Adventszeit in der Pandemie, 2. Auflage. Alle Weihnachtsmärkte wurden gar nicht erst geöffnet oder sind bereits wieder geschlossen. Alle Weihnachtsmärkte? Nein, eine badische Familie sorgt in Konstanz dafür, dass wenigstens ein bisschen Weihnachtsmarktstimmung aufkommt.

Ursula Weih ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt für ihr Adventslädele, mit dem sie sich selbst einen Traum erfüllt hat und seit 15 Jahren ihre Kunden erfreut. Viele warten jedes Jahr ungeduldig auf die Öffnung des kleinen Ladens, der eigentlich eine Doppel-Garage ist.

Selbst gebackene Plätzchen

Räuchermännchen, Kerzen, Krippen und Krippenfiguren verschiedenster Art, Engel und Wichtel, Baumschmuck, dazu diverse Leckereien wie selbst gebackene Plätzchen, hunderte kleiner und großer Linzertorten sowie hausgemachte Marmeladen – wer hier herein kommt, kann auf Entdeckungsreise gehen. Eine Vorliebe hat Ursula Weih für Adventsfloristik. Gestecke, Tür- und Adventskränze – sie gestaltet Dekoratives fürs Zuhause auch auf Bestellung und nach den Wünschen der Kunden. „Die Leute haben schon ihre Vorstellungen, wie das aussehen soll“, sagt sie.

Sie holt sich Inspiration unter anderem auf einer Fachmesse in München, die sie jedes Jahr besucht. Auch Sohn Patrick, der ebenso wie Ehemann Jürgen viel Zeit und Energie in das Adventslädele steckt, bringt stets neue Ideen ein. „Ein Beispiel waren schwarze Kerzen“, erzählt Ursula Weih. Sie sei sehr skeptisch gewesen, habe nur wenige Kränze damit dekoriert. Aber sie seien ruckzuck verkauft gewesen.

Ein Fürstenberger Urgestein

Ursula Weih gehört hier am Fürstenberg zum Urgestein. „Ich bin hier aufgewachsen.“ Viele kennen sie auch als Fasnachterin. Von einem eigenen Laden hat sie lange geträumt. Mit dem Adventslädele hat sie sich den Traum erfüllt. In normalen Jahren ist sie auch auf Flohmärkten und in der Vorweihnachtszeit auf kleinen regionalen Weihnachtsmärkten zu finden. Diesmal, wie schon im letzten Jahr, hat Corona ihr nur den kleinen Mini-Weihnachtsmarkt in der Berchenstraße gelassen. Auf den Ausschank von Glühwein oder das Anbieten kleiner Snacks muss sie ebenfalls verzichten. Drei Kunden dürfen gleichzeitig in das Lädele. Mit einer kleinen Ampel zeigt sie draußen an, ob der Einlass noch erlaubt ist. „Das klappt einfach wunderbar“, betont Ursula Weih. Alle zeigen Verständnis dafür, ebenso wie für die 2G–Regel.

Mit dem Verkauf des Glühwein hat sie früher Spenden für die Kinderklinik Tannheim gesammelt. Da das diesmal nicht geht, stehen zwei Spendenkässchen bereit, in die alle, die vorbei kommen, etwas stecken können, wenn sie wollen. „Ein Kässchen ist für Tannheim, das andere für die Kinderklinik Konstanz bestimmt.“ Im Januar überweist sie das gesammelte Geld, legt jedes Jahr noch etwas aus eigener Tasche drauf. Doch das ist für sie ebenso selbstverständlich, wie sie unendlich viel Zeit in die Vorbereitung des Lädeles steckt, ohne dabei an Profit zu denken. Denn der fällt nicht üppig aus. „Zum Glück müssen wir davon nicht leben“, so sagt sie unisono mit ihrem Mann. Aber das Wichtigste ist für sie beide die Leidenschaft für diese Arbeit und die Freude, die sie damit anderen machen.

Gedicht von der Nachbarin

In der Nachbarschaft registriert man wohlwollend, wenn das Weihnachtsmarkt-Transparent aufgehängt wird. Denn das bedeutet, es geht bald los. Marianne Schröder zum Beispiel wohnt direkt gegenüber und lässt sich jedes Jahr einen Türkranz binden. „Frau Weih hat einfach eine Begabung dafür“, schwärmt die 87Jährige. Dieses Jahr hat sie sich sogar zu einem Gedicht inspirieren lassen, in dem sie in Versen den Zauber des Lädele beschreibt.

Gedicht von Marianne Schröder für Ursula Weih

Wer Ursula Weihs Adventslädele selbst erleben möchte, hat noch bis einschließlich 17. Dezember Zeit dazu. Dieses Jahr sogar samstags, wegen der Personenbegrenzung.