Gelb, blau, pink: Understatement sieht anders aus. Die Weinetiketten mit dem Gesicht Julian Mosers stechen heraus. „Das liegt an meinen Eltern“, erklärt der junge Winzer lachend. „Sie haben die Idee mit meinem Gesicht auf den Weinflaschen von einem Besuch in Italien mitgebracht.“ Und die Farbe? „Wir wollen verstärkt junge Leute mit unseren Weinen ansprechen.“ Aber die Bestellungen zeigten, dass auch Ältere die Moser Seeweine zu schätzen wissen, wenn sie sie bei Tochter oder Sohn ausprobiert haben. Mosers Philosophie: „Es soll möglichst vielen Menschen schmecken, die Weine sind unkompliziert, einfach ‚easy drinking‘.“

Weinbau am Bodensee: Erfolg mit pilzresistenten Sorten

Der gebürtige Dingelsdorfer macht als Senkrechtstarter gerade Furore. Kaum drei Jahre nach Betriebsgründung auf der Reichenau belegte der junge Winzer 2020 mit seinem Muscaris den zweiten Platz beim Internationalen PIWI-Weinpreis. In diesem Jahr erreichte der 27-Jährige mit seinem Weißwein-Cuvée „Luv und Lee“ den 1. Platz, und mit seinem Rosé den 3. Platz beim Best of Freiburg PIWI-Wettbewerb. Unter PIWIs versteht man im ökologischen Weinbau pilzwiderstandsfähige Rebsorten.

Julian Moser steht in dem Weinberg, in dem auch seine Muscaris Trauben für den gleichnamigen Wein stehen.
Julian Moser steht in dem Weinberg, in dem auch seine Muscaris Trauben für den gleichnamigen Wein stehen. Bild: Stei, Karin

Moser baut auf 1,5 Hektar Rebsorten wie Muscaris und Souvignier Gris an, die eine Kreuzung aus europäischen und krankheitsresistenten amerikanischen oder asiatischen Rebsorten sind. Gelber Muskateller und Solaris wurden zum Beispiel für den Muscaris und Cabernet Sauvignon und Bronner für den Souvignier Gris gekreuzt. Und gerade eben experimentiert Moser mit dem Anbau von Calardis Blanc, einer Kreuzung aus Calardis Musqué und Seyve Villard. Neben den Rebsorten spielen das Terroir und das Klima eine große Rolle für die Weinqualität. Die sandig-kiesigen Böden auf der Reichenau sind karg, was aber zum Beispiel dem Rosé gut bekomme, so Moser. Er gewinnt dadurch an Finesse und Eleganz, während die Weißweine fruchtig-filigran schmecken.

Um die gewünschte Qualität zu erreichen, verlangen die PIWIs auch nach der Ernte besondere Aufmerksamkeit. Die Haut der Trauben ist fester, darf aber nicht zu stark gepresst werden, da sonst zu viele Gerbstoffe in den Traubensaft übergehen. „Man muss schonend mit den Trauben umgehen, sie nicht zu viel bewegen und sie lieber länger in einer kühleren Maische lassen“, erklärt der Reichenauer.

Da die Hybridrebsorten resistenter gegen die großen Plagen des Weinanbaus, den Echten und Falschen Mehltau, sind, müssen sie weniger gespritzt werden. „Für mich sind die PIWIs der einzige Weg hier am Bodensee mit der Witterung, die dieses Jahr besonders schwierig ist, überhaupt vernünftig Bioweinbau zu betreiben“, erklärt Julian Moser. Biowein bedeutet aber für ihn nicht nur minimaler Pflanzenschutz, sondern auch das Weingut auf der Reichenau nachhaltig zu führen, das heißt zum Beispiel auf den Energieverbrauch zu achten.

Konventioneller Weinbau in Gailingen

So überzeugt Moser Bioweinbau betreibt, so leidenschaftlich geht er ebenso dem konventionellen Weinbau nach. Gemeinsam mit dem Erzinger Winzer Lorenz Keller führt er das Gut Schloss Rheinburg in Gailingen am Hochrhein. Moser ist für den Anbau, Keller für den Ausbau verantwortlich. Mit Erfolg haben die beiden die alte Marke Schloss Rheinburg wiederbelebt. Vor kurzem konnten sich die Winzer über den ersten Platz beim Internationalen Grauburgunder Preis der Kaiserstühler Weinwirtschaft und des Badischen Weinbauverbands freuen. Sie setzten sich gegen 398 andere Anbieter durch. „In Schloss Rheinburg gibt es Steillagen bis 50 Prozent Steigung, da geht rein technisch vieles nicht“, erklärt Julian Moser. Deshalb setzen die Winzer dort auf einen bedachten konventionellen Anbau, um auch hier weniger Pflanzenschutzmittel zu benötigen.

In Gailingen wachsen auf den insgesamt 9,5 Hektar jedoch auch einige PIWIs, wie der Johanniter. Mit dem Sauvignier Gris von der Reichenau vereint, ergibt sich das prämierte Weißwein-Cuvée „Luv & Lee“, als Hommage an die beiden Standorte.

Die Liebe zum Weinbau wurde dem gebürtigen Dingelsdorfer in die Wiege gelegt. Sein Urgroßvater war Winzer auf der Reichenau. Bereits als Teenager pflanzte Moser nach einem Praktikum in den Reben seinen eigenen Versuchsweinberg, dessen Erzeugnisse zu Familienfesten ausgeschenkt wurden. Beim Markgraf von Baden, dem Weingut Keller in Erzingen und im Weingut Abril in Bischoffingen absolvierte er Stationen seiner Ausbildung, in Neustadt an der Weinstraße studierte Moser Oenologie, später vervollkommnete er sein Handwerk in Südtirol und Neuseeland.

Auch feine Destillate stellt Julian Moser aus Obst von Dingelsdorfer Streuobstwiesen her.
Auch feine Destillate stellt Julian Moser aus Obst von Dingelsdorfer Streuobstwiesen her. Bild: Moser Seewein

„Mich interessant nicht nur der landwirtschaftliche Teil, sondern auch der getränketechnologische im Keller. Der Beruf hat viele Facetten. Ich begleite mein Produkt von Anfang bis Ende, und dass der Wein hochgeschätzt wird, gibt mir noch einen zusätzlichen Kick“, erklärt der junge Winzer. Und wer zwischendurch lieber Hochprozentiges trinken will, findet bei den feinen Destillaten, die er aus Obst von Streuobstwiesen in Dingelsdorf herstellt, Raritäten wie Oberösterreichische Weinbirne oder im Kastanienfass gereifter Boskoop-Apfelbrand, der an Whisky erinnert.