Eier gehören zu den bekanntesten Ostersymbolen. Das hartgekochte Osterei, das seit Jahrtausenden verschenkt und verspeist wird, steht im Christentum für den Tod von Jesus. Bereits im 4. Jahrhundert waren Eier römisch-germanischen Gräbern als Grabbeigaben beigelegt worden. Das Ei galt damals schon als Symbol der Auferstehung. Während der Fastenzeit durften keine Eier gegessen werden, die Hühner legten in dieser Zeit natürlich munter weiter. So sammelten sich in der 40-tägigen Fastenzeit viele Eier an. Durch das Hartkochen wurden diese haltbar gemacht. Seit dem 13. Jahrhundert gilt Rot als traditionelle Ostereierfarbe. Die rote Farbe symbolisiert das Blut Christi.

Die Eierwahl

Zu Ostern gibt es Eier in vielen verschiedenen Farben, Größen und Materialien: als Schokoladen-, Hühner-, Gänse- oder Straußenei. Das Straußenei ist das größte Ei der Welt. Seine Eimasse entspricht bis zu 25 Hühnereiern. Im Bodenseehinterland bei Owingen-Taisersdorf liegt die Straußenfarm Beutenmühle, die seit 2018 von der Familie Heiko Martin bewirtschaftet wird. „Vor einigen Tagen legten die großen Laufvögel das erste Ei der Legesaison“, berichtet Heiko Martin. Diese dauert von März bis in den September hinein. Wird das Wetter zum Ende der Legesaison schlechter, stellen die Strauße das Eierlegen entsprechend früher ein.

Vielfältige frühlingshafte und österliche Gestaltungsmöglichkeiten ergeben sich mit Straußeneiern.
Vielfältige frühlingshafte und österliche Gestaltungsmöglichkeiten ergeben sich mit Straußeneiern. Bild: Sandra Häusler

Jeden zweiten Tag ein Ei

„Strauße legen nur Eier, wenn sie wissen, dass sie die Eier ausbrüten können“, erläutert der Halter. Die Eier im Gelege entnimmt Heiko Martin regelmäßig. Er bringt diese zu einer benachbarten Straußenfarm in Airach bei Stockach, wo sie im Brutschrank ausgebrütet werden. Jedes Straußenweibchen legt während der Saison etwa alle zwei bis drei Tage ein Ei. Pro Woche kommen da etwa zehn bis 13 Eier zusammen. 40 Tage, genauso lange wie die österliche Fastenzeit dauert, braucht es, bis das Ei ausgebrütet ist und das Straußenküken von innen die harte Schale durchbricht. Heiko Martin holt diese dann als Tagesküken wieder ab.

Dicke Eierschale

Auf der Straußenfarm erfahren die Straußeneier besonders zur Osterzeit eine enorme Nachfrage. Straußeneier haben eine äußerst dicke Schale. Um sie zu öffnen, eignet sich am besten eine Bohrmaschine. Beim Schlupf entstehen die charakteristischen Bruchstücke. Die Straußeneier können bepflanzt oder graviert werden. Claudia Martin bemalt sogar einen Teil der Straußeneier und deren Bruchstücke von Hand mit vielfältigen Motiven.

Auf den Strauß gekommen

Als Heiko Martin 2013 auf einer Geburtstagsfeier erstmals Straußenfleisch gekostet hatte, sagte er zu seiner Frau: „Das brauche ich auch.“ Eine Straußenhaltung sah er als ideale wirtschaftliche Lösung für den kleinen Hof. Gegenüber den Eltern Ernst und Claudia Martin musste er jedoch zunächst Überzeugungsarbeit leisten. 2014 belegte er mit seinem Vater Ernst ein Sachkundeseminar zur Straußenhaltung und schuf damit die Voraussetzung, Strauße halten zu dürfen und sich die Haltung vom Landwirtschaftsamt genehmigen zu lassen. Durchschnittlich hält Familie Martin heute rund 100 Strauße unterschiedlicher Größe vom Schlupf bis zu Zuchttieren.

Claudia Martin bemalt einen Teil der Straußeneier und diverse Bruchstücke von Hand.
Claudia Martin bemalt einen Teil der Straußeneier und diverse Bruchstücke von Hand. Bild: Lea Martin

Der Straußenhahn ist am schwarzen Federkleid erkennbar, die Hennen tragen grau. Die Laufvögel mit den langen nackten Beinen, die an zweibeinige Dinosaurier erinnern, sind sehr revierbezogen. In der Regel sind Strauße nach 14 bis 16 Monaten schlachtreif. Die Geschlechtsreife stellt sich erst nach zweieinhalb bis fünf Jahren ein. Hauptsächlich vermarktet die Familie das Straußenfleisch in der Direktvermarktung über den Hofverkauf und mit einem Verkaufswagen auf Wochenmärkten. Jeweils freitags ist zwischen 16 und 18 Uhr Hofverkauf mit dem Verkaufswagen direkt auf der Beutemühle. Unter der Woche ist das Straußenfleisch im Selbstbedienungs- Kühlschrank auf dem Hof erhältlich, ebenso wie die Eier oder auch nur Bruchstücke.

„Der Geschmack von Straußenfleisch liegt zwischen Rind und Wild“, erklärt Heiko Martin. „Wer Rind und Wild mag, mag garantiert auch Strauß.“ Dabei achtet er sehr genau auf die Haltung, denn der Straußen-Experte erzeugt das gesamte Futter für seine Laufvögel selbst.