Am 16. Mai 1988 blickte die Welt nach Konstanz, als im Seerhein Technikgeschichte geschrieben wurde. Deutsche und internationale Medien berichteten von der Tauffahrt der „Korona“ des ersten Solarboots der Welt. Die ingenieurwissenschaftliche Pionierleistung wurde an der Fachhochschule Konstanz (heute HTWG) entwickelt, die Idee hatten Studenten. Bis auf die Batterie musste das Team um Prof. Dr. Christian Schaffrin von der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik (EI) alle für den Bau benötigten Komponenten selbst entwickelt.

1989 wurde die „Korona“ auf dem Welt-Solarkongress in Japan vorgestellt, es war das erste Boot, dessen System vollständig mit Solarenergie angetrieben und ingenieursmäßig optimiert wurde. Die 7,2 Meter lange „Korona“ erreicht ein Höchstgeschwindigkeit von 12 km/h sowie eine maximale Reichweite von 70 Kilometern im Batteriebetrieb. Geplant war, den Prototyp zur Serienreife zu entwickeln. Zumindest für den umweltbewussten Freizeitkapitän wäre die Anschaffung eines kleinen Solarboots durchaus attraktiv: Unter der Woche aufgeladen, ist die Batterie am Wochenende voll und los geht‘s. Warum also ist die Korona nie in Serie gegangen? Obwohl immer mehr Vergnügungsboote auf dem Bodensee unterwegs sind?

61.650 Wasserfahrzeuge

„Es gab immer wieder mal Ansätze“, erklärte Prof. Schaffrin anlässlich des 30. Geburtstages der Korona. „Aber die wurden nicht durchgezogen, das waren alles Kleinbetriebe. Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Käuferschaft in dem Bereich sehr konservativ ist. Schaffrins positives Fazit: „Wir konnten mit dem Boot die Idee der nachhaltigen Energieversorgung von Fahrzeugen anstoßen und über den Bootsbetrieb hinaus forcieren.“

61.650 Wasserfahrzeuge (vom Ausflugsdampfer bis zum Ruderboot) waren 2020 auf dem Bodensee zugelassen, davon fuhren 38.510 mit einem Verbrennungsmotor und nur 1.946 mit Elektromotor (3,2%). Die Solarfähre Reichenau-Mannenbach ist als einziges Boot mit Sonnenenergie unterwegs. Die Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) lassen derzeit zwei E-Schiffe für jeweils 300 Fahrgästen bauen. Nachhaltigkeit scheint auf dem See nur langsam anzukommen.

Die Freizeitschifffahrt kommt deshalb auf den Prüfstand. Am Limnologischen Institut der Universität Konstanz startete im Juli ein Forschungsprojekt der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Das Vorhaben mit dem Kurztitel „SuBoLakes – Umweltverträgliche Freizeitschifffahrt auf Seen in Deutschland“ “ soll die ökologischen Folgen der motorisierten Freizeitschifffahrt in ausgewählten Wassersportrevieren untersuchen. Saubere Bootsmotoren, Elektroantriebe und der Verzicht auf giftige Schutzanstriche reichen nicht aus, sind die Forscherinnen und Forscher überzeugt. Die Umweltprobleme der motorisierten Fahrgast- und Freizeitschifffahrt seien viel tiefgreifender und bedürfen zukünftig einer vorsorgenden Lenkung. In drei Jahren sollen Lösungsvorschläge vorgelegt werden.