Ein junger Mann sitzt in seinem Wohnzimmer und blickt angespannt auf sein Handy. Immer wieder kneift er die Augen zu. Und immer wieder huscht auch ein kurzes Grinsen über das Gesicht. Der junge Mann ist 26 Jahre alt, kommt aus Überlingen und heißt Jonathan Koch. Er segelt beim Bodensee Yacht Club Überlingen in der Segel Bundesliga und gehört zu den besten eSailing-Spielern in Deutschland. Die virtuellen Wettkämpfe segelt er in der Regel alle auf dem Handy. Nach zwei zweiten Plätzen hat er es im dritten Anlauf endlich geschafft: Er ist deutscher eSailing-Meister. Zur Meisterschaft wurden die 20 besten deutschen eSailing-Segler eingeladen.

Top-Favorit

In der deutschen Rangliste ist der Überlinger auf Platz eins. Damit ging er als einer der Top-Favoriten in die deutsche Meisterschaft, die in sieben Wettfahrten auf sieben verschiedenen Bootsklassen ausgetragen wurde. Neben den bekannten Klassen wie J70, Laser, Star und 49er kamen noch Nacra, F50 und ein Offshore-Racer dazu. „Die Kunst ist es, die Mischung aus Taktik bei den langsameren und Technik und Handling bei den schnellen Bootsklassen zu beherrschen“, erklärt der 26-Jährige, der beruflich mittlerweile in Brüssel ist.

Jonathan Koch ist in der Segel-Bundesliga für den Bodensee Yacht Club Überlingen im Einsatz.
Jonathan Koch ist in der Segel-Bundesliga für den Bodensee Yacht Club Überlingen im Einsatz. Bild: Lars Wehrmann

Die Wettfahrten, die an einem Abend ausgetragen wurden, waren alle sehr eng. Und Jonathan Koch hatte mit Platz zwölf einen rabenschwarzen Start erwischt. „Ich war da nervlich schon fast am Ende“, erinnert er sich. „In dieser Situation haben mir die intensiven Gespräche mit internationalen eSailing-Kollegen aus der Türkei, aus Dänemark und Frankreich enorm geholfen.“ Da es nur ein Streichergebnis gab, musste nun alles passen – und es passte: Es folgten drei Laufsiege in Folge.

Spannende Wettfahrten

„Vor der letzten Wettfahrt war ich punktgleich mit dem Zweiten und es hätten noch fünf Teilnehmer gewinnen können“, sagt er. „Am Ende hatte ich ganz knapp die Nase vorn und wurde endlich deutscher Meister.“ Besonders freut sich der Überlinger, dass es zum ersten Mal auch richtige Medaillen gibt. Die Goldene ist allerdings noch nicht angekommen.

So sieht die Spielerkarte von Jonathan Koch aus, mit dem er im internationalen eSailing Team „Unicorn of love“ startet.
So sieht die Spielerkarte von Jonathan Koch aus, mit dem er im internationalen eSailing Team „Unicorn of love“ startet. Bild: Roxijoni

Und eines ist bemerkenswert: Alle Top-eSailing-Segler sind nicht nur am Computer oder am Handy spitze, sie verstehen ihr Metier auch auf dem Wasser. „Das eSailing ist dem realen Segeln sehr ähnlich“, erklärt Jonathan Koch. „Man muss ähnliche Entscheidungen wie auf dem Boot fällen und genauso schnell reagieren.“ Und man muss regelmäßig trainieren. Vor wenigen Wochen war der Überlinger bei der WM-Ausscheidung dabei. Dort hat es nicht ganz gereicht. Aktuell wird gerade der Nations Cup ausgetragen, bei dem er Kapitän im deutschen Team ist.

„Unicorns of love“

Er ist zudem Manager des internationalen eSailing-Teams „Unicorns of love“. Jonathan Koch segelt dort auch selber mit. Mit dabei ist unter anderem der Spanier Joan Cardona, der in Tokio Olympia-Bronze gewonnen hat und amtierender eSailing-Weltmeister ist. „Das Ganze nimmt immer professionellere Züge an“, beschreibt er. „Alle Teammitglieder haben einen Vertrag unterschrieben, ein eigenes Trikot und einige Pflichttermine.“ Der Überlinger segelt zwar selbst mit, bleibt aber realistisch: „Ich werde sicherlich der erste sein, der aus dem Team fliegt, denn die anderen sind Weltklasse“, sagt er schmunzelnd. Ziel seien Live-Turniere und sogar ein Live-Event in Hamburg.