustraße beheimatet ist. Und das in unmittelbarer Nähe liegende Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ).

Dabei kann die Kinderklinik auf eine lange Geschichte zurückblicken. Vor hundert Jahren wurde ein Säuglingsheim gegründet, aus dem heraus sich die Kinderklinik entwickelte. Deutlich jünger ist das SPZ, das vor 30 Jahren gegründet wurde. Die zusammen 130 Jahre währende Betreuung von erkrankten und in ihrer Entwicklung gestörten Kindern und Jugendlichen wird am kommenden Wochenende gefeiert.

Hand in Hand

Unter dem Motto „130 Jahre für Kinder Hand in Hand“ findet am 15. Oktober ein Festakt und ein Fachsymposium für 200 Gäste statt. Angekündigt ist die Teilnahme des baden-württembergischen Sozialministers Manne Lucha. Während der 15. Oktober eher ein Fachpublikum anspricht, steht der Sonntag, 16. Oktober, mit einem großen und bunten Kinderfest ganz im Zeichen der jüngeren Generation. Auf dem Platz Klein Venedig zwischen Sealife und Lago Center können Familien von 10 bis 15 Uhr kostenlos im Riesenrad mitfahren und ganz spielerisch ins Thema Kindermedizin eintauchen. Figurentheater, Mitmachzirkus, ein Rettungswagen mit Inkubator, eine Teddybärklinik, ein Zauberer, Kinderschminken, viele Bastel- und Spielaktionen und allerlei Leckereien sorgen für viel Abwechslung und Vergnügen. Das Beste: Der Eintritt ist frei.

Kindermedizin stärken

Mit der Feier wird die Bedeutung der Kindermedizin ins Bewusstsein gerückt. Denn viel zu oft steht sie im Schatten der Erwachsenenmedizin. „Behandlung von Kindern braucht Zeit,“ betont Chefarzt Peter Meißner. Damit ist eine schnelle Refinanzierung oder das Betreiben mit Gewinn nicht möglich. „Wie viel ist uns die Gesundheit unserer Kinder wert?“, fragt Meißner deshalb in Richtung Politik und Gesellschaft. Dass die Kinder- und Jugendmedizin unter diversen Fehlentscheidungen der Bundespolitik leidet, sieht auch der Geschäftsführer des Gesundheitsverbunds Landkreis Konstanz (GLKN), Bernd Sieber, so. Diese Ansicht vertritt auch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V. (DGKJ). Sie beklagt in einem Positionspapier vom Mai dieses Jahres zum Beispiel, dass die „Kinder- und Jugendmedizinische Versorgung ... durch das Fallpauschalensystem nicht angemessen finanziert wird; dieses spiegelt die Kosten nur dann angemessen wider, wenn möglichst alle Betten belegt sind und die Leistung für den im Bett liegenden Patienten möglichst standardisiert abbildbar ist. Die Kinder- und Jugendmedizin hat jedoch mit deutlich über 50% eine sehr hohe Notfallquote; im Vergleich zu Erwachsenenstationen finden hier viel weniger geplante Leistungen statt.“

Angesichts dieser Problematik betont Bernd Sieber den Stellenwert der Kindermedizin und der Geburtshilfe im GLKN. Und wichtig sei auch, dass die Kinderklinik und das SPZ zum Wohle der Kinder Hand in Hand arbeiten. Das SPZ empfindet der Geschäftsführer als große Bereicherung für den GLKN und für die Region. Denn das Konstanzer SPZ ist eine von insgesamt nur 18 Einrichtungen gleicher Art in Baden-Württemberg.

Als Vertreter der Spitalstiftung, die Trägerin der SPZ ist, unterstreicht auch Sozialbürgermeister Andreas Osner die Wichtigkeit der Kindermedizin für die Region. Deswegen sei es gut, das SPZ im Landkreis Konstanz zu haben, das zugleich als Zentrum auch Anlaufstelle für die Patienten und deren Familien aus acht weiteren Landkreisen sei. Das SPZ mit seiner spezialisierten Expertise sei gut vernetzt im ambulanten wie auch mit dem stationären Bereich, lobt Osner.