Unter den Namen „Alpakagold“ oder „Green Beans“ sind die Ausscheidungen von Alpakas, die olivenförmigen Kotkügelchen, ein Geheimtipp unter Naturgärtnern. Kein Wunder, denn der Alpaka-Dünger gilt als besonders wertvoll, weil er hohe Anteile von Stickstoff, Phosphor und Kalium hat und zudem einen recht geringen Wassergehalt.

Aus diesen olivenförmigen Kotkügelchen der Alpakas wird nährstoffreicher Naturdünger.
Aus diesen olivenförmigen Kotkügelchen der Alpakas wird nährstoffreicher Naturdünger. Bild: Sandra Häusler

Wertschöpfungskreislauf

Das haben natürlich auch Rosina und Jürgen Pfeifer mitbekommen, die in Rast, einem Teilort der Gemeinde Sauldorf, einen kleinen Alpakahof betreiben. Da ihnen vor allem der Wertschöpfungskreislauf am Herzen liegt und sie bislang bereits die Alpakawolle für Strick-, Woll- und Bettwaren, vertreiben sowie Alpaka-Spaziergänge anbieten und weitere Produkte in ihrem eigenen Hofladen vertreiben, passte die Herstellung von Alpaka-Dünger unter dem Begriff „PakoLina“ perfekt in ihr Portfolio.

Bereits mit bloßem Auge erkennbar, um die Kotplätze herum wächst das Gras viel kräftiger und saftiger.
Bereits mit bloßem Auge erkennbar, um die Kotplätze herum wächst das Gras viel kräftiger und saftiger. Bild: Sandra Häusler

Kotstellen

Aber warum ist der Dünger so besonders? Das liegt an der sehr effizienten Verdauung der Alpakas. Diese bildet die Grundlage für den Naturdünger. Rosina und Jürgen Pfeifer halten die männlichen und weiblichen Alpakas getrennt. Auf den jeweiligen Weiden und in den Ställen legen die Flucht- und Distanztiere sogenannte Kotplätze an. Das bedeutet, dass die Tiere nicht überall ihr Geschäft verrichten, sondern nur an bestimmten Stellen. So ist es für Rosina und Jürgen Pfeifer relativ einfach, die Kotkügelchen dort einzusammeln und diese im Sommer in Schütten an der Sonne und der frischen Luft zu trocknen.

Der getrocknete Alpaka-Kot wird in der Düngerwerkstatt von Jürgen Pfeifer nochmals von Hand sortiert.
Der getrocknete Alpaka-Kot wird in der Düngerwerkstatt von Jürgen Pfeifer nochmals von Hand sortiert. Bild: Sandra Häusler

Von Hand verlesen

Nach der Trocknung wird der Kot nochmals von Hand verlesen. „Der Dünger soll möglichst rein sein, wir wollen so wenig Heu und Stroh wie möglich im Dünger haben“, erklärt Jürgen Pfeifer. Eigentlich ist die Herstellung des Alpaka-Düngers sein Herzensprojekt. Immer wieder hatte der Alpaka-Züchter im Nebenerwerb von Berufskollegen oder aus den Medien von der Düngerwirkung des Alpakakots gehört. „Es war ein Prozess, herauszufinden, wie es funktioniert“, erinnert er sich.

Die Herstellung des Naturdüngers ist ein aufwendiger und teurer Prozess. Vor allem der bürokratische Weg war immens. Bis zur Zulassung dauerte es rund eineinhalb Jahre. Um diesen Alpaka-Dünger an Endkunden und Privatpersonen verkaufen zu können, ist nämlich eine Zulassung erforderlich. Neben der nationalen Gesetzgebung muss auch noch das EU-Recht mit Verordnungen beachtet werden. Zusammen mit den Behörden und Ämtern meisterten Rosina und Jürgen Pfeifer die Zulassung und Eintragung als Düngemittelhersteller.

Zwei Alpakas strecken ihre Nasen in den Wind. Der Kot der Tiere gilt unter anderem wegen seiner hohen Anteile von Stickstoff, Phosphor und Kalium als besonders wertvoll.
Zwei Alpakas strecken ihre Nasen in den Wind. Der Kot der Tiere gilt unter anderem wegen seiner hohen Anteile von Stickstoff, Phosphor und Kalium als besonders wertvoll. Bild: Sandra Häusler

Hygieneverfahren

Der Alpaka-Dünger muss immer ein Hygieneverfahren durchlaufen. Eine Stunde lang wird der Alpakakot dann in der Düngerwerkstatt auf dem Hof bei mindestens 70 Grad Celsius erhitzt. In einem Produktionsprotokoll wird der Herstellungsprozess jeder Charge festgehalten. Es muss der Nachweis erbracht werden, dass im Dünger keine Schadstoffe und Schwermetalle enthalten sind. Er wird auf Colibakterien und Salmonellen untersucht.

Bis zum Vorliegen des Laborergebnisses erhält die Charge einen Sperrvermerk. „Wenn das Ergebnis vorliegt, dass die Richt- und Grenzwerte eingehalten sind, wird der Alpaka-Dünger von Hand verpackt und geht in den Verkauf“, erläutert Rosina Pfeifer. Bislang verwenden die beiden zur Düngerherstellung lediglich den Kot der eigenen Tiere. „Wir würden aber auch im Lohnauftrag für andere Halter Alpaka-Dünger hygienisieren“, betont Jürgen Pfeifer.

In 500 Gramm oder 2-Kilo-Papiertüten wird der Alpaka-Dünger in den Verkauf gegeben.
In 500 Gramm oder 2-Kilo-Papiertüten wird der Alpaka-Dünger in den Verkauf gegeben. Bild: Sandra Häusler

Kräftiger Wuchs

Auf den eigenen Weiden sieht man auf dem Hof der Familie Pfeifer, dass das Gras um die Kotplätze herum dichter, grüner, saftiger, kräftiger und höher wächst. Naturdünger liefern Pflanzen Nährstoffe und verbessern den Boden ohne Chemie. Durch die langsame Zersetzung werden dem Boden wieder Nährstoffe zurückgegeben. Die Verwendung von Naturdünger ist also nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch sinnvoll.

An den Stellen, wo Rosina Pfeifer Alpaka-Dünger ausgebracht hat, wächst das Gras saftiger und kräftiger.
An den Stellen, wo Rosina Pfeifer Alpaka-Dünger ausgebracht hat, wächst das Gras saftiger und kräftiger. Bild: Sandra Häusler

Auch für empfindliche Pflanzen

Laut Anwendungsempfehlung werden zwischen 100 und 200 Gramm Alpaka-Dünger pro Quadratmeter in die Erde eingearbeitet und eingewässert. Der Alpaka-Dünger kann nun bei Wärme und Feuchtigkeit von den Mikroorganismen in Pflanzennährstoffe umgewandelt werden. Da er nicht aggressiv oder scharf ist, ist er auch für empfindliche Pflanzen wie Rosen, Orchideen, Tomaten, Kräuter und Salate geeignet. Von der Wirkung ihres Alpaka-Düngers ist Rosina Pfeifer seit ihren vielfältigen Selbstversuchen vollkommen überzeugt. Sie berichtet, dass der Salat knackiger und Gurken aromareicher werden. Bei den Tomatenpflanzen führte der Naturdünger zu einer langen Ernteperiode. Auf dem Alpaka-Hof erhalten auch Rasen, Sträucher und Bäume den hofeigenen Alpaka-Dünger.