Johannes Schacht ist seit Oktober neuer Vorsitzender der Theaterfreunde e.V. Was er am Theater schätzt und welche Akzente er in seiner neuen Rolle setzen will, hat er uns im Interview verraten.

Herr Schacht, man kennt Sie als engagiertes Mitglied der Egger Bürgergemeinschaft. Nun sind Sie neuer Vorsitzender der Theaterfreunde geworden. Ist Ehrenamt ein wichtiger Teil Ihres Lebens?

In den vergangenen zehn Jahren habe ich mehr und mehr darüber nachgedacht, worauf es im Leben ankommt. Der Gesellschaft etwas zurückzugeben und soziales Leben mitzugestalten, halte ich für absolut wichtig. Wenn nur alle nach sich schauen, sieht es schlecht aus auf der Welt. Aber ich gehe nicht im Ehrenamt auf. Ich habe lange überlegt, ob ich die Zeit investieren kann.

Wie finden Sie denn persönlich das Konstanzer Theater?

Ich finde das Konstanzer Theater gut. Das war nicht immer so. Am Anfang dachte ich ‚na ja, Provinztheater‘. Irgendwann habe ich gemerkt, dass es mir ausgezeichnet gefällt. Ich kann hier einfach nachvollziehen, was gut funktioniert und was nicht. Manchmal können die Schauspieler die Qualität nicht liefern oder die Inszenierung ist schlecht. Mit diesem Vergleich kann ich eine tolle Aufführung viel besser würdigen. ‚Die Verlorenen‘ fand ich zum Beispiel großartig. Man sieht, wie viel von der individuellen Leistung abhängt.

Barbara Gerking-Dönhardt hat viele Jahre die Theaterfreunde als Vorsitzende geprägt. Hat Sie Ihnen etwas auf den Weg mitgeben?

Nein, das kann man so nicht sagen. Ich komme aus einer ganz anderen Ecke als Frau Gerking-Dönhardt und auch viele anderen Mitglieder. Denn ich bin von Haus aus Diplom-Informatiker und kein Literaturwissenschaftler, Germanist oder Lehrer, die sonst typischerweise einen Theaterverein prägen. Meine Frau Dorothea kennt den Mann von Barbara Gerking-Dönhardt aus dem Kunstverein und hatte ihm erzählt, dass ich zu meinem eigenen Vergnügen Theaterkritiken schreibe. Daraufhin sprach mich Barbara Gerking-Dönhardt an. Vor zwei Jahren bin ich zu den Theaterfreunden gestoßen und habe mein Know-how eingebracht, indem ich die Webseite neu aufgesetzt habe, ebenso wie die Mitgliederverwaltung. Als die Frage aufkam, wer den Vorsitz übernehmen soll, da Frau Gerking-Dönhardt es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr weiter machen konnte, fiel die Wahl auf mich.

Wie wollen Sie Ihre neue Rolle interpretieren?

Barbara Gerking-Dönhardt hat mit der Ein- und Durchführung der pro.loge, bei denen Referenten und Mitglieder des Stadttheaters ausgewählte Stücke inhaltlich vertiefen, ein großes Erbe hinterlassen, das wir weiterführen wollen. Management, Organisation und Repräsentation sind mir aus meinem Beruf vertraut, weniger aber das Aufstellen eines künstlerischen Programms. Diese Rolle kann ich nicht ausfüllen. Da vertraue ich auf die Kompetenz meiner Vorstandskollegen.

Können Sie schon Konkretes zu neuen Projekten sagen?

Wirklich Konkretes noch nichts, da sich alles noch im Fluss befindet. Was man sagen kann ist, dass wir noch mehr das Know-how unserer Mitglieder einbeziehen und neue Angebote entwickeln wollen. Deswegen haben wir Mitglieder gefragt, welche Ideen sie haben, und wie sie sich einbringen können. Die Resonanz hatte mich positiv überrascht und wir haben einen Beirat gegründet, der Vorschläge erarbeiten wird. Ein wichtiges Ziel wird es sein, das Theater und die Theaterfreunde näher zusammenzubringen.

Ein großes Thema des ehemaligen Intendanten Christoph Nix war die Frage, ob das Stadttheater grundlegend saniert und umgebaut wird, oder eine Sanierung in kleinerem Maßstab erfolgt. Was ist daraus geworden?

Christoph Nix hatte eine große Lösung sehr vehement gefordert. Es gab eine sehr starke Auseinandersetzung zwischen ihm und der Stadtverwaltung. Wir haben uns dann überlegt, das Ganze auf Grundlage eines Gutachtens zu versachlichen. Dann kam aber der Intendanzwechsel von Christoph Nix zu Karin Becker und die Pandemie. Schlussendlich hat sich der Vorschlag der Verwaltung einer kleineren Lösung durchgesetzt. Dadurch gab es auch Neuerungen wie den KulturKiosk und jetzt den Umbau des Foyers. Das Thema Sanierung ist deshalb erst mal vom Tisch für uns. Frau Becker hat den Konflikt gelöst.

Wie würden Sie den Sinn und Zweck des Vereins beschreiben?

Interessant ist die Idee, die hinter der Gründung 1968 stand. Damals stand eine Budgetkürzung im Raum, die die Spielstätte in eine Gastspielbühne umgewandelt hätte. Dagegen gab es großen Protest von einflussreichen Bürgern. Zur Rettung des Theaters wurden die Theaterfreunde gegründet. Der Grundgedanke, das Theater zu unterstützen, gilt heute noch. Häufig findet das zum Beispiel in Form von Sachspenden statt. Ganz praktisch stellen Mitglieder auch Wohnraum auf Zeit für Schauspieler zur Verfügung. In der Coronazeit erbrachte ein Spendenaufruf zugunsten der von Corona betroffenen Schauspieler knapp 10.000 Euro. Die Theaterfreunde geben gerne Geld für einen guten Zweck. Neben diesen praktischen Hilfen ist mir aber auch eine ideell-politische Unterstützung des Theaters wichtig.

Was verstehen Sie darunter?

Man muss sich fragen, was ist wichtig für einen Kulturbetrieb, abgesehen von der Qualität des Angebots. Für mich ist dies ein Publikum, welches das Theater mit Engagement begleitet, sich begeistert, aber auch durchaus kritisch ist. Das wertet einen Standort enorm auf. Wie erreicht man das? Indem man die Verbindung zwischen Theater und Theaterfreunden intensiviert, dass man die aktive Auseinandersetzung, wie zum Beispiel bei pro.log, verstärkt.

Sie selbst schreiben Theaterkritiken in Ihrem Blog sch-8.de. Sie leben also schon die Idee, das Theater inhaltlich als interessierter Zuschauer zu begleiten?

Das Kritiken schreiben kam aus dem Nichts. Plötzlich hatte ich eine Meinung und wollte sie aufschreiben. Was mir dabei gefällt ist, dass ich als Zuschauer viel aufmerksamer bin, wenn ich später eventuell darüberschreibe. Das Stück wird für mich interessanter, es rauscht nicht passiv an mir vorbei. Das macht mir Spaß. Die Einträge sind aber meine Privatmeinung. Ob ich das in Zukunft beibehalten werde, weiß ich nicht. Es sollte nicht mit meiner Rolle als Vorsitzender der Theaterfreunde vermischt werden.

Die Fragen stellte Karin Stei