Als markanter Punkt in der Stadtsilhouette dient der Pulverturm als beliebtes Fotomotiv. Neben dem Schnetz- und Rheintorturm ist er einer der letzten erhaltenen Wehrtürme der mittelalterlichen Konstanzer Stadtbefestigung. Und wie seine Kollegen Sitz einer Fasnachtsvereinigung. Seit rund 30 Jahren dient er der Narrengesellschaft (NG) Niederburg als Vereinsheim. Um dieses kleine Jubiläum und die „Stammburg“ Pulverturm zu feiern, hat die NG Niederburg die Broschüre „700 Jahre Pulverturm“ herausgegeben.

„Eigentlich sollten es nur ein paar Seiten werden, aber alle, die wir angefragt hatten, haben mitgemacht“, scherzte Mario Böhler, Präsident der Niederbürgler, bei der Präsentation der Schrift vergangene Woche. Nun zählt das kleine Büchlein stolze 93 Seiten. Finanziell wurde die Schrift vom Kulturamt unterstützt, das damit das ehrenamtliche Engagement der Niederbürgler würdigt.

„Das Lesen soll vor allem Spaß machen und zum Schmökern anregen“, bekräftigte Mario Böhler. Dafür sorgen ein modernes Layout sowie viele historische Fotos und Abbildungen. Zu finden sind auch humoristische Texte wie das Lied „Niederbürgler Herzen“ von Martin Tschaki, ein Gedicht von Norbert Heizmann und ein Text von Dani Behnke über den Pulverturmwächter – „Pu-Tu-Wä“- aktuell Karl-Heinz Nack, seines Zeichens Mitglied des 13er Rates der Niederburg. Gemeinsam mit vielen Niederbürglern und Mitstreitern der Handwerkerinitiative Konstanzer Pulverturm e.V. wirkte er in den 1980ern und 1990ern als treibende Kraft bei der Restaurierung und Renovierung des Pulverturms mit, die in Kooperation mit dem Hochbauamt erfolgte. Die Broschüre soll aber auch sachliche Informationen liefern und den aktuellen Stand der Forschung zum Pulverturm widerspiegeln. Dafür stehen die geschichtlichen Rückblicke des Historikers und Stadtführers Daniel Groß, des Historikers Lothar Burchardt, des Denkmalpflegers Frank Mienhardt, des Stadtarchivars Jürgen Klöckler sowie des Pressesprechers der Stadtwerke, Josef Siebler.

Im Zentrum steht die große Frage, der Daniel Groß nachgeht: Wie alt ist der Pulverturm tatsächlich? Als Erbauungsdatum taucht das Jahr 1321 erstmals im 1860 erschienenen Buch „Geschichtliche Topographie der Stadt Konstanz“ von Johann Marmor auf. Allerdings ohne eine Quellenangabe und mit dem Zusatz „wahrscheinlich“ versehen. Aufschluss über die tatsächliche Jahreszahl könnte eine Jahresringberechnung der verbauten Hölzer erbringen, wie beim Rheintorturm, der zwischen 1358 und 1360 erbaut wurde. Daniel Groß hat bei seinen Recherchen eng mit der Denkmalpflege zusammengearbeitet und Baubücher sowie Akten und Archivalien im Stadtarchiv zu Rate gezogen. Gesichert ist im Gegensatz zur Jahreszahl 1321: „Im 16. Jahrhundert hat der Turm seine größte bauliche Veränderung erlebt und sein Spitzdach erhalten. Vorher wurde er mit einem Satteldach abgebildet“, so Groß.

Wechselvolle Geschichte

Der Turm diente ursprünglich als Teil der Befestigungsanlage von Konstanz. Bevor er Pulverturm hieß, war das Bauwerk als Ziegel- oder Judenturm bekannt. Zum Hintergrund: In unmittelbarer Nähe des Turms stand bis 1446 eine Ziegelhütte, die auch dem Ziegelgraben den Namen gab. 1430 und 1443 wurden im Pulverturm die Juden der Stadt eingekerkert. Im 19. Jahrhundert befand sich in seinen Mauern ein Pulvermagazin. Spätere Pläne zur Nutzung als Aussichtsturm wurden nicht verwirklicht. In den 1980er Jahren restaurierte die Handwerkerinitiative Konstanzer Pulverturm e.V. in Kooperation mit dem Hochbauamt den Pulverturm. Heute ist das Baudenkmal Vereinsheim der NG Niederburg.

Die Broschüre ist bei Homburger & Hepp zum Preis von 10 Euro erhältlich.