Als der Krieg ausbrach, stellte sich heraus, dass das Wichtigste in einer Stadt ein Luftschutzbunker ist. Allerdings war ziemlich schell klar, dass es schlichtweg zu wenige davon gibt, da die Ukrainer niemals mit einem solch umfassenden Krieg gerechnet hatten. Deshalb gab es viele, die kurzerhand ihre eigenen Keller oder Untergeschosse von Wohnhäusern oder sogar Tiefgaragen in Luftschutzbunker umfunktioniert haben.

Aber was ist, wenn man mit der eigenen Familie bei einem Bombenalarm gerade mit der Familie beim Spaziergang im Park unterwegs ist und es droht ein Luftangriff? In Odessa gibt es genau für solche Fälle sechs Monate nach Kriegsausbruch eine Lösung: Freiwillige des Projektes „SafePlace4UA“ hatten die Idee, einen mobilen Luftschutzbunker zu konstruieren, der überall in der Stadt aufgestellt werden kann.

Massiver Stahlbeton

Die Struktur besteht aus massivem Stahlbeton mit einer Wandstärke von mehr als 25 Zentimeter und einer Deckenstärke von etwa 40 Zentimeter. Der gesamte Luftschutzbunker wiegt stolze 70 Tonnen. Dafür bietet er Platz für bis zu 18 Personen. Das Bemerkenswerte: Trotz des stattlichen Gewichts kann er bewegt werden.

Illya Blokhin hat das Projekt „SafePlace4UA“ gegründet, das die Luftschutzbunker aus Stahlbeton baut. Hier präsentiert er einen von innen.
Illya Blokhin hat das Projekt „SafePlace4UA“ gegründet, das die Luftschutzbunker aus Stahlbeton baut. Hier präsentiert er einen von innen. Bild: Nina Lyashonok

Erste Bunker stehen bereits

Derzeit werden mehrere dieser Unterstände im Rahmen des „SafePlace4UA“-Projekts in Odessa gebaut und in den verschiedenen Stadtparks installiert. Die Produktion hat gerade erst begonnen und sie soll ausgeweitet werden: In naher Zukunft planen Freiwillige so viele solcher mobilen Luftschutzbunker zu bauen, dass sie auch nach Mykolajiw geschickt werden können. Diese Stadt liegt etwa 130 Kilometer von Odessa entfernt, wird allerdings im Vergleich deutlich häufiger beschossen. Um die grauen Quader etwas freundlicher zu gestalten, gibt es einige freiwillige Künstler, die diese Luftschutzbunker bunt bemalen, um sie „freundlicher“ für Kinder zu machen.

„Nach den Angriffen auf Vinnytsia und Kremenchuk, als wir alle die Aufnahmen von Zivilisten sahen, die an den Trümmern und der Schockwelle starben, weil sie sich nirgendwo verstecken konnten, begannen wir über diese Idee nachzudenken“, erklärt Ilja Blochin, der das Projekt gegründet hat. „Das wichtige an einem solchen Luftschutzbunker ist, dass er auf der einen Seite stabil und sicher und auf der anderen Seite mobil ist.“ In Planung seien auch kleinere modulare Unterstände, die 40 Tonnen wiegen und zwölf Personen Schutz bieten. Durch die Bauweise schützen sie übrigens selbst vor Streubomben.

Der Autor Sergey Panashchuk lebt selbst in Odessa.
Der Autor Sergey Panashchuk lebt selbst in Odessa. Bild: privat

Für die zweifache Mutter Katerina Chernichenko geben solche Luftschutzbunker mindestens ein besseres Gefühl: „Ich bin zwar kein Ingenieur und ich bin mir auch nicht sicher, ob diese Bauten uns vor einem direkten Raketeneinschlag retten können, aber ich würde mich definitiv sicherer fühlen, wenn ich und meine Kinder im Notfall einen Platz hätten, an dem wir uns verstecken können.“

Mehr Luftschutzbunker

Der Rentner Valentin Kuznetsov fordert sogar solche Luftschutzbunker: „Wir brauchen mehr von ihnen. Es ist offensichtlich. Ich verstehe nicht, warum die Regierung nichts tut.“ Er sei froh, dass wenigstens Freiwillige über diesen Schutz nachdenken und sie anfertigen. „Angesichts der Tatsache, dass wir eine Millionenstadt sind, brauchen wir viele Luftschutzbunker“, betont Valentin Kuznetsov.