Gerade die aktuelle Zeit ist für viele Vereine und Projekte eine ganz schwierige. Durch Corona fallen mit zahlreichen Veranstaltungen wichtige Einnahmequellen weg. Für Projekte wird es immer schwieriger, Sponsoren zu finden. Und für Unternehmen und Einzelhändler ist es schwierig, einzelne Projekte und Vereine zu unterstützen, weil dann sofort andere ebenfalls nachfragen.

Win-Win-Win-Situation

„Hier bietet die Bürgerkarte eine sogenannte Win-Win-Win-Situation“, erklärt Miriam Montano von der Regionalgruppe der Gemeinwohl-Ökonomie, die die Bürgerkarte im Bodenseekreis etablieren möchte. „Bei diesem Konzept profitieren der Kunde, der Händler und die Vereine und Projekte in der Region.“ Außerdem solle mit der Bürgerkarte vor allem der regionale Handel gestärkt werden und die Kunden wieder mehr zu Vor-Ort-Einkäufen animiert werden.

Was sich auf den ersten Blick utopisch anhört, könnte durchaus funktionieren, wenn es genügend Beteiligte gibt. Das Konzept ist ausgeklügelt und wurde bereits 2013 von Klaus Kopp und dem Verein Bürger-Vermögen-viel (BVV) initiiert. Seit 2017 gibt es die Bürgerkarte schon in der Region Bodensee-Oberschwaben. „Wir haben allerdings bislang keine Öffentlichkeitsarbeit im Bereich Überlingen gehabt“, erklärt Miriam Montano. „Nun wollen wir eine Offensive starten und hoffen, dass viele Unternehmen und Händler, aber auch Vereine und Projekte mitmachen.“

Das Konzept

Das Konzept funktioniert so, dass man mit der Bürgerkarte bei teilnehmenden Händlern einkauft. Jede Bürgerkarte ist an ein bestimmtes, frei zu wählendes Förderprojekt gebunden, das 1,8 Prozent des Umsatzes erhält. Die Vereine und Projekte haben also jeweils ihre eigene Bürgerkarte, die sie an Mitglieder und Freunde verteilen können. Diese unterstützen die Vereine und Projekte durch einen Einkauf bei teilnehmenden Händlern.

Viele Teilnehmer wichtig

Und eine dieser Händlerinnen ist Christina Krafft von der Buchhandlung „Odilia“ in Überlingen. „Das Konzept hat mich absolut überzeugt“, sagt sie. „Wenn viele Vereine mitmachen, erhoffe ich mir mehr Kunden. Außerdem mache ich, wenn ich etwas verkaufe, auch noch etwas Gutes.“ Sie erhofft sich durch die Teilnahme am Projekt Bürgerkarte, dass sich der eine oder andere Kunde dazu entscheidet, bei ihr zu kaufen, weil dieser dadurch einen Verein oder ein Projekt seiner Wahl unterstützen kann.

Schon länger mit dabei ist unter anderem Outdoor-Ausrüster Vaude aus Tettnang. „Die Bürgerkarte bietet eine einfache Möglichkeit, mit der jeder Einzelne hier und jetzt den Wandel zu mehr Nachhaltigkeit und Fairness umsetzen und Gutes in der Region bewirken kann“, sagt die Geschäftsführerin Antje von Dewitz. „Denn immer mehr Menschen möchten bewusst nachhaltig leben und konsumieren.“

Mit der Bürgerkarte können die Kunden direkt ein Förderprojekt unterstützten. Das ist aber noch nicht alles, denn 0,2 Prozent eines Umsatzes fließen außerdem in das sogenannte regionale Bürgervermögen. In diesem Fall für die Region Bodensee-Oberschwaben. „Das Ziel ist es, mit diesen Geldern einmal im Jahr weitere Projekte zu unterstützen“, erklärt Miriam Montano. „Um zu entscheiden, wie sie verteilt werden, gibt es ein Bürgerparlament, zu dem alle Bürgerinnen und Bürger eingeladen werden.“

Die Finanzierung

Finanziert wird das ganze Projekt Bürgerkarte, in dem die Unternehmen und Händler ein weiteres Prozent vom Umsatz für die Logistik bereitstellen. „Unterm Strich beteiligt sich der teilnehmende Händler mit maximal drei Prozent vom Umsatz, kann seine Kosten aber auf einen Prozent reduzieren, wenn er ebenfalls regional einkauft“, fasst Miriam Montano zusammen. „Damit wollen wir nicht nur dem enorm gestiegenen Online-Handel entgegenwirken und die lokalen Unternehmen stärken, sondern gleichzeitig auch eine gesellschaftliche In-frastruktur in der Region unterstützen.“