Robin Oberbeck hatte es dieser Tage nicht leicht. Er ist für das Musikprogramm beim Frühlingsfest zuständig, das der Musikverein Dettingen-Wallhausen statt seines traditionellen Bergfestes ausrichten wird. Mehre Absagen, dann eine Zusage, die wenige Tage später widerrufen wurde, sorgten für erheblichen Stress.

Es bleibt dabei, dass der Musikverein selbst das Fest eröffnen wird. Neu im Programm sind die Alpenfeger aus Wangen im Allgäu. Den Abschluss bildet die Psycho Band, die schon seit mehreren Jahren beim Bergfest als gesetzt gilt.

Gefeiert wird im Pfarrgarten

Das Frühlingsfest wird an Christi Himmelfahrt über die Bühne gehen. Beim Bergfest oberhalb von Wallhausen sind auch der darauffolgende Samstag und Sonntag Festtage. Die Entscheidung nur ein kleineres Fest auszurichten, sei wegen der Planungsunsicherheit durch die Corona-Pandemie schon frühzeitig gefallen, erklärt Schriftführer Klaus Burger. Die Corona-Fallzahlen seien hoch gewesen und die Entwicklung nicht absehbar. „Auch wenn aktuell ein Fest im Zelt erlaubt wäre, steht das Wohl von Gästen und Helfern immer noch im Vordergrund“, betont er. Gefeiert wird daher unter freiem Himmel. „Damit umgehen wir auch eine schlecht eingestellte Lüftung“, erläutert Hans-Peter Kärcher vom Organisationskomitee.

Als Veranstaltungsort wählte der Musikverein den Pfarrgarten von Sankt Verena. Der sei gemütlicher als der Schulhof, der ebenfalls in die Überlegungen einbezogen worden war, erklärt Kärcher. Die Idee auf den Bergfestplatz zu gehen, sei schnell verworfen worden, da dort eine vollständige Infrastruktur errichtet werden müsste, was sich für einen Tag nicht lohne, erläutert der Orgachef.

Bis auf wenige Dinge soll der komplette Aufbau erst am Donnerstagmorgen, der Abbau noch in der Nacht erfolgen. „Mich hat der große Vorbereitungsaufwand überrascht“, berichtet Hans-Peter Kärcher. „Wir planen auch Backups ein“, ergänzt er, soll heißen, es steht auch Ersatzpersonal bereit, falls jemand kurzfristig verhindert wäre. Das ist auch eine Sicherheitsmaßnahme für den Fall, dass jemand an Corona erkranken würde. „Es wäre schlecht, wenn zwei Personen an Schlüsselpositionen ausfallen würden“, ergänzt er.

Kraftakt für den Verein

Für den Musikverein Dettingen-Wallhausen gleicht das Fest einem Kraftakt. Die Zahl er aktiven Frauen und Männer ist auf etwa 20 geschrumpft. Gemessen am Musikverein Dingelsdorf, der rund 60 aktive Musikerinnen und Musiker zählt, dürfte in dem größeren Doppelort noch einiges an musikalischen Talenten brachliegen. Die Corona-Pandemie hat nicht dazu beigetragen, die Lage zu entschärfen. Dirigent Harald Vetter hatte die musikalische Leitung in einer Zeit übernommen, in der Proben – wenn überhaupt – nur unter erschwerten Bedingungen stattfinden konnten. Konzerte waren schon gleich gar nicht möglich.

Vor einer ähnlich schwierigen Situation steht die Jugendkapelle (Juka) mit rund zehn Mitgliedern. Mit Julia Albicker hat sie zwar eine Dirigentin, aber keine Jugendleitung, für die üblicherweise ein Mann und eine Frau vorgesehen sind. Um spielfähig zu sein, hatte sie vor Corona zeitweise zusammen mit der Juka des Musikvereins Allensbach kooperiert. Immerhin verzeichnet der Verein rund 150 passive Mitglieder, die ihn finanziell und auch persönlich unterstützen. So etwa ist Hans-Peter Kärcher kein aktiver Musiker, dafür bekleidet er im Vorstand die Funktion eines Beirats der Passiven.

Lange Tradition

Erinnert sei daran, dass Blasmusik in Dettingen-Wallhausen eine lange Tradition hat. Vor 150 Jahren wurde der heute noch bestehende Verein als Musikgesellschaft gegründet. Vermutlich ist diese aus den Reihen der Feuerwehr entstanden, denn auf einem Bild von 1899 tragen die Musiker eine Feuerwehruniform. Am 2. Juli wird dem Verein die Conradin-Kreutzer-Tafel verliehen. Sie ist eine Auszeichnung für Musikvereinigungen, die seit mindestens 150 Jahre bestehen und ein Dankeszeichen für Ihre künstlerischen, volksbildenden und kulturellen Tätigkeiten.

Als gesellschaftliche Erfolgsgeschichte kann das im Jahr 1954 vom Musikverein ins Leben gerufene Bergfest betrachtet werden. Zu Beginn wurde es noch unter freiem Himmel gefeiert. Später kam ein Festzelt hinzu, das bei kühlem Wetter beheizt werden kann. Die Aussicht vom Fohrenbühl über den Überlinger See in den Linzgau gilt als legendär.

An Christi Himmelfahrt nutzen viele Wanderer und Radfahrer das Fest als Zwischenstopp oder Endstation ihrer Vatertagsausflüge. Bei sonnigem Wetter lassen sich viele Familien zum Picknicken auf der Wiese nieder. Ob im folgenden Jahr das Bergfest wie gewohnt gefeiert wird, entscheidet sich in den kommenden Wochen und Monaten. Auch die Frage nach einem Jubiläumsfest dürfte demnächst fallen. nea