Gleich zwei große Erfolge konnte der Konstanzer Ruderverein Neptun bei den Ruder-Junioren-Weltmeisterschaften (7. bis 11. Juli) im tschechischen Racice feiern: Antonia Würich gewann im Leichtgewichts-Frauen-Doppelvierer die Silbermedaille und Jasper Angl die Bronzemedaille im Männer-Achter mit Steuermann. Wir haben mit Jasper Angl über den Weg zur Medaille und die Chancen für das olympische Ruderteam in Tokio gesprochen.

Herr Angl, herzlichen Glückwunsch, neben der Bronzemedaille haben Sie am WM-Wochenende auch noch Ihren 21. Geburtstag gefeiert.

Ja, das war ein Geburtstagsgeschenk für mich (lacht). Ich freue mich auch sehr, dass Antonia Würich die Silbermedaille gewonnen hat, einfach klasse.

Wie haben Sie sich für den U23 Männer-Achter mit Steuermann qualifiziert?

Dafür waren zwei Dinge entscheidend: Zum einen musste ich auf dem Ruder-Ergometer einen bestimmten Normwert erreichen, zum anderen belegte ich auf der Rangliste für den Zweier den zweiten Platz. Der Trainer stellt den Achter aus den besten Zweier-Teams und guten Einzelkandidaten zusammen. Diese Auswahl hat dann auch mit deutlichem Vorsprung die Deutschen Meisterschaften gewonnen.

Bild: Lennart Heyduck

Mit diesem Erfolg im Rücken sind Sie nach Racice gereist. Welche Erinnerungen haben Sie an die WM?

Die Rennen waren nervlich, wie physisch sehr anstrengend und fordernd, weil die Gegner extrem gut waren. Gerade die USA legen einen Schwerpunkt auf den Achter und die Briten sind einfach gut. Uns erwartete ein sehr strammes Feld mit stärkeren Booten als beim letzten Mal. Im Vorlauf sind wir dann nur Dritter geworden. Es war das erste Rennen, bei dem wir die ganze Zeit einen Achter neben uns und auch vor uns hatten, das war eine neue Situation, mit der wir umgehen mussten. Aufgrund der Platzierung mussten wir in den Hoffnungslauf, um uns für das A-Finale zu qualifizieren. Da wollten wir dann alles besser machen, was im Vorlauf nicht so funktioniert hatte. Das Rennen lief fantastisch, wir waren nur vier Sekunden von der Weltbestzeit entfernt. Das war das erste Mal, dass wir so schnell waren. Das war cool.

Wie lief dann das Finale?

Im Finale sind wir leider langsamer als im Hoffnungslauf gefahren, aber das lag daran, dass die Windbedingungen schwieriger waren. Die Zeiten hängen stark von den Bedingungen ab, es war auch sehr heiß. Das Finale war ungeheuer spannend. Die Boote aus Groß-Britannien, USA, Italien und unseres waren bis zur Hälfte gleichauf. Nach 1200 Metern (die Regattastrecke ist 2000 Meter lang, die Red.) sind die Italiener langsam abgefallen. Sie waren voll rausgespurtet in der Hoffnung, uns zu stören und hatten dann keine Kraft mehr. Die letzten 700 Meter waren dann ein Dreikampf, bis kurz vor der Linie hat uns von den anderen Booten kaum etwas getrennt. Auf den letzten 150 Metern konnten die Briten vor den Amerikanern noch mal an Schlagzahl zulegen, da hatten wir uns schon so verausgabt, dass wir nicht mehr sprinten konnten. Wir hatten alles gegeben.

Am Schluss war es nur eine Sekunde Vorsprung mit der Groß-Britannien gewann. Waren Sie enttäuscht?

Natürlich hatten wir schon einen Moment lang das Gefühl, Mist, wir haben es nicht geschafft, aber es war so knapp und wir waren trotzdem glücklich. Wir haben für uns ein optimales Rennen gefahren. Überhaupt in der Top-Klasse mitzufahren ist schon eine Ehre und auch Motivation, das nächste Mal wieder ganz vorne mit dabei zu sein.

Was ist das Besondere im Achter zu rudern?

Im Achter sind vor allem das Team und die gemeinsame Arbeit wichtig. Der Trainer muss die individuellen Handschriften der Ruderer synchronisieren, damit alle genau das Gleiche machen. Das ist nicht einfach. Zudem ist es das schnellste und größte Ruderboot, was einen besonderen Reiz ausmacht.

Diesen Freitag starten die Ruderwettbewerbe in Olympia. Kennen Sie die Athleten aus dem „großen“ Achter?

Das Team trainiert in Dortmund, wo ich auch trainiere. Man hat mal ein Wort gewechselt, aber ich kenne sie leider nicht gut. Das wäre bestimmt anders ohne Corona und die Olympia-Vorbereitung. Wegen Corona gab es harte Trennungen zwischen den Mannschaften. Aber es ist eine schöne Motivation, den deutschen Achter im Training zu sehen und zu wissen, es ist quasi in greifbarer Nähe auch auf dieses Level zu kommen. Im Herbst hatte ich einmal die Ehre, mit Richard Schmidt aus dem deutschen Achter im Zweier zu fahren und mich mit ihm persönlich auszutauschen. Er ist der größte Ruderer in Deutschland. Das war bestimmt keine Spitzen-Einheit für ihn, aber für mich war es klasse, da er mir ein paar Technikübungen gezeigt hat, die ich noch nie gemacht habe (lacht). Das war genial.

Sie hatten die Hitze in Racice angesprochen, ähnlich warm und feucht wird es auch in Tokio sein. Wie stellt man sich darauf als Athlet ein?

Eine Methode ist, sich zu akklimatisieren. Die A-Mannschaft ist schon länger in Japan. Wenn man diese Zeit nicht hat, muss man sich gut vorbereiten, indem man zum Beispiel eine Kappe trägt und Sonnencreme benutzt. Einer aus unserem Team ist besonders hitzeanfällig, deshalb trägt er bis kurz vor dem Rennen eine Kühlweste, damit sein Körper nicht zu heiß wird und es gibt auch Kühlkappen.

Wie schätzen Sie die Chancen der deutschen Ruderer in Olympia ein?

Der Deutschland-Achter und der Einer haben gute Chancen auf Gold. Ich bin sehr gespannt, wie die Ruderer und das gesamte deutsche Team abschneiden wird und fiebere mit.

Die Fragen stellte Karin Stei

Informationen über die deutsche Rudermannschaft in Olympia gibt es unter: www.rudern.de/tokyo2021.